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Kulturpresseschau | Beitrag vom 03.02.2019

Aus den FeuilletonsSalingers unbekannte Texte sind wie ein Bernsteinzimmer

Von Ulrike Timm

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Das Gesicht des Schriftstellers J.D.Salinger neben aufgestapelten Büchern seines Klassikers "Der Fänger im Roggen". (picture-alliance / dpa / AP / Amy Sancetta)
Das Gesicht des Schriftstellers J.D.Salinger neben aufgestapelten Büchern seines Klassikers "Der Fänger im Roggen". (picture-alliance / dpa / AP / Amy Sancetta)

Der Sohn von J.D. Salinger will unveröffentlichte Texte seines Vaters veröffentlichen. Geht es nach der "Welt", kann das ruhig noch etwas dauern: "Das schönste Bernsteinzimmer ist schließlich eines, das niemand betritt".

Die gute Nachricht: Der Nachlass von J.D. Salinger, dem Autor von "Der Fänger im Roggen", dem einflussreichsten und mutmaßlich bestverkauften Roman der amerikanischen Nachkriegsliteratur, soll vollständig veröffentlicht werden. Die schlechte Nachricht: Kein Mensch weiß, wie lange das noch dauert.

Der geheimnisvolle Nachlass von J.D. Salinger

Das lesen wir in der FAZ. Was da genau aus dem Privattresor quillt, weiß niemand. Der Großschriftsteller, der sich und seine Literatur 45 Jahre lang in seinem Haus in New Hampshire verbunkerte, von 1965-2010, war nach Angaben seines Sohnes Matt Salinger aber immer produktiv.

Sein Vater "sei übergequollen vor Einfällen und Gedanken. Beim Autofahren fuhr er plötzlich rechts ran, schrieb etwas auf und lachte vor sich hin und neben jedem Stuhl lag ein Notizbuch."

Der Sohn will jetzt das nachgelassene Werk des Vaters sichten und dann mit der Öffentlichkeit "teilen". Die WELT vergleicht den geheimnisvollen Nachlass von Salinger mit dem "Bernsteinzimmer". Mit Blick auf den sehr ungewissen anberaumten Zeithorizont – vulgo: eher lang – meint Wieland Freund lakonisch:

"Das schönste Bernsteinzimmer ist schließlich eines, das niemand betritt".

Immerhin hat der englische "Guardian", dessen Interview mit dem Sohn und Nachlassverwalter durch die Welt geht, offenbar eine Kostprobe erhalten.

"Etwas Haikuartiges, irgendwie geht es um einen frühen Wintermorgen, an dem J.D. Salinger glücklich neben seiner Schreibmaschine erwacht ist."

Da ging also noch was. Aber gut Haiku will Weile haben, das weiß jeder, der sich mal an dieser japanischen Form versucht hat.

Neuer Schauspielchef in Köln gesucht

Ein bisschen mehr Zeit und wohl auch eine Fachjury hätte man sich in Köln nehmen sollen, um einen neuen Schauspielchef zu küren. Jetzt endete die Neubesetzung in einem Scherbenhaufen, der designierte war nur sieben Tage designiert, dann wollte Carl Philip von Maldeghem doch lieber in Salzburg bleiben.

Allzusehr wurde er vorab von vielen Seiten mit Schmutz beworfen, als provinziell degradiert. Selbst wenn es stimmen sollte – so nicht! Sagt die FAZ nachdrücklich etwa zum Kölner Vorzeigeintellektuellen Navid Kermani, der den ihm unbekannten Maldeghem in Grund und Boden stampfte. Und stattdessen etwa den Theaterveteran Frank Castorf ins Gespräch brachte, als "neu und anders" - geht’s noch?

Mag sein, dass der Salzburger Theatermann keine glückliche Wahl gewesen wäre, aber urteilen ohne hingeguckt zu haben – das ist die wahre Provinz. Gelebt, leider sehr oft, als Großstadtperspektive. Die Sache ist vermurkst, finden WELT, FAZ und SÜDDEUTSCHE gleichermaßen.

Hat Kandidat von Maldeghem nun "kapituliert, bevor er in die Schlacht gezogen ist"? Eigentlich nicht. Der redliche, erfolgreiche Theatermann aus Salzburg greinte, lamentierte, schimpfte nicht – er sagte einfach: Nö.

"Das brauch ich nicht. Ich nehme mir die Freiheit, das nicht zu machen."

So zitiert ihn die SÜDDEUTSCHE. Seinem Salzburger Landestheater wird diese Aktion künftig vielleicht mehr überregionale Aufmerksamkeit bescheren, das sei ihm herzlich gegönnt. In Köln aber hat sich einmal mehr gezeigt, wie man Kulturpolitik nicht macht, "Der nächste Kölner Einsturz", titelt die WELT.

Der Gott auf dem Turnschuh

Gibt’s noch was Schönes? Nicht wirklich. Im Internet tobt eine Debatte darüber, ob sich auf der Sohle eines Turnschuhs der arabische Name Gottes findet. "Allah und der Nike Air Max 270" – Andreas Rosenfelder nimmt das in der WELT auf.

"Der Schuh des Anstoßes: Dreht man das Airmax-Logo herum, kann man darin mit einer gewissen Anstrengung eine Stilisierung des arabischen Worts 'Allah' erkennen."

Soll also vom Markt, finden muslimische Aktivisten, Online-Petition läuft. Fazit der WELT:

"Gott erscheint eben meistens dort, wo man ihn gerade nicht gerufen hat."

Und: Bei den Muslimen hat ER 99 Namen.

"Fängt man einmal damit an, auf seine versteckte Signatur zu achten, so wird man sie überall finden."

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