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Kulturpresseschau | Beitrag vom 03.05.2020

Aus den FeuilletonsHeinz Strunk rechnet mit den deutschen Comedians ab

Von Arno Orzessek

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Der Autor Heinz Strunk bei der Verleihung des Kasseler Literaturpreises für grotesken Humor   (www.imago-images.de)
Gleichgeschaltet sei die deutsche Comedy, meint der Schriftsteller Heinz Strunk in der "FAZ". (www.imago-images.de)

Gar nicht amüsiert ist der Autor Heinz Strunk in der "FAZ" über den Zustand der deutschen Comedy. Die "Humorlandschaft" bestehe aus "in industrieller Massenfertigung" produzierten Witzen. Am Ende bleibe nur noch "grobkörniger Ramsch" übrig, so Strunk.

Falls uns deutsche Comedians zuhören, folgende Warnung: Ihnen wird heute auf den Schlips getreten! Denn der Schriftsteller Heinz Strunk hat den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor erhalten. Und was er aus diesem Anlass verlautbart hat – beileibe keine 'Dankesrede' –, steht nun in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG.

Strunks Comedy-Bashing

"Es ist mir […] ein Anliegen, über deutsche Comedy ein paar Sätze zu verlieren, denn das passiert leider viel zu selten. Unwidersprochen breitet sich dieses Unternehmen Barbarossa des Humors aus, ein Vernichtungsfeldzug, der in einer beispiellosen Gleichschaltung noch im entlegensten Winkel der Republik dieselben Bewusstseinsmuster errichtet."

"Unternehmen Barbarossa", "Vernichtungsfeldzug", "Gleichschaltung": Wer mit solchen Kanonen auf Comedy-Spatzen schießt, könnte das aus Gründen der Übertreibung tun und selbige für witzig halten. Doch Heinz Strunk ist nicht nach Grinsen zumute:

"Die Humorlandschaft hat sich in den vergangenen 25 Jahren dramatisch verändert, und zwar in genau eine Richtung: zum Schlechten. Parodie, Humor, Ironie, Satire, Persiflage, Polemik, Kalauer, Glosse, Sarkasmus, Karikatur, Limerick, Slapstick, Farce und was es sonst noch alles gibt, werden auf den kleinsten gemeinsamen Nenner runtergedampft: auf in industrieller Massenfertigung produzierte Witze, rücksichtslos entkernt von Drama, Tragik, Weltanschauung, Überzeugung, Nuancen, Brüchen, Differenzen, also all dem, was Komik ausmacht. Selbst wenn mal eine gute Idee zugrunde liegt, wird die von unzähligen vor-, zwischen- und nachgeschalteten Filtern und Dämpfern verdünnt, gesiebt, gespült, bis nur noch grobkörniger Ramsch übrigbleibt."

Wutentbrannt: Heinz Strunk.

Kabarettistinnen-Kritik

Wollten Sie das alles vielleicht gar nicht wissen, weil Comedy nicht Ihr Ding ist? Tja, dann müssen Sie jetzt noch ein bisschen weiter leiden. Denn in der TAGESZEITUNG knöpft sich Hengameh Yaghoobifarah die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart vor, die Sie vielleicht mal bei Dieter Nuhr gesehen haben. Doch auch wenn nicht: Yaghoobifarahs Kurz-Porträt ist selbsterklärend.

"Geladen mit High-School-Bully-Energy besitzt Lisa Eckhart das nötige Pretty-Privilege, um mit den Styles vom Anfang des letzten Jahrzehnts davonzukommen. Ich spreche nicht nur von ihrem Look – irgendwo zwischen Versace for H&M und Hetera, die die Garderobe ihrer lesbischen Mitbewohnerin kopiert –, sondern auch von ihrer künstlerischen Ästhetik. Ein wenig Verharmlosung sexualisierter Gewalt hier, ein Brocken Antisemitismus da, zwischendrin etwas Rassismus und das Ganze in dem Singsang des deutschsprachigen Poetry Slams, der mich schon 2013 anekelte."

Hengameh Yaghoobifarah in der TAZ, in einem Artikel der Gattung "Abgekotzt".

"Die Kunst schaut den Gästen beim Trinken zu"

Und jetzt eine wirklich verbotene Überleitung: Gekotzt wird auch schon mal in der Paris Bar in Berlin. Aber nicht deshalb seufzt die Schriftstellerin Eva Sichelschmidt in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG: "Wann öffnet die Paris Bar wieder?". Nein, über Sichelschmidts Beziehung zu der Bar verrät die Überschrift: "Es ist Liebe und noch mehr."

"Die Kunst schaut den Gästen geduldig beim Trinken zu. Manche Kunstwerke an den Wänden sind vor Jahren einer Interimsinsolvenz zum Opfer gefallen. Martin Kippenberger zog aus und bezahlte lang nach seinem Tod noch die aufgelaufenen Schulden. Cosima von Bonin, Daniel Richter, Sarah Lucas, John Baldessari halten, neben vielen anderen und afrikanischen Plastiken, die Stellung. Und Nachschub gibt’s immer, kein Zentimeter Wandfläche bleibt unbesetzt, und Bilder und Gäste kennen kein Früher und Heute, so lange der Laden läuft. Die Wände immer so voll wie die Gäste zum Zapfenstreich."

Bücherordnen mit J.K. Rowling

Und jetzt doch noch ein Wort zur Corona-Krise. Die FAZ berichtet, J. K. Rowling hätte während der Ausgangssperre ihre Bücher nach Farben geordnet – wohlgemerkt ihre eigenen Bücher. Etwas ähnliches und zugleich anderes passierte laut Gina Thomas in einer öffentlichen Bibliothek in Suffolk: "Dort hat eine wohlmeinende Putzkraft die Schließung wegen der Corona-Epidemie genutzt, um den gesamten Bestand nach Bücherformat zu ordnen."

Sie meinen, das sei eine nette Schlusspointe? Wir auch. Und darum: Tschüss!

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