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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 29.09.2019

Aus den FeuilletonsObamas Memoiren werden Häftlingen vorenthalten

Von Tobias Wenzel

Der frühere US-Präsident Barack Obama bei einer Buchvorstellung. (ABACAUSA  POOL)
Die Vereinigung der US-amerikanischen Bibliotheken hat eine Liste mit Büchern veröffentlicht, die Häftlingen mancherorts in den Vereinigten Staaten vorenthalten werden. (ABACAUSA POOL)

In manchen US-Gefängnissen wird die Ansicht vertreten, die Lektüre von Barack Obamas Memoiren könnte die Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährden, lesen wir in der „FAZ“. Ebenfalls auf dem Index: ein Band mit Mondkarten und ein Klingonisch-Lexikon.

Augenkaries bis Kartoffellust, das bieten die Feuilletons vom Montag. "Österreich hat gewählt: Siegt die Gemeinheit immer weiter?", fragt die TAZ Friedrich Küppersbusch. Und der antwortet mit Blick auf die Möglichkeit einer Koalition aus ÖVP, den Grünen und den Neos, also den Liberalen:

"Nach Wiener Farben ‚Dirndl-Koalition‘: türkis, grün, pink. Neben schlimm Augenkaries eine Option auf Neues in der Umwelt- und Migrationspolitik. Jedenfalls wird Kurz nicht der jüngste Altkanzler ever, sondern bleibt die teflonbeschichtete Skandalnudel an der Regierungsspitze."

Warum dürfen Häftlinge kein Klingonisch lernen?

Nicht vor Augen-, sondern vor Hirnkaries scheinen die Menschen Angst zu haben, die gewisse Bücher verschwinden lassen wollen.

Die Vereinigung der US-amerikanischen Bibliotheken hat auch in diesem Jahr eine Liste mit Büchern veröffentlicht, "deren Entfernung am häufigsten gefordert wurde", schreibt Tilman Spreckelsen in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG.

Darunter seien Bücher von Toni Morrison, Harper Lee, die Bibel und einige Jugendromane zu Themen wie Homosexualität oder Transgender. In diesem Jahr hat die Bibliothekenvereinigung besonders auf die amerikanischen Gefängnisse geblickt:

"Vorenthalten wurden den Häftlingen nicht nur Werke von Alice Walker, Joyce Carol Oates und George Orwell, sondern auch ein Band mit Mondkarten, ein Lexikon der klingonischen Sprache und die Memoiren Barack Obamas", schreibt Spreckelsen.

Er kann nicht nachvollziehen, dass die jeweilige Gefängnisleitung einerseits nicht den Wert des Lesens an sich erkennt und andererseits meint, die Insassen könnten bei diesen Büchern auf dumme Gedanken kommen:

"Nun wird ein Häftling sehr weit fliehen müssen, damit ihm Mondkarten und Klingonischkenntnisse wirklich weiterhelfen, und ob Obamas Erinnerungen, wie zunächst als Grund für den Bann angeführt, in Häftlingshänden tatsächlich die Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährden, bliebe nachzuweisen."

Computergenerierte Porträts von Menschen

Dass computergenerierte Porträts von Menschen so natürlich aussehen können wie in der Realität fotografierte, weist die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG nach, indem sie fünf maschinell erzeugte Bilder abdruckt. Sympathische Menschen, denkt man beim Betrachten der Gesichter, die es in Wirklichkeit nicht gibt.

"Das Unheimliche an ihnen ist, dass sie gar nicht unheimlich wirken", hat Bernd Graff seinen Artikel genannt. Die Firma Generated Photos bietet 100.000 der synthetisch erzeugten Porträts kostenlos zum Herunterladen an.

"Niemand, nichts davon war je lebendig, deswegen wird es jetzt auch keine Klagen wegen verletzter Persönlichkeitsrechte bei ungenehmigter Nutzung der Abbildungen geben", schreibt Graff.

"Gagen für zickige Models entfallen natürlich auch. Bewegtbilder sind das nächste Ziel, dann ist der Beruf des Schauspielers endgültig gefährdet. Das Ende von Celebrity-Wahn- und Starkult wird bereits verkündet, es gibt – ein Dreh am Regler genügt – ja immer noch schönere in der Retorte."

Ein Fotograf kämpft gegen künstliches Fotolächeln

Wie wohl dem Porträtfotografen Walter Schels beim Lesen dieses Artikels zumute ist? Vermutlich widern ihn diese Computer-Fotos an. Er hasst nämlich das Künstliche. Jedenfalls das künstlich aufgesetzte "Fotolächeln", erzählt er im Gespräch mit der TAZ:

"Wenn ich bei einem Fototermin das Fotolächeln wegbekommen will, lächle ich selbst kein bisschen. Nicht einmal der Dalai Lama hat es geschafft, gegen mein ernstes Gesicht anzulächeln!", sagt er. Und weiter:

"Schauen Sie nur in einen x-beliebigen Prospekt, da sind die meisten Gesichter mit Lächeln und Lachen zugekleistert wie mit dickem Zuckerguss. Das ist so, als müsste man ein Leben lang von der Nachspeise leben. Aber ich wünsche mir lieber die Kartoffeln!"

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