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Kulturpresseschau | Beitrag vom 22.01.2019

Aus den FeuilletonsMänner in Gefahr! Echt?

Von Gregor Sander

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Der slowenische Philosoph Slavoj Zizek (imago stock&people)
Der slowenische Philosoph Slavoj Žižek: Männlichkeit in Gefahr (imago stock&people)

Slavoj Žižek trommelt in der Tageszeitung DIE WELT heftig auf der Brust rum. Der Philosoph sieht die Männlichkeit in Gefahr. Vor allem wohl durch eine neue Weiblichkeit: einer "kühlen, ehrgeizigen Akteurin der Macht".

Der Philosoph sieht die Männlichkeit in Gefahr durch dieses Statement der American Psychological Association (APA): "Eigenschaften, die der sogenannten traditionellen Männlichkeit zuzuordnen sind, wie die Unterdrückung von Emotionen und das Verbergen von Schmerz, beginnen oftmals schon früh im Leben und stehen offenbar im Zusammenhang mit einer geringeren Bereitschaft von Jungen und Männern, sich Hilfe zu suchen, einem Hang zum Risiko und zur Aggression, wobei das Risiko besteht, dass sie sich selbst, oder jene mit denen sie interagieren, verletzen."

Eine neue Weiblichkeit

Die APA bezeichnet dieses Männerbild als toxisch, was Žižek aggressiv macht, denn das seien doch nun wirklich Eigenschaften, die man brauche, wenn es eng wird. Und er betont: "Ich kenne viele Frauen – tatsächlich sind es mehr Frauen als Männer, die in einer schwierigen Lage dem Druck standgehalten und sich genauso verhalten haben." Und so sieht er die Bedrohung der Männlichkeit auch eher in einer neuen Weiblichkeit:

"Eine paradigmatische Szene, die sich in unseren Sicherheitsinstitutionen heute täglich zuträgt, ist jene, in der eine Lehrerin, Richterin oder Psychologin sich um einen unreifen, asozialen jungen Delinquenten kümmert. So entsteht eine neue weibliche Figur: die kühle, ehrgeizige Akteurin der Macht, verführerisch und manipulativ", so Žižek.

Einen Oscar hat diese angebliche neue Macht der Weiblichkeit aber noch nicht verdient, wie David Steinitz in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG feststellt: "In den wichtigsten Kategorien manifestiert sich auch in diesem Jahr wieder eine Dominanz männlicher Filmemacher. So sind zum Beispiel in der Kategorie beste Regie nur Männer nominiert."

Das Internet von innen

Also nichts Neues in Hollywood. Oder vielleicht doch? Denn wer sich schon immer gefragt hat, wie das Internet von innen aussieht, erhält jetzt eine Antwort. "Mit schwebenden Fahrstraßen, neonfarbigen Häuserschluchten und viel Gewimmel gleicht es auf den ersten Blick den Science-Fiction-Städten aus Filmen wie 'Blade Runner' oder 'Das fünfte Element'. Nur dass es im animierten Disney-Internet eine Art Rezeption gibt, wo ein netter bebrillter Herr namens 'KnowsMore' als leibhaftiges Google-Avatar Auskunft gibt."

So wird das Internet im neuen Disney Kinofilm "Chaos im Netz" dargestellt, der der TAZ-Rezensentin Barbara Schweizerhof ausgesprochen gut gefallen  hat: "Einerseits funktionierte der Film bestens als Kinderunterhaltung mit Klamauk und lustigen Figuren, andererseits schmeichelte er den Erwachsenen mit seiner Verflechtung von aktuellen Anspielungen, Kulturkritik und Nostalgie."

Google tischt auf

Die analoge Realität des Internets beschreibt, ebenfalls in der TAZ, Anne Fromm, die die neue Dependance von Google in Berlin Mitte besucht hat: "Arbeitsräume die 'Berghain', '99 Luftballons' oder 'Ham wa nich' heißen, eine Kantine unterm Rooftop mit Blick auf Museumsinsel und Fernsehturm, mit einer Show-Küche, einem Pizzaofen, sechs Sorten Müsli zum Frühstück und eine Barista, die die micro kitchen bedient, also die Kaffeebar.

Und bevor jetzt zu viel Sozialneid auf die Suchmaschinen-Nerds aufkommt, brauchen wir hier etwas Beruhigendes für den Schluss: "Mord geht immer", so heißt eine neue Krimireihe im ZDF mit Fritzi Haberland als schrullige Kommissarin Maxxie Schweiger. Und wer dachte, das deutsche Fernsehen hat doch schon genug Krimikommissarinnen, der hat Heike Hupertz‘ Kritik in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG nicht gelesen:

"Fritzi Haberlandt allerdings bekäme von uns direkt die Evelyn-Hamann-Gedächtnismedaille. Die nimmer versiegende Suada, das notorische Vorwärtstrampeln der Figur, das Faible für alberne Kulis und 'Queen'-Songs, ihre selbstbewusste Unerschütterlichkeit, obwohl sie allen anderen auf den Wecker geht – Frauenfiguren wie Maxxie Schweiger gibt es zu selten im Fernsehen."

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