Aus den Feuilletons

    Es gibt sie doch!

    04:23 Minuten
    Ein unbekanntes Flugobjekt, kurz: UFO.
    Seit jeher fragen wir uns: Sind wir allein im Weltall? © picture alliance / Mary Evans Picture Library / Fritz van Nest
    Von Arno Orzessek · 27.06.2021
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    Die einen halten sie für Science-Fiction, andere sind geradezu von ihnen besessen: Die Rede ist von unbekannten Flugobjekten, kurz Ufos. Deren Existenz hat das Pentagon gerade bestätigt, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Irgendwas ist da oben.
    "Darüber, dass SUV scheiße sind und der städtische Individualverkehr ein Konzept aus dem vergangenen Jahrtausend, müssen wir nicht reden", heißt es in der TAGESZEITUNG.
    Falls Sie jetzt reflexhaft denken: Na klar, die TAZ lästert mal wieder voll aggro übers Auto ab, dann liegen Sie falsch. Denn von dem zitierten Satz abgesehen schreibt Tania Kibermanis geradezu zärtlich über Autos, das heißt, über ihre eigenen Klapperkisten:
    "Mein Auto heißt an guten Tagen Bärbel, an weniger guten Stalin. Damit wäre schon einiges der neurotisch-liebevollen Bindung, die ich zu meinem Gefährten hege, erklärt. Neuwagen, Komfort, Tempo, Statussymbol – das alles hat mich nie interessiert. Ich bevorzuge Altbauwohnungen, auch motorisierte.
    Mein Auto war stets mein kleiner Salon, in den ich Leute einlud, sich bei einem guten Gespräch ganz nebenbei von A nach B zu bewegen. Ein Auto ist ein herrlicher Rückzugsort, um einfach mal mitten im öffentlichen Raum unbeobachtet zu heulen, zu toben, diskret zu telefonieren oder einfach nicht dumm angequatscht zu werden."

    Auch Barack Obama bestätigt Existenz von Ufos

    Richten wir unseren Blick zum Himmel. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG widmet dem jüngst veröffentlichten Ufo-Bericht des US-Verteidigungsministeriums eine Sonderseite:
    "Fakt ist: Die amerikanische Armee und der nüchterne Barack Obama haben die Existenz von Ufos offiziell bestätigt", referiert Nicolas Freund. "Radarsysteme, Kameras und gut ausgebildete Navy-Piloten berichten seit Jahren von Sichtungen unbekannter Flugobjekte. Irgendwas ist da oben.
    Schon 2017 sind Infrarotvideos der US-Navy geleakt worden, die Flugobjekte bei eigenartigen Manövern zeigen. Die Navy sagte auf Nachfrage: Ja, die Videos sind echt. Was darauf zu sehen ist? Keine Ahnung, wissen wir nicht. Und ja, das Pentagon unterhält eine eigene Abteilung, die Ufo-Sichtungen erforscht. Wer sind jetzt die Spinner, die Ufo-Seher oder die Ufo-Leugner?", fragt Nicolas Freund in der SZ. Wer sich mit unbekannten Flugobjekten beschäftigt, muss also keineswegs plemplem sein.

    Warum Paranoia einen optimistischen Kern hat

    Und im Übrigen sind ja auch viele Anhänger hanebüchener Verschwörungstheorien im Oberstübchen fit. Warum sie trotzdem das krudeste Zeug glauben, das möchte die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG von dem Schriftsteller Salman Rushdie wissen:
    "Das Internet trägt daran eine gewisse Schuld, weil dort extrem wertvolle Informationen und zutiefst unwahre Informationen mit dem gleichen Grad an Autorität koexistieren. Für manche Menschen ist es schwer, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden, weil beide auf dem Bildschirm des Computers genau gleich aussehen.
    Ich habe in diesem Zusammenhang viel über die Romane von Thomas Pynchon nachgedacht, in denen sich alles um Paranoia dreht. Paranoia als soziale und intellektuelle Struktur. Im Zentrum der Paranoia steht die Vorstellung, dass die Welt einen Sinn hätte, der jedoch von mächtigen Instanzen geheim gehalten würde. In gewisser Weise ist das eine optimistische Theorie, weil sie voraussetzt, dass die Welt einen Sinn hat. Dass sie nicht chaotisch, absurd und sinnlos ist."

    Wenn Bürgerliche vergessen, was bürgerlich ist

    Ein Foto in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG zeigt junge Leute, die entspannt auf einer Decke liegen und gesunde Sachen zu sich nehmen. Sieht eigentlich ganz gut aus, doch die Unterzeile verrät, dass die NZZ das Foto in boshafter Absicht ausgewählt hat: "Man lebt in einer schicken Stadtwohnung, kauft Biogemüse und ist überzeugt, dass die Welt eine bessere wäre, wenn nur alle so leben würden wie man selber."
    Thomas Ribi fragt "Was ist bürgerlich an den 'neuen' Bürgerlichen?" – und verteidigt die alten: "Die moderne Gesellschaft verdankt dem Leistungswillen, der Risikobereitschaft und dem Verantwortungsbewusstsein der 'alten' Bürgerlichkeit weit mehr, als sie sich bewusst ist. Und die neuen Bürgerlichen haben von ihr vor allem das nicht übernommen, was diese im Kern ausmachte: die Skepsis gegenüber der eigenen Lebensform. Das Unbehagen an den Widersprüchen, denen auch ein in aufrichtiger Verantwortung gelebtes Leben nicht entgeht."
    Wir meinen: Da könnte was dran sein, nur begründen werden wir das nicht mehr. Denn der Satz, den Sie gerade hören, markiert für heute – mit einer Überschrift der Tageszeitung DIE WELT – "Das Ende".
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