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Kulturpresseschau | Beitrag vom 12.08.2020

Aus den FeuilletonsWeihnachtsmärkte ohne Gedränge?

Von Tobias Wenzel

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Zahlreiche Menschen stehen bei der Eröffnung des Weihnachtsmarkts auf dem Frankfurter Römerberg (dpa / picture allince / Silas Stein)
Coronaregelkonform könnten Weihnachtsmärkte Glühwein vielleicht nur noch "to go" mit vorgegebener Laufrichtung anbieten, sinniert die "taz". (dpa / picture allince / Silas Stein)

Bald schon werden erste Lebkuchen die Supermärktregale füllen und uns an Weihnachtsmärkte denken lassen, schreibt die "taz". Für gefahrloses Wandeln in Coronazeiten würden auch schon erste Konzepte für die Laufrichtungen erarbeitet.

"Woran denkt man im Sommer, im Juli, im August?", fragt Erica Zingher in der TAZ. Manche dächten da an Weihnachten, so ihre überraschende Antwort. Denn schon jetzt würden die Bundesländer an Konzepten für Weihnachtsmärkte in Corona-Zeiten arbeiten. Unter anderem sollen Besucher in vorgegebener Laufrichtung über die Märkte geschleust werden. Zusammenstehen in Gruppen sei nicht mehr drin.

"Glühwein und kandierte Äpfel im Wortsinne to go", schreibt die Journalistin und erinnert auch daran, dass schon in zweieinhalb Wochen die ersten Lebkuchen in Supermärkten zu haben sind. Wer weiß, vielleicht kann man die dann noch bei tropischen Temperaturen genießen.

Zeichen des Klimawandels

"Seit der Französischen Revolution hat es eine Dürre wie die aktuelle nicht gegeben", schreibt Joachim Müller-Jung in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG und meint die drei letzten aufeinanderfolgenden Dürrejahre von 2018 bis 2020 bei uns in Europa. Wissenschaftler vom Potsdamer Geoforschungszentrum sagen Müller-Jung zufolge einen "unausweichlichen langfristigen Wandel Mitteleuropas" voraus.

"Könnte es sich, das dritte Dürrejahr eingenommen, nicht um Ausreißer handeln in einem natürlicherweise hochvariablen Klimageschehen?", fragt er skeptisch und blickt doch düster in die Zukunft für den Fall, dass wir die Treibhausgasemissionen nicht schnell und signifikant reduzieren.

Gedanken zu Verschwörungstheorien

Skeptisch oder kritisch betrachtet auch Jens Jessen einen zurzeit oft bemühten Begriff: "Was ist eigentlich eine Verschwörungstheorie?", fragt er in der ZEIT:

"Jedenfalls nicht alles, was einem verworren erscheint und auf unheimliche Weise weitreichend." Sonst könne man auch die von vielen nicht verstandene Allgemeine Relativitätstheorie als Verschwörungstheorie bezeichnen.

Tatsächliche Verschwörungstheoretiker würden besonders gerne Sätze der Form "Alle wahren Schwäne sind weiß" gebrauchen, denn damit lägen sie immer richtig, weil, so Jessen, "ein schwarzer oder bunter Schwan dann eben automatisch kein 'wahrer' Schwan" wäre.

Die meisten Kritiker der Corona-Schutzmaßnahmen seien deshalb gerade keine Verschwörungstheoretiker, weil sie sich zum Beispiel auf eine unsichere Datenlage oder statistische Berechnungsfehler beriefen.

Wer sie aber zusammen in einen Topf mit den tatsächlichen Verschwörungstheoretikern werfe, scheine generell Kritiker staatlicher Maßnahmen diskreditieren zu wollen. Das sei dann, so Jessen, wiederum selbst eine Verschwörungstheorie, und zwar eine "zweiter Ordnung".

Für ihn seien Aussagen wie "Das Coronavirus wurde im Labor gezüchtet" "so abwegig wie apodiktisch", erzählt Michael Pilz im Feuilleton der WELT. Die Zeitung hat dreizehn Autoren über dreizehn Fremdwörter von "apodiktisch" bis "Quantensprung" nachdenken lassen, Fremdwörter, mit denen manche angeben oder sich auch blamieren.

Verwirrende Fremdworte

"Es hat lange gedauert, bis ich den Führerschein bestanden habe, weil ich 10 Stunden lang zwei Worte nicht verstand und nicht umsetzen konnte. Das waren: Die Motorbremse und antizipieren", gesteht Swantje Karich. Damals dachte sie, "antizipieren" bedeute 'defensiv fahren'.

Der Filmkritiker Hanns-Georg Rodek ist sich nicht mehr so sicher, ob er weiterhin Sätze schreiben sollte wie "'Star Wars: Episode 1' war ein Quantensprung des digitalen Kinos". Zwar habe er sich durch Angela Merkel im Gebrauch dieses Fremdwortes bestätigt gefühlt, weil sie, die Physikerin, das Ergebnis eines EU-Gipfels als "Quantensprung" bezeichnet habe.

"Nun halten mir aber andere naturwissenschaftlich Gebildete vor, in der Physik sei ein Quantensprung die kleinstmögliche Zustandsänderung", schreibt Rodek.

"War die Merkelsche Formulierung ein Irrtum? Oder wollte sie die breite Masse beruhigen und Wissenden zugleich signalisieren, es habe praktisch keinen Fortschritt gegeben?"

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