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Kulturpresseschau | Beitrag vom 02.09.2018

Aus den Feuilletons"Plötzlich Populist!"

Von Paul Stänner

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Porträt des Dramaturgen Bernd Stegemann. (Katrin Ribbe)
Die "SZ" porträtiert den Theaterdramaturgen Bernd Stegemann, einer der führenden Köpfe der "Aufstehen"-Bewegung des Duos Wagenknecht/Lafontaine. (Katrin Ribbe)

Die "SZ" widmet sich dem Shootingstar der neuen Volksbewegung "Aufstehen": dem Dramaturgen Bernd Stegemann. Die "taz" hat einen Knigge für Rechte geschrieben und in der "FAZ" steht, dass es auf den richtigen Klang der Stimme ankommt.

Die Süddeutsche Zeitung porträtiert den Berliner Professor und Theaterdramaturgen Bernd Stegemann, der binnen kurzem zu einer der Frontfiguren der Volksbewegung "Aufstehen" des Duos Wagenknecht/Lafontaine wurde. Die SZ gibt sich kulturnah und erinnert an den Film "Plötzlich Prinzessin", in dem ein einfaches Mädchen sich überraschend als Schlossherrin wiederfindet – bei Stegemann müsse es heißen "Plötzlich Populist".

Die SZ erzählt, dass Stegemann schon in einem Essay im vergangenen Jahr einen linken Populismus als Gegenmittel gegen den rechten Populismus skizziert habe, schildert seine Unlust auf Parteien und Hinterzimmer und endet im Bühnenjargon. In Berlin, wo die neue Theatersaison beginne, werde Stegemann "Macbeth" betreuen – Zitat: "das Stück über eine Machtergreifung, die von einer Frau angetrieben wird." Wie hintersinnig! 

Roboterautos mit Anstandsdame

Vielleicht wird sich die SZ darüber freuen, dass die modernen Roboterautos der Frau den Platz zuweisen, den die Traditionalisten immer schon für den richtigen gehalten haben. Roboterautos, schreibt die FAZ, sind sicher. Der Grund dafür sei, "dass die Soft- und Hardware Menschen wirksame Assistenz leistet, frühzeitig warnt und strikt defensive Vorgaben programmiert hat." Allerdings, um die menschlichen Vorbehalte zu respektieren, soll auf dem Beifahrersitz eine lebende Person sitzen, die im Englischen die Bezeichnung "Anstandsdame" trägt. So hoffe man, die Sozialverträglichkeit der Robo-Autos zu erhöhen – mit einer Frau auf dem Beifahrersitz.

Die FAZ macht sich Sorgen um das wichtigste Organ der Politik, die menschliche Stimme, denn: "Gemeinerweise ist der Klang der Stimme oft wichtiger als der Inhalt der Rede." Da hatte der sonore Manfred Stolpe Glück, während die schneidende Nicola Beer es nicht so leicht hat. Da die Stimme nicht allein in der Politik, sondern schon in der Schule mitentscheidet, ob die Angesprochenen bei der Sache bleiben oder sich ausblenden, plädiert mit pädagogischen und wirtschaftlichen Argumenten die FAZ für das Stimmtraining von Lehrerinnen und Lehrern.

Der Klang der Stimme entscheidet

Denn vermutlich gilt auch in der Schule: Der Klang der Stimme ist oft wichtiger als der Inhalt der Rede. Bono hätte auch besser auf seine Stimme geachtet, denn die versagte schon vor Schluss des Berliner Konzerts. Die SZ schmückt ihren Artikel mit der Überschrift "Spaziergang auf dem Penis", was hier nicht weiter kommentiert werden soll. Sie respektiert, dass Bonos 17.000 Zuhörer sich begeisterten und kann sich dann nicht entscheiden: Soll sie Bono loben oder über ihn abätzen?

Zitat: "Bono versucht schon so lange, die Welt zu retten, dass man denkt, er müsse schon über 70 sein. Dabei ist er erst 58. Und die Welt wird gar nicht besser. Könnte Bono sich vielleicht mal fragen, ob er seine Stimme immer ganz richtig einsetzt?" Kaum hat die SZ das böse Wort gesprochen, haut sie sich selbst kokett auf die Finger: "Das ist gemein.", sagt der Autor über seine Gemeinheiten. 

Knigge für Rechte

Die taz, die vermutlich im rechten Spektrum nicht so intensiv gelesen wird, befasst sich mit den aktuellen Dialogformen. Mit Rechten reden – das wird oft gefordert. Die taz hat in 10 Punkten einen Knigge für Rechte geschrieben, um ihnen zu helfen, mit Linken zu reden. Ein paar Beispiele in Kürze: 
 
Punkt 1: "Ermordet keine Menschen." 
 
Punkt 2: "Schlagt Leute nicht, zündet ihre Wohnungen nicht an, veranstaltet keine Hetzjagden."

Oder Punkt 4: "Nutzt keine Morddrohungen und Beschimpfungen und vergleicht Menschen nicht mit Tieren. Versucht es doch mal ohne Gewaltfantasien. Oder gar mit Humor."

Und schließlich Punkt 10: "Hört auf anzukündigen, wozu ihr Medien nach dem rechten Systemwandel zwingen wollt. Denn auch dann soll es doch vielfältig, gleichberechtigt und frei zugehen. Oder etwa nicht?"

Man fragt sich: Wird die Welt wirklich so schön werden?

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