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Kulturpresseschau | Beitrag vom 24.03.2020

Aus den FeuilletonsManu Dibango - ein großer Musiker und Brückenbauer

Von Gregor Sander

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Jazzmusiker Manu Dibango breitet die Arme aus, vor seiner Brust ein Saxofon. (picture alliance/dpa/Maxppp/Joelle Vassort)
Der Jazzmusiker Manu Dibango ist verstorben. (picture alliance/dpa/Maxppp/Joelle Vassort)

Die "Süddeutsche Zeitung" würdigt den verstorbenen Jazzmusiker Manu Dibango. Man dürfe ihn nicht auf seine Hits reduzieren, schreibt sie: "Seine Stärke war die Vision eines Afro-Jazz, der keine nationalen oder Genre-Grenzen mehr kennt."

Auf der Titelseite der Tageszeitung DIE WELT verneigen sich Asterix und Obelix mit abgenommenen Helmen: "Au revoir, Uderzo."

92-jährig ist Albert Uderzo, der geniale Zeichner der Asterix-Comics, nun in der Nähe von Paris gestorben. Für Andreas Platthaus von der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG wird er immer Teil eines Duos bleiben, untrennbar miteinander verbunden wie Lennon und McCartney oder Laurel und Hardy. Zwei, die aus einem gallischen Dorf ein Imperium schufen:

"Heute gibt es achtunddreißig 'Asterix'-Bände, deren weltweite Verkaufszahlen nur mehr zu schätzen sind: Mehr als dreihundert Millionen sollen es insgesamt sein. ‚Harry Potter’ ist nichts dagegen. 
Vierundzwanzig dieser Bände stammen von René Goscinny, und Uderzo, und es wären noch viel mehr geworden, wenn Goscinny nicht 1977 im Alter von nur einundfünfzig Jahren gestorben wäre."

Zeichner der Lautmalerei

Uderzo zeichnete seinem Partner damals einen weinenden Asterix auf das Titelblatt der "Paris Match". Für Christian Gasser von der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG stand er aber zu oft im Schatten des Geschichtenausdenkers und Texters Goscinny:

"Dabei brachte kaum ein Zeichner so viel Schwung und Schmiss in die Panels. Seine Prügeleien sind beispielhaft für seine zeichnerische Dynamik. Überdies spielte Uderzo einfallsreich mit typografischen Elementen wie Speedlines; und als ein Gestalter, der Lautmalerei auch sichtbar, ja hörbar machen konnte, blieb er lange unerreicht."

Man sieht diese Lautmalerei sofort vor sich, oder kann sie nachlesen bei Martina Knoben von der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, die ihren Nachruf so beginnt:

"‚Jåul! Jåul!", winselt ein Wikingerhund (mit nordischem Akzent!) im Nebel des Eismeeres. Zu sehen ist nichts. Nur eine Sprechblase öffnet sich kläglich in einem sonst leeren weißen, die ganze Heftbreite füllenden Panel. So beginnt ‚Die große Überfahrt’, eines der klassischen Asterix-Alben. Mit einem Gag."

Trauer um Jazzmusiker Manu Dibango

Betrauert wird in allen Feuilletons auch Manu Dibango. Und auch wer den kamerunischen Jazzmusiker nicht kennt, wird mindestens seinen Hit "Soul Makossa" schon mehrfach im Ohr gehabt haben. Wenn auch vielleicht von einem anderen Musiker, wie Jonathan Fischer in der SZ erklärt.

"Bei Beyoncé? Bei Rihannas 'Don’t Stop The Music'? Oder in Michael Jacksons 'Wanna Be Starting Something'? Alles möglich, denn: Dieser Chorus wurde hundertfach von westlichen Pop-Musikern gesamplet oder nachgespielt."

Trotzdem warnt Fischer: "Manu Dibango auf seinen größten Hit zu reduzieren, wäre ungerecht. Als Saxofonist mag er die afrikanische Version eines King Curtis geben. Seine eigentliche Stärke aber war die Vision eines Afro-Jazz, der keine nationalen oder Genre-Grenzen mehr kennt."

Rezension der Woody-Allen-Autobiografie

DIE WELT druckt einen Auszug der am Mittwoch auch in Deutschland erscheinenden Woody-Allen-Autobiografie ab, so als ob es nie eine Diskussion um dieses Buch gegeben hätte:

"Ich habe weder Ulysses gelesen noch Don Quijote, nicht Lolita, nicht Catch-22, nicht 1984, keinen Roman von Virginia Woolf, E. M. Forster, D. H. Lawrence. Nichts von Dickens oder den Brontes", bekennt Allen hier und so kann man natürlich auch selbst entscheiden, ob man diese Biografie anlässlich der im Raum stehenden Missbrauchsvorwürfe gegen Allen lesen möchte. David Steinitz von der SZ hat es getan:

"Leider verlässt Allen in seiner Autobiografie das Terrain des vernünftig Argumentierenden ein bisschen zu oft für Behauptungen und Beleidigungen, weshalb er mit dem Versuch, sich zu verteidigen, streckenweise das Gegenteil erreicht", kritisiert Steinitz und weiter: "Was auch ein bisschen an seinem flapsigen Plauderton liegt, der gut zu den lustigen Geschichten über seine jüdische Übermutter passt, aber beim Thema Kindesmissbrauch deplatziert wirkt."

Corona-Witz in der taz

Und wem jetzt in dieser Kulturpresseschau das Wort Corona gefehlt hat, dem schenken wir noch einen Witz aus der TAZ, geschrieben von Uli Hannemann:

"Die Friseure werden nun ebenfalls geschlossen. Bald sehen alle derart scheiße aus, da fällt dann wenigstens das Abstandhalten leichter."

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