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Kulturpresseschau | Beitrag vom 09.08.2018

Aus den FeuilletonsFritz Lang gegen James Bond

Von Klaus Pokatzky

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Filmrolle (picture alliance/dpa/Foto: Daniel Reinhardt)
Filmmaterial aus der Zeit des 1. Weltkrieges, Filmarchiv des deutschen Filminstituts in Wiesbaden (picture alliance/dpa/Foto: Daniel Reinhardt)

Der Pionier der Filmrestauration, Enno Patalas, ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet in ihrem Nachruf auf den ehemaligen Leiter des Münchner Filmmuseums von einem brisanten Tauschgeschäft mit den Russen.

"Printmedien sind in zehn Jahren tot." Das ist ein Zitat aus dem Berliner TAGESSPIEGEL – und lässt die Kulturpresseschau schon jetzt in ihr Grab blicken. Doch, wo Gefahr droht, naht das Rettende auch: "Zeitung hat noch Zukunft", lautet die Überschrift zu dem Artikel, der sich mit der "repräsentativen Studie 'New Storytelling' der Initiative Nextmedia" befasst. Und für die Studie wurde der schreckliche Satz von den in zehn Jahren toten Printmedien den Befragten vorgelegt. "34 Prozent glauben, dass die Aussage 'eher nicht zutrifft', neun Prozent bejahen sie voll und ganz. Am Fortbestand der gedruckten Tageszeitung äußerten 52 Prozent und insbesondere die über 30-Jährigen keinen Zweifel." Noch mal davongekommen.

Schwierige Situation der Journalisten in Ost-Europa

"In Weißrussland wurden 17 Journalisten festgenommen", berichtet die Tageszeitung TAZ. "Ohnehin gibt es in dem Land nur noch wenige kritische Medien." Und wie sieht es da in unserer freiheitlichen Europäischen Union, der EU, aus? "Journalisten in Ungarn werden von der Macht nicht im Geringsten respektiert", sagt Zsolt Bogár über das EU-Mitglied Ungarn. "Sie bekommen so gut wie nie ehrliche Antworten auf ihre Anfragen. Daten von öffentlichem Interesse werden verschwiegen", meint der einstige Journalist, der nun bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Budapest arbeitet, im Interview mit dem TAGESSPIEGEL. "Wer nicht die Regierungslinie verfolgt, wird als Feind angeschwärzt, der angeblich 'Fake News' verbreitet."

Brite reist entlang des Satzes "STOP BREXIT"

Reisen wir weiter durch Europa – wo landen wir da? "Ich bin in Finnland, in Lappland nahe der Arktis", ruft uns Andy Pardy zu, "und fahre die obere Rundung des P ab. Für diesen Buchstaben bin ich von Schweden nach Norwegen, über die finnische Grenze bis hoch in den Norden gefahren – jetzt geht's wieder geradeaus runter." Das erzählt der 28-jährige Brite der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG im Interview. "Er möchte ein Zeichen gegen den bevorstehenden Brexit setzen. Ganz wörtlich. Mithilfe eines GPS-Trackers fährt er eine Route, die den Satz 'STOP BREXIT' ausbuchstabiert", werden wir im redaktionellen Begleittext aufgeklärt. "Angefangen habe ich in Schottland, von

dort bin ich nach Nordirland, in die irische Republik über Galway und Dublin, mit der Fähre nach Wales – das war das S. Um dann mit dem unteren Ende des T anfangen zu können, musste ich einmal quer durch England fahren, nach Göteborg." Wahrscheinlich 32 Länder wird Andy Pardy passieren, von denen 26 Mitglied der Europäischen Union sind. "Ich hoffe, dass ich Ende Oktober fertig bin. Mein gebrauchter VW-Van hat mich bisher noch nicht im Stich gelassen." Hoffentlich hat der keinen Dieselmotor.

Nachruf auf Pionier der Filmrestauration

"Über 50 Jahre seines Lebens hat Enno Patalas mit großer Intensität in die Filmgeschichte investiert", lesen wir im TAGESSPIEGEL, "als Autor, als Programmmacher, als Restaurator deutscher Stummfilme", schreibt Hans Helmut Prinzler über Enno Patalas, der nun im Alter von 88 Jahren gestorben ist. "Auf große, vertrackte Deals hat er sich verstanden, das war sein Metier als Direktor des Münchner Filmmuseums in den Siebzigern und Achtzigern", erinnert die SÜDDEUTSCHE, in der Fritz Göttler auch ein Beispiel für vertrackte Deals nennt – nämlich: "Wie er eine Kopie von 'Kriemhilds Rache', Teil zwo von Fritz Langs 'Nibelungen', aus dem Moskauer Filmarchiv bekommen hatte und den Russen dafür ein paar Bondfilme schickte, die sie nicht selber kaufen durften."

Nach München reist natürlich auch unser Europa-Streiter Andy Pardy mit seinem guten alten VW-Bus. "Ich werde überhaupt eine Menge Zeit in Deutschland verbringen", sagt er zur SÜDDEUTSCHEN: "Und ich versuche, pünktlich zum Oktoberfest in München zu sein. Ich will ja auch Spaß haben auf dem Trip!"

Das ist echtes Europa.

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