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Kulturpresseschau | Beitrag vom 08.06.2021

Aus den FeuilletonsMit Riesenglotzen gegen die Sonne

Von Gregor Sander

Zahlreiche Menschen sitzen am Kulturforum am Potsdamer Platz im Freiluftkino.  (picture alliance/ dpa/ Paul Zinken)
Das Freiluftkino am Kulturforum am Potsdamer Platz ist eine der Spielstätten bei der diesjährigen Berlinale. (picture alliance/ dpa/ Paul Zinken)

Die diesjährige, sommerliche Ausgabe der Berlinale findet im Freien statt. Warum man Filme auch tagsüber und trotz Sonneneinstrahlung sehen kann, erklärt der "Tagesspiegel". Jodie Foster kommt nicht nach Berlin, gibt der "Süddeutschen" aber ein Interview.

"Weiße Nächte an der Spree", titelt der Berliner TAGESSPIEGEL und berichtet über die beginnende Sommerberlinale. Doch auch wenn das alljährlich beklagte Februar-Schmuddelwetter vor den Kinos im Juni ausbleibt, macht nun die Sonne Probleme im Freiluftkino auf der Museumsinsel, denn es "finden Filmvorführungen um 21.30 Uhr, um 20, 18, ja sogar schon um 17 Uhr statt. Wie in aller Welt funktioniert es, dass man trotzdem etwas sieht?", fragt Gunda Bartels.

Videowand mit Sturmböen-Sicherung

Sie antwortet selber: "Die Berlinale-Leinwand auf der Museumsinsel ist gar keine. Es handelt sich um eine Videowand, die ohne Projektor oder Beamer funktioniert. Wie die Riesenfernseher, die bei Open-Air-Konzerten rechts und links der Bühne stehen."
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Aber auch wenn die Berlinale technisch gesehen so eher ein Fernsehfestival ist, trübt das die Stimmung nicht und wir erfahren auch noch, dass diese Riesenglotze mit 30.000-Liter-Wassertanks gegen Sturmböen abgesichert ist.

Auch da gibt es eine Parallele zur echten Berlinale, denn: "Da wird die Statik der Videowall am Marlene-Dietrich-Platz ebenfalls mit Wassertanks beschwert. 'Doch weil es im Februar meistens friert, müssen wir hinterher tausende Liter Eis abtransportieren'", erklärt der Technikchef des Filmfestivals, Michael Greulich.

Weniger Rollenangebote für Jodie Foster

Das schöne Wetter konnte Jodie Foster nicht nach Berlin locken. Der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG gab sie ein Interview aus dem Homeoffice. Sie spielt die Hauptrolle im Eröffnungsfilm "Der Mauretanier". Darin stellt sie die Anwältin Nancy Hollander dar, die sich für Mohamedou Slahi einsetzt, der 14 Jahre ohne Anklage in Guantanamo gefangen gehalten wurde, weil er unter Verdacht stand, an den Anschlägen vom 11. September beteiligt gewesen zu sein.

"Glauben Sie, dass er unschuldig ist?", fragt Nicolaus Freund. "Es geht darum, dass er ohne irgendwelche Beweise aus seinem Zuhause entführt wurde, dass er nie offiziell angeklagt wurde, dass er gefoltert wurde und sie auf diese Art ein Geständnis aus ihm herausbekommen haben. Der Punkt ist: Auch schuldige Menschen haben das Recht auf eine juristische Verteidigung", stellt Foster sachlich fest.

Erstaunlich sachlich berichtet sie auch über ihre Rollenangebote: "Ich bin glücklich, wenn ich alle fünf Jahre einen Film mache, der mich berührt", sagt die 58-jährige Oscarpreisträgerin. Und dass sie ob ihres Alters tatsächlich weniger Angebote erhalte: "Manchmal bedeutet das, eine Nebenrolle in einer Komödie zu spielen, manchmal, nur eine Sprecherrolle zu übernehmen. Ich habe keine Karriereziele mehr."

Annalena Baerbock hingegen hat als Karriereziel für diesen Herbst Bundeskanzlerin angegeben, allerdings ihren Lebenslauf etwas geschönt. Für Uli Hannemann in der TAZ kein Problem. Unter der Überschrift: "Erlaubt ist, was gefällt", frotzelt der TAZ-Autor: "Jede von uns kennt sie: die charmanten Mogeleien, die uns und unser Leben (für andere) interessanter machen, die uns aufwerten und ein wenig Farbe in unsere graue Existenz zaubern. Außerdem wollen wir ja den Job." Blöd ist eben nur, wenn diese Mogeleien auffallen, bevor man den Job ergattert. 

Es muss nicht immer Das Erste sein

Ob Pinar Atalay einen Lebenslauf für ihren Wechsel von der ARD zu RTL schreiben musste, ist nicht bekannt. Carolin Gasteiger und Claudia Tieschky kommentieren das in der SZ wie folgt: "Atalay ist eine der prominentesten Frauen im ARD-Nachrichtengeschäft, die Zuschauer kennen sie vom Moderationstisch in Hamburg, sie steht für öffentlich-rechtliche Glaubwürdigkeit. Ihr Wechsel signalisiert: Es muss nicht immer Das Erste sein."

Dieser Punkt geht also an den Privatsender aus Köln, der ja schon Jan Hofer nach seinem Tagesschau-Ende für sich gewinnen konnte.

In ihrem Feuilletonaufmacher bespricht die SZ auch noch den Roman eines prominenten Nachrichtenmannes. Doch schon in der Überschrift von Stefan Weidners Rezension wird deutlich: Nicht jeder Rollenwechsel muss von Erfolg gekrönt sein. "Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber hat einen Roman voller Feindbilder geschrieben. Sagen wir mal so: Der neue Houellebecq ist der Autor nicht."

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