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Kulturpresseschau | Beitrag vom 19.04.2019

Aus den Feuilletons"Ist Jesus nicht am Kreuz gestorben?"

Von Adelheid Wedel

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Gemälde (o.J.) von Michelangelo Merisi da Caravaggio [1571 - 1610] Systematik: Kulturgeschichte / Religionsgeschichte / Neues Testament / Jesus / Kreuzabnahme, Artist: Michelangelo Merisi da Caravaggio FOR USE ONLY IN GERMANY, SWITZERLAND OR AUSTRIA , , (© Vatikanstadt, Musei Vaticani, Pinacoteca Vaticana)
Michelangelo Merisi da Caravaggio malte dieses Bild zwischen 1602 und 1604. Es zeigt den Leichnam Jesu Christi nach der Abnahme vom Kreuz. (© Vatikanstadt, Musei Vaticani, Pinacoteca Vaticana)

In der "taz" verweist Ulrich Gutmair auf das Büchlein "Kein Tod auf Golgatha", in dem sich Johannes Fried "auf die Suche nach dem überlebenden Jesus macht" und sich dabei auf Unfallchirurgie und Johannesevangelium beruft.

"Fünf Jahre werden genügen", sagt die Bürgermeisterin von Paris in einem aktuellen Gespräch in der Tageszeitung DIE WELT und bestätigt damit die Zeitvorgabe des französischen Präsidenten Emmanuel Macron für den Wiederaufbau von Notre-Dame.

Sie schildert, wie sie "das Schauspiel der Verwüstung" in Paris erlebt hat: "Die Ausbreitung des Feuers konnte nur von oben gestoppt werden. Dafür haben zehn Männer ihr Leben riskiert. Wir standen auf dem Vorplatz der Kathedrale und sahen nur die kleinen Lichtscheine ihrer Stirnlampen und verfolgten von unten, wie sie sich durch die Türme bewegten."

Universelle, planetare Ergriffenheit

Sie sei zutiefst berührt von der universellen, planetaren Ergriffenheit, die das Drama ausgelöst habe. Ihre Erklärung dafür: "Victor Hugo sagte, diese Stadt gehöre der ganzen Menschheit. Dieses Gefühl der Universalität sorgt vermutlich für weltweite Ergriffenheit." Außerdem meint sie:

"In solchen tragischen Momenten fällt mir auf, wie die Franzosen fast ungläubig feststellen, dass die ganze Welt ergriffen ist von dem, was ihnen widerfährt. Sie stellen auf einmal fest, wie sehr sie von außen geliebt werden. Vielleicht mehr geliebt, als sie sich selbst lieben."

In der Tageszeitung TAZ zitiert Rudolf Balmer Macron mit dem Hinweis, "es gehe beim Wiederaufbau von Notre-Dame um den Zusammenhalt der Nation. Die Kathedrale sei so etwas wie ein roter Faden in der Geschichte der vergangenen neun Jahrhunderte."

Laut ersten Schätzungen braucht man 100 Steinmetze, 150 Zimmerleute und 200 Dachdecker für die bevorstehende Arbeit. "Das aber sind Berufe, die in Frankreich mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben, sie sind nicht sehr attraktiv, außerdem bilden Betriebe zu wenige Lehrlinge zu Gesellen und Facharbeitern aus", gibt der Autor zu bedenken.

"Infrastruktur für Qualitätsinhalte"

Eine bereits seit einiger Zeit schwelende Debatte greift Christian Bergmann im TAGESSPIEGEL auf. Es geht um die Gründung einer "europäischen Kultur- und Medienplattform". Dazu liegt ein aktueller Vorschlag des ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm vor, der es für möglich hält, damit eine "Infrastruktur für Qualitätsinhalte" zu schaffen.

Darüber hinaus wäre es in der Tat spannend, "es nicht allein bei den Inhalten der Öffentlichen Rundfunkanstalten zu belassen, sondern dieses um das Qualitätsangebot von Verlagen und Kultureinrichtungen oder aber auch politischer Stiftungen, Think Tanks und NGO's zu erweitern", meint der Autor, seines Zeichens Politischer Direktor und Mitgründer der Suchplattform Paul Open Search. Er ergänzt: "In Zeiten wachsenden populistischen Diskurses, gezielter Desinformation sowie Tweets scheint eine solche Plattform umso erstrebenswerter."

Filmregisseur Oleg Senzow seit bald fünf Jahren in Haft

Seit bald fünf Jahren sitzt der ukrainische Filmregisseur Oleg Senzow in russischer Haft. Nun sind seine teils autobiografischen Erzählungen unter dem Titel "Leben" auf Deutsch erschienen. Jens Uthoff hat sie gelesen und rezensiert sie in der TAZ.

Er schreibt: "Unabhängig von dem politischen Kontext lohnt es, dieses Buch mit seiner dichten, eindrücklichen, tief schürfenden Erzählweise zu lesen." Für viele Ukrainer ist Senzow "zum Symbol der russischen Ukraine-Politik und Willkürjustiz geworden", erinnert Uthoff und: "Heute sitzt er im Straflager IK-8 (Weißer Bär) am Polarkreis ein, 2018 trat er für 144 Tage in den Hungerstreik, wie es ihm aktuell geht, ist unklar."

"Kein Tod auf Golgatha"

Natürlich finden wir in den Feuilletonausgaben vom Wochenende viel Österliches. Hier das aufregendste Beispiel: In der TAZ fragt Ulrich Gutmair: "Ist Jesus nicht am Kreuz gestorben?" Um die Frage zu beantworten, verweist er auf das bei C.H. Beck erschienene Büchlein "Kein Tod auf Golgatha", in dem sich Johannes Fried "auf die Suche nach dem überlebenden Jesus macht" und sich dabei auf Unfallchirurgie und Johannesevangelium beruft.

Die Dornenkrone jedenfalls, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigungen getragen haben soll und die in Notre-Dame aufbewahrt wurde, konnte aus dem Flammenmeer gerettet werden.

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