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Kulturpresseschau | Beitrag vom 01.01.2019

Aus den FeuilletonsMit Buddha ins neue Jahr

Von Adelheid Wedel

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Mehrere weiße Buddha-Statuen stehen hintereinander. (unsplash.com/ Céline Haeberly)
Von Buddha lernen. Dazu Hermann Hesse: "Ich bin seit vielen Jahren davon überzeugt, dass der europäische Geist im Niedergang steht und der Heimkehr zu seinen asiatischen Quellen bedarf." (unsplash.com/ Céline Haeberly)

Kein neues Jahr ohne neue Vorsätze. Während in der "taz" vorgeschlagen wird, ab 21 Uhr einfach den Mund zu halten, plädiert die "Welt" dafür, sich vom Buddhismus inspirieren zu lassen. Denn: Schon Hesse wusste asiatische Weisheit zu schätzen.

Was wäre der Beginn eines neuen Jahres ohne gute Vorsätze? Der TAGESSPIEGEL schlägt seinen Lesern einen "Vorsatz" vor, der "besonders in der boomenden Großstadt" angebracht sei. Er lautet: "Mehr Höflichkeit wagen." Frederick Hanssen bricht eine Lanze für diese "grundlegende Kulturtechnik", und schreibt:

"Die Höflichkeit, um die es hier geht, wird nicht von außen verordnet. Sie kommt aus dem Inneren dessen, der sie wertschätzt." Höflichkeit "bekämpft die Gleichgültigkeit im Umgang miteinander", sie ist eine "Frage der Rücksichtnahme" und darum "keine Fußnote im deutschen Tugendkatalog". Als Hauptquelle jeder Unhöflichkeit identifiziert der Autor Egoismus.

Und er meint: "Höflichkeit hat etwas mit Erwachsensein zu tun, denn die Unhöflichen hängen in einer ewigen Pubertät fest, wild entschlossen, sich an den anderen dafür zu rächen, dass sie selber mit sich nicht im Reinen sind." Berlin bekommt als Hauptstadt der Unhöflichen sein Fett weg.

Vorsätze fürs neue Jahr

Die Tageszeitung TAZ geht rigoroser vor und empfiehlt für das neue Jahr einen Reeboot fürs Ich: "Starten Sie das neue Jahr in digitaler Achtsamkeit." Als Beispiel aus den sechs aufgeführten Empfehlungen wählen wir aus: "1. Reden reduzieren. Setzen Sie sich Grenzen. Ab 21.00 Uhr bleibt der Mund zu." Die zweite Empfehlung lautet: "Sagen Sie nein zur Dauerablenkung. Kopfhörer und starke Sonnenbrillen helfen." Nummer drei: "Ernährung optimieren. Alle Tageskalorien werden in einem 8-Stunden-Fenster aufgenommen." So ähnlich geht es weiter.

In der Tageszeitung DIE WELT findet Marc Reichwein Vorschläge für gute Vorsätze im Buddhismus. Er meint, diese Glaubensvariante "hätte da einiges zu bieten". Zu überprüfen wäre das im Museum Rietberg in Zürich. Dort kann man sich bis zum 31. März  in einer Ausstellung über den Prinzen Siddhartha Gautama Anregungen holen. Interessant dazu das Zitat von Hermann Hesse: "Ich bin seit vielen Jahren davon überzeugt, dass der europäische Geist im Niedergang steht und der Heimkehr zu seinen asiatischen Quellen bedarf."

Lisel Mueller gehörte zu den Gründer*innen des Poetry Center

Man sollte das Wort Sensation sparsam benutzen, aber was die TAZ auf zwei Seiten enthüllt, ist eine. Zu lesen ist: "Keine deutsche Dichterin hat je den US-amerikanischen Pulitzer Preis für Lyrik gewonnen – abgesehen von der in Hamburg geborenen Lisel Mueller, die 1939 auswandern musste und in dem Land, das ihres hätte sein sollen, bis heute ignoriert wird." Lisel Mueller darf nicht in Vergessenheit geraten, mahnt Benno Schirrmeister.

Er verweist darauf, dass "wenige in Deutschland überhaupt etwas davon ahnen, dass es diese bedeutende Dichterin gibt. Das Mindeste wäre, dass der Bundespräsident Lisel Mueller einen Orden verleiht, wenigstens zum 95. Geburtstag, den sie im Februar in einem Altersheim in Chicago begehen wird", schlägt Schirrmeister vor. Mueller habe sich die Fähigkeit erworben, "in wenigen komprimierten Versen menschliche Tragödien zu erfassen". In Chicago gehörte sie in den 70er-Jahren zu den Gründer*innen des Poetry Center, "heute eine wichtige Institution in Chicagos Literaturleben".

Für Feiglinge schrieb er nicht: Edgar Hilsenrath

Ebenfalls in der TAZ ist von einem anderen Literaten die Rede, dessen Werk "in den USA als brillante Satire begriffen wurde, und das man hier als Angriff las", fasst Jörg Sundermeier Edgar Hilsenraths Werk zusammen. "In Deutschland erkannte man dem Überlebenden nicht zu, nüchtern realistisch oder satirisch über den Holocaust schreiben zu dürfen."

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG erinnert: "60 deutsche Verlage lehnten seinen zweiten Roman 'Der Nazi und der Frisör' ab, bevor er 1977 doch noch erscheinen konnte. In den USA, in Frankreich, Italien und England war er da längst ein sensationeller Erfolg." Edgar Hilsenrath ist am Tag vor Silvester mit 92 Jahren in seinem Heimatort in der Eifel gestorben.

Marko Martin titelt seinen Nachruf in der WELT zum "Tod des großen Erzählers, der Sachse, Jude und Ehrenbürger Armeniens war: Für Feiglinge schrieb er nicht."

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