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Kulturpresseschau | Beitrag vom 18.02.2020

Aus den FeuilletonsPop ist nicht nur für die Jugend

Von Gregor Sander

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Nick Cave & The Bad Seeds spielen auf dem Open er Festival 2018 im polnischen Gdynia. (Karol Makurat / imago stock&people)
Der Musiker Nick Cave zeige, wie man als Popstar in Würde altern könne, schreibt Jan Paersch in der "Taz". (Karol Makurat / imago stock&people)

Auch die Stones glaubten nicht an ein Musikerleben jenseits der 50. Doch dass Popmusik nur etwas für die Jugend sein soll, ist falsch, erfährt die "Taz" beim Interview mit dem Musiker Frank Spilker - und verweist auf in Würde gealterte Stars.

"Ich glaube nicht an den Tod, jedenfalls nicht an einen mich betreffenden Tod. Und den Lesern ist es vermutlich gleichgültig, was ich glaube. Es hat also keinen Sinn, sich über den Tod Gedanken zu machen". Mit diesen Ror-Wolf-Worten beginnt der Nachruf in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG und natürlich machen sich nun doch alle Feuilletons Gedanken zu seinem Tod.

"Ror Wolf war ein Virtuose des In-den-Text-Stolperns, des Nichtanfangens, des Zögerns, des Retardierens, zugleich aber ein Genie des Beginnens, des geradezu auftrumpfenden, fanfarenhaften Anfangs", schreibt Martin Krumbholz in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG und Hilmar Klute fügt in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG hinzu: "Wolf wusste, dass die Sprache das Ganze und ihre Kraft und Wirkmacht groß genug ist, um keine Ideen transportieren zu müssen."

Der härteste Job im Konzertsaal

Auch wir verbeugen uns natürlich vor dem großen Sprachakrobaten und sind uns fast sicher, dass die folgende Überschrift aus dem Berliner TAGESSPIEGEL sein Interesse geweckt hätte: "Die Musikerin Tuyêt Pham hat als Notenwenderin den härtesten Job im Konzertsaal." Die studierte Pianistin wendet in der Berliner Philharmonie während der Konzerte professionell die Seiten für die Soloklavierspieler und verrät hier ihre Technik:

"Ich knicke die Seiten in der oberen rechten Ecke schon mal an, damit ich sie beim Konzert besser zu fassen kriege. Einige Künstler wollen das allerdings nicht, dann spricht man darüber und einigt sich meistens. Manchmal muss ich die linke Seite der Noten festhalten, damit das ganze Buch nicht runterfällt." Und dann ist da natürlich auch noch der Star am Klavier, der beachtet werden will oder eben nicht beachtet, wie die Notenwenderin zu Protokoll gibt:

"Ich muss sehr ruhig sein, muss spüren, wie der Pianist sich fühlt. Ich bewege mich nicht viel. Ich darf dem Pianisten, der spielt, nicht zu nahe kommen. Er soll sich nicht gestört fühlen."

Die Überschrift zu diesem Interview lautet übrigens "Die große Kunst, sich unsichtbar zu machen".

Über das richtige Altern von Popstars

Das ist natürlich nichts für einen Popstar wie Frank Spilker von der Band "Die Sterne". Die gibt es zwar in ihrer eigentlichen Besetzung nicht mehr, aber Spilker hat trotzdem einfach weiter gemacht.

"Auf dem neuen Album 'Die Sterne' versammelt Spilker einige der talentiertesten Musiker der hiesigen Popszene: Von Spar, die Düsseldorf Düsterboys, Mitglieder des Kaiser Quartetts und der DJ und Entertainer Carsten 'Erobique' Meyer", schreibt Jan Paersch in der TAZ und ist vom auch noch "Die Sterne" betitelten Album der Band, die gar nicht mehr "Die Sterne" sind, sehr angetan.

Doch dann konfrontiert er den Musiker mit seinen inzwischen gelebten 53 Jahren, woraufhin der losposaunt: "Pop ist was für junge Leute, in meinem Alter wählt man CDU und geht in die Oper! Sorry, aber so ist es nicht. Es gibt genug Beispiele für Popstars, die in Würde gealtert sind. Von Nick Cave und Herbert Grönemeyer würde man schließlich auch nicht erwarten, dass sie zurücktreten, weil sie eingesehen haben, dass Pop nur etwas für Kinder ist." Recht hat er.

Die Tücken des Trottens im Museum

In der SZ ist zu lesen, dass schon bloße Kunstbetrachtung schmerzhaft sein kann, egal wie alt man ist: "Viele Museumsbesucher, und keineswegs nur die älteren, klagen am Ende eines Ausstellungsparcours über Schmerzen im unteren Rücken." Woran das liegt hat nun ein New Yorker Haltungstrainer herausgefunden - am "Museum Walk".

"Es ist ein sehr langsames, stockendes Trotten ohne Schwung in den Armen; und wenn wir die Bilder, auch noch so kurz, genauer betrachten sowie die daneben angebrachten Beschriftungen, dann richten sich Kopf, Nacken und Oberkörper oft zu verspannt nach unten."

Und danach hat man eben Rücken. Wie das zu verhindern ist steht auch in der SZ unter der Überschrift "Tücken des Trottens".

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