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Konzert / Archiv | Beitrag vom 09.02.2019

Aus der Metropolitan Opera New YorkLicht und Dunkelheit

Moderation: Ulrike Klobes

Die Metropolitan Oper im Lincoln Center in New York (dpa / Christina Horsten)
Die Metropolitan Oper im Lincoln Center in New York (dpa / Christina Horsten)

"Iolanthe" ist das letzte Bühnenwerk von Peter Tschaikowsky, das die Geschichte einer Prinzessin erzählt, die erst dann ihre Blindheit verliert, als sie die Liebe erfährt. Die Liebe rettet auch den Bewohner von "Herzog Blaubarst Burg" von Béla Bartók.

Deutschlandfunk Kultur schaltet in die Oper nach New York, wo zwei Einakter gegeben werden.

Liebe macht sehend

Das erste Werk des Abends ist Tschaikowskys letztes Bühnenwerk, das elf Monate vor seinem Tod zur Uraufführung kam, am gleichen Abend wie sein Nußknacker-Ballett. "Die ganze Petersburger Presse befasste sich mit den Beschimpfungen meiner Schöpfungen", schrieb er an seinen Bruder Anatoly. "Aber das macht mir nichts aus; denn das ist nicht neu, und ich weiß, dass ich letzten Endes mein Ziel erreichen werde."

Ein Mann schaut in eine offene, weiße Laube, in der eine junge Frau schläft. (Metropolitan Opera New York / Marty Sohl)Die blinde, schlafende Iolante "verzaubert" ihren Zukünftigen, der sie zufällig entdeckt. (Metropolitan Opera New York / Marty Sohl)
Die Oper spielt in einer Art Traumwelt, der der Komponist weder Zeit noch Ort gegeben hat. Darin wird das Schicksal der blinden burgundischen Prinzessin Iolanthe erzählt, die blind aufwächst und nur dann Heilung erfahren kann, wenn sie selbst dies unbedingt will. Doch der Vater hat eine Umgebung geschaffen, die sie gar nicht merken lässt, dass ihr etwas fehlt. Erst die Liebe bringt den Wunsch, den Mann, in dessen Stimme sie sich verliebt hat, auch sehen zu können. 

Dunkelheit, die verschlingt

Während Tschaikowskys Protagonistin vom Dunkel ins Helle findet, geht Bartoks Frauenfigur Judith in seiner frühen Oper "Herzog Blaubarts Burg" den umgedrehten Weg. Sie betritt die Wohnstatt von Blaubart, jenen Ort voller düsterer Geheimnisse. Sieben Türen reißt die junge Frau auf, die überzeugt ist, mit ihrer Liebe Licht in das Leben von Blaubart bringen zu können. Doch mit jeder Tür verdunkelt sich die Liebe der beiden, bis die letzte Tür die grausame Vergangenheit - den Tod von drei voran gegangenen Frauen - verrät. Judith wird diesen Raum nie wieder verlassen und ist damit in ewig währender Dunkelheit gefangen.

Béla Bartók und ein Notenblattauszug aus einer seiner Kompositionen. (imago / United Archives International / Montage: DLF Kultur)Béla Bartók fasst Dunkelheit und Licht in seine Musik. (imago / United Archives International / Montage: DLF Kultur)
Live aus der Metropolitan Opera New York

Peter Tschaikowsky
"Iolanthe", Lyrische Oper in einem Akt op. 69
Libretto: Modest Tschaikowsky nach Henrik Hertz

Iolanthe - Sonya Yoncheva, Sopran
Graf Vaudémont - Matthew Polenzani, Tenor
Graf von Burgund - Alexey Markov, Bariton
Ebn-Hakia, ein Arzt - Elchin Azizov, Bariton
René - Vitalij Kowaljo, Bass

Chor und Orchester der Metropolitan Opera New York
Leitung: Henrik Nánási

ca. 20.45 Uhr Opernpause

Feature von Georg Beck:
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George Bernhard Shaw als Musikkritiker


Béla Bartók
"Herzog Blaubarts Burg", Oper in einem Akt
Libretto: Béla Balázs

Judith - Angela Denoke, Sopran
Blaubart - Gerald Finley, Bass

Chor und Orchester der Metropolitan Opera New York
Leitung: Henrik Nánási

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