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Kulturpresseschau | Beitrag vom 11.01.2021

Aus den FeuilletonsSir Simons gemeinsame Zukunft mit München

Von Ulrike Timm

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Sir Simon Rattle dirigiert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. (Imago Images / Michel Neumeister)
Simon Rattle dirigierte die BR-Symphoniker in der Vergangenheit bereits einige Male. (Imago Images / Michel Neumeister)

Die Feuilletons zeigen sich begeistert von einer Personalie: Stardirigent Sir Simon Rattle kehrt zurück nach Deutschland. Ab 2023 wird er Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Von einer "Liebesheirat" schwärmt gar die SZ.

"München leuchtet" – erst 2023, aber immerhin. Der TAGESSPIEGEL verkündet die frohe Botschaft, dass der Dirigent Simon Rattle mit der Spielzeit 23/24 das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks leiten wird, rundum begeistert. Und wir müssen ein klein wenig grinsen, ist doch das berühmte Thomas-Mann-Wort, dass "München leuchtet", beim Schriftsteller durchaus doppeldeutig und tragikomisch gemeint,  denn es zeichnet die Eitelkeit der Stadt gleich mit.

Sei’s drum, Thomas Mann gilt als einer der Lieblingsschriftsteller von Sir Simon, und die Freude, dass Orchester und Dirigent jetzt eine gemeinsame Zukunft planen, ist feuilletonweit ganz ungetrübt. Von einer "Liebesheirat" spricht gar vierspaltig die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, von einer wunderbaren Beziehung, die nun endlich "legalisiert" würde – Orchester und Dirigent kennen einander nämlich lange und gut.

Simon Rattles Vorliebe für Klarheit

Was also ist zu erhoffen von dieser Verbindung, die jetzt schon, lange bevor es losgeht, so viel Raum einnimmt? "Das Orchester kann sich auf einen Dirigenten freuen, dessen Repertoire nicht erst mit Beethoven anfängt und mit Strauss endet, sondern von Rameau bis Lachenmann reicht", schreibt die FAZ mit Blick auf die nie versiegende Neugier dieses Dirigenten. Und ein Blick über den Tellerrand kann im gesettelten München echt nicht schaden.

"Rattles Vorliebe für Klarheit und seine Abneigung gegen orchestrales Raunen und Wabern" kamen in seinen Berliner Jahren nicht überall gut an, watscht die SZ nochmal kurz gen Preußen in Anspielung auf die lange, erfolgreiche, aber nicht immer ganz konfliktfreie Ära von Simon Rattle bei den Berliner Philharmonikern.

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Vor allem aber sichert diese Berufung wohl ein herausragendes Orchester in Zeiten anstehender Sparmaßnahmen, und auch der neue Münchner Konzertsaal dürfte in Simon Rattle einen energischen Anwalt finden – schließlich hat die Stadt zwar große Säle, aber keinen, der wirklich gut klingt. Große Freude also, nur die Schlagzeile von N-TV - "Ein echter Coup: Sir Simon wird ein Bayer", die lassen wir jetzt einfach mal so stehen.

Der Frust der Kulturschaffenden

Eher Verdrießliches sammelte die TAZ, die mit europäischen Kulturschaffenden sprach, was bleibt, was fehlt, was kann noch werden in diesen coronösen Zeiten? "Die Imagination wird knapp" so ein recht trauriger Einwurf, und die Theaterintendantin Annemie Vanackere bemerkt in ihrem 80-Leute-Team, "wie sehr durch das Homeoffice das informelle Sprechen fehlt. Wie wichtig es für Kreativität und Wohlbefinden sei." Wir können jedes Wort unterschreiben, und doch – da müssen wir jetzt eben durch.

"Die Krankenhausserie 'Charité' bringt Seelenheil in der Pandemie", spöttelt die TAZ. Die sechs Episoden spielen 1961, "Die Hoffnung, einen kleinen, schwarzgelockten Christian Drosten durch die Klinikgänge tollen zu sehen, erfüllt sich also nicht." Aber jenseits dessen scheint die dritte Staffel von "Charité" ganz gut geraten zu sein, der TAGESSPIEGEL lobt insbesondere Hauptdarstellerin Nina Gummich über alles. In der Mediathek können Sie schon gucken, analog ab Dienstagabend.

Es werde Licht

"Runde Sache"? Wir sind beim Licht! Wieder in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG gelandet und bei den "kreisförmigen Lampen, die in immer mehr Heimbüros auftauchen und dazu dienen, bei der Videokonferenz in möglichst gutem Licht zu erscheinen. "Bislang waren die semiprofessionellen Lichtanlagen vor allem als Werkzeug eitler Influencer bekannt, die darauf bestehen, dass ihre Wangenknochen auch in jeder noch so banalen Lebenslage perfekt ausgeleuchtet sind". Inzwischen aber meldeten die Hersteller Rekordabsätze, das einstige Spezialinstrument werde "Teil der Mainstream-Ausstattung."

Da muss die Pressebeschauerin künftig mal drauf achten. Bei uns im Funkhaus nämlich schalten sich sehr viele nur per Ton zu – wir hören halt gern!

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