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Kulturpresseschau | Beitrag vom 12.01.2021

Aus den FeuilletonsSo richtig Freude kommt nicht mehr auf

Von Gregor Sander

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Cynthia Nixon, Kristin Davis, Kim Cattrall und Sarah Jessica Parker als die "Sex and the City"-Charakter Miranda Hobbes, Charlotte York, Samantha Jones, Carrie Bradshaw. (imago images / Mary Evans)
"Künftig nur noch als Dreier", schreibt die "Taz": Die Kultserie "Sex and the City" kommt zurück, allerdings ohne die Figur Samantha. (imago images / Mary Evans)

Die 90er-Kultserie "Sex and the City" soll fortgesetzt werden. Gleich drei Autorinnen und ein Autor widmen sich in der "Taz" dem Thema. Große Begeisterung klingt allerdings anders: "Zu unfeministisch, zu oberflächlich, zu beziehungsfokussiert".

Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter sorgt sich in der Tageszeitung DIE WELT um die digitale Meinungsfreiheit: "Erst werden die Konservativen aus den sozialen Medien vertrieben, und dann wird ihr Rückzugsort technisch zerstört."

Damit meint er nicht nur das Sperren von Noch-Präsidenten Trump bei Twitter und Facebook, sondern auch die folgenden Aktionen: "In den letzten Monaten gab es eine Abwanderung von konservativen und rechten Nutzern sozialer Medien zu Parler, dem konservativen Pendant zu Twitter. Nachdem Apple und Google den Zugriff auf die Parler-App gesperrt hatten, schaltete Amazon die von Parler genutzten Server ab."

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Und genau das nennt Leon de Winter Zensur und hat auch die Schuldigen dafür ausgemacht: "Das linksliberale Amerika dominiert die Medien, Hollywood, die Universitäten, die obersten Schichten des Großkapitals und jetzt auch die sozialen Medien. Donald Trump wurde von den Stimmlosen des 'Middle America' gewählt, das die Hälfte der Bevölkerung ausmacht, aber dieser Teil Amerikas hat nun seine Onlinestimmen durch die Intervention der Tech-Unternehmen verloren."

"Sex and the City" kommt zurück

Wer sich nun in die soziale Welt ohne soziale Medien zurücksehnt, etwa in die 90er-Jahre, wird in der TAZ versorgt, die gleich drei Autorinnen und einen Autor auf die geplante Fortsetzung von "Sex and the City" angesetzt hat: "Künftig nur noch als Dreier", kalauert die Überschrift, weil die Figur der Samantha in diesem Frauenkleeblatt fehlen wird. Warum weiß offensichtlich auch die TAZ nicht.

"Reboots haben es in der Regel schwer", seufzt Carolina Schwarz stattdessen. "Neue Zuschauer:innen locken sie nur selten an und die alten Fans sind meistens enttäuscht, weil nicht alles wie früher ist."

Auch Erica Zingher schwelgt noch einmal kurz in der Erinnerung: "Vier unabhängige Großstadtfrauen, die Sex haben und darüber gerne und viel sprechen. Carrie, Charlotte, Samantha und Miranda reden über Analverkehr, über Sex zu dritt, über Blowjobs, wie sich das kaum eine Serie damals traute", so Zingher.

Aber von heute aus gesehen erscheint das alles so wenig divers, so weiß und heterosexuell oder wie Kollegin Franziska Seyboldt meint: "Man kann an der Serie rückblickend viel kritisieren: Zu unfeministisch, zu oberflächlich, zu beziehungsfokussiert."

So richtig Freude kommt im Kleeblatt der TAZ-AutorInnen über die geplante Serienfortsetzung jedenfalls nicht auf, noch nicht einmal auf die Mode, die ja auch immer ein großes Thema der New Yorker Ladys war.

Die Modewelt der DDR

"Noch sehr französisch angehaucht ist dieser Chic, elegante Köstümchen, Ensembles, spitze Pumps, Topfhüte, Kurzmäntel und Trenchcoats", schreibt Rose-Marie Gropp in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG und springt dabei in eine völlig andere Welt, in die Modewelt der DDR.

"Die Siebziger sind purer Pop, im sehr grafischen Umriss-Stil der Entwürfe wie entsprechend in den Modellen von Schlaghosen, darüber ärmellosen langen Westen, vielleicht etwas weniger Hotpants und Miniröcke, dafür sind die Swinging Sixties nun in der DDR angekommen, ein Hauch von Hippie-Fashion."

Gelesen beziehungsweise gesehen hat Gropp das alles im von ihr als Prachtband bezeichneten "Zwischen Schein und Sein. Ostdeutsche Modegrafik 1960–1990" und sie fällt schon in der Überschrift folgendes Urteil: "Endlich erkannt und gewürdigt: Die Entwerferinnen der DDR"

Lesetipp fürs Bett

In der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG gibt es noch einen Tipp für die Bettlektüre: Das Schlaflosigkeitstagebuch des jugoslawischen Nobelpreisträgers Ivo Andrić wird hier besprochen. "Insomnia" heißt es und es wird vermutlich nicht beim Einschlafen helfen, dafür liest es sich zu schön:

"Wenn ich mithilfe einer Tablette schlafe, träume ich, dass ich schlafe. Über mir und um mich entsteht so etwas wie mein Doppelgänger, mehrfach größer als ich, aber ganz aus leichter, durchsichtiger Materie. Er flirrt, steigt und fällt im Rhythmus des Schlafs, während sich unter ihm undeutlich ein kleiner, dunkler und wacher Mensch abzeichnet. Das bin ich und mit mir ist all mein altes Denken und Zittern."

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