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Kulturpresseschau | Beitrag vom 25.09.2018

Aus den FeuilletonsWer kritisch ist, soll draußen bleiben

Von Tobias Wenzel

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Herbert Kickl (FPÖ), Innenminister von Österreich (picture alliance / Lino Mirgeler/dpa)
FPÖ-Innenminister Herbert Kickl spricht nicht mit jedem Pressevertreter - einige, besonders kritische will er komplett ausgrenzen. (picture alliance / Lino Mirgeler/dpa)

Die Feuilletons beschäftigt die Pressefreiheit - beziehungsweise deren Gefährdung durch Politiker wie den österreichischen Innenminister Herbert Kickl (FPÖ). Der hätte es am liebsten so: Wer kritisch ist, darf überhaupt keine Fragen mehr stellen.

"Wen die Erschütterungsrhetorik der kirchlichen Würdenträger nicht überzeugt; wen es stutzig macht, dass man auch nach der Veröffentlichung einer Studie über kirchlichen Missbrauch nicht weiß, wer die Verantwortlichen sind", schreibt Christian Geyer in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG, "so jemand kann Liebesentzug durch Geldentzug üben. So jemand kann die Zahlung der Kirchensteuer einstellen, kann sich dabei auf sein Gewissen berufen, sofern es an ihm nagt, weil die Kirchensteuer nun ja für alle erkennbar mittelbar den sexuellen Missbrauch unterstützt." 

Wie gerne würde man Mäuschen spielen und zum Beispiel Kardinal Marx dabei beobachten, wie er Geyers Artikel liest, diese Anregung zum Kirchenaustritt. Genauer: Geyer sieht gute Chancen, die Kirchensteuer zu kündigen, aber gleichzeitig Mitglied der Glaubensgemeinschaft zu bleiben. Dabei beruft er sich auf ein Leipziger Urteil. Zum Glück ist die Zeit der Inquisition vorbei. Sonst hätte Christian Geyer für seinen äußerst praktischen Tipp wohl der Scheiterhaufen gedroht.

FPÖ wünscht sich Propaganda statt kritischer Medien

Obwohl ja auch heute wieder eine nicht genehme, kritische Meinung regelrecht bekämpft wird. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG erinnert daran, dass Herbert Kickl, Österreichs Innenminister von der radikal rechten FPÖ, kürzlich "investigativen Journalisten unverblümt gedroht" hat. "Psst: unbequeme Presse" titelt nun die TAZ. Denn Kickl soll die Polizei in einer internen E-Mail dazu "angeregt" haben, die Kommunikation mit kritischen Medien, wozu er die Zeitungen "Der Standard", "Kurier" und "Falter" zählt, auf "das nötigste (rechtlich vorgesehene) Maß zu beschränken". Stattdessen solle intensiver mit dem privaten Fernsehsender ATV zusammengearbeitet werden, weil da die Polizei die Themen bestimmen könne.

"Kickl wünscht sich also Propagandainstrumente, die seine Taten und die der Polizei preisen", schreibt Ralf Leonhard. Außerdem solle die Angst vor Ausländern geschürt werden. Dass der Innenminister nun behauptet, er selbst habe diese "Anregungen" nicht gegeben, sondern ein Pressesprecher, hält Leonhard für unglaubwürdig. "Für Medienverantwortliche spricht aus dem Rundschreiben eine neue Qualität der Medienkontrolle", schreibt er. "Vom Fake-News-Vorwurf Donald Trumps ist diese Unterscheidung zwischen 'guten' und 'bösen' Medien nur noch Nuancen entfernt."

Döpfner schreibt ernst über journalistische Freiheit

"Von allen Seiten nimmt die versuchte Einflussnahme auf die Arbeit der Journalisten zu", sagte Mathias Döpfner, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger und Vorstandsvorsitzender bei Axel Springer, in einer Rede, die nun die WELT abdruckt.

"Deshalb gilt es festzuhalten: Sie (die Journalisten) sind der Wahrheit verpflichtet. ...Und an ihrer Freiheit und Unabhängigkeit darf nicht gerüttelt werden. Der physische und ideelle Schutz von Journalisten ist Kernbestand der inneren Sicherheit eines Rechtsstaats." Döpfners Text ist so lang, dass nicht mal eine ganze Feuilletonseite reicht. Ein sehr rationaler und ernster Text. 

Houellebecq hat geheiratet

Als hätte die WELT ein Gegengewicht in ihrem Blatt schaffen wollen, druckt sie direkt daneben einen Artikel mit dem Titel "Adieu Verstand. Kein Kopf. Nur noch ein Herz". Michel Houellebecq hat zum dritten Mal geheiratet. Nach der zweiten gescheiterten Ehe habe er seine ganze Liebe in seinen Hund Clément gesteckt, bis der gestorben sei, berichtet Martina Meister.

Sie spielt auf den etwas verwahrlosten Zustand an, den der französische Schriftsteller in der Öffentlichkeit pflegte: "Als er mit seiner angetrauten dritten Ehefrau am Freitag vergangener Woche aus dem Rathaus des 13. Arrondissements von Paris trat, trug er ausnahmsweise keinen speckigen Parka, sondern einen grauen Frack, eine farblich passende Melone samt Einsteckfeder und einen Orden am Revers. Es muss also Liebe sein. Diese Nachricht sollte der Menschheit Hoffnung machen", schreibt Martina Meister nicht in der "Bunten", sondern in der WELT.

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