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Kulturpresseschau | Beitrag vom 13.08.2019

Aus den FeuilletonsDreamteam aus der Traumfabrik

Von Gregor Sander

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Die Schauspieler Brad Pitt (li) und Leonardo DiCaprio mit dem Regisseur Quentin Tarantino (Mitte) bei der Premiere des Kinofilms Once "Upon a Time in... Hollywood" vor einem Plakat zum Film am Potsdamer Platz in Berlin am 01.08.2019 (Imago/R.Wagner)
In überzeugenden Rollen, findet die "FAZ": die Schauspieler Brad Pitt (li) und Leonardo DiCaprio mit dem Regisseur Quentin Tarantino (Mitte) bei der Premiere des Kinofilms Once "Upon a Time in... Hollywood" am Potsdamer Platz in Berlin. (Imago/R.Wagner)

Mehrere Zeitungen feiern den neuen Kinofilm von Quentin Tarantino. "FAZ"-Autor Andreas Platthaus ist von den Dialogen der Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio und Brad Pitt begeistert. Letzterer brilliere in der Rolle eines Stuntman, schwärmt die "taz".

Benjamin von Stuckrad-Barre goes Podcast, erklärt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und Quentin Lichtblau hat deshalb ein Interview mit ihm gemacht.

Fairerweise muss man sagen, dass Stuckrad-Barre diesen neuen Spotify-Podcast mit dem Titel "Ja Ja Nee Nee" gemeinsam mit der Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer gestaltet, und dass die auch beim Gespräch dabei war, um auf einer halben Zeitungsseite folgende Sätze zu sagen:

"Keine Ahnung. Ich habe keinen blassen Schimmer, was wir hier machen und wo wir hier sind."

Das Ziel des Podcasts beschreibt Bauer so:

"Wir nehmen das als Ansporn, reden auf ein Ziel hin: die Raucherpause."

Dann sagt sie zweimal: "Nee."

Und einmal: "Voll."

Und dann noch: "Ich weiß nichts mehr."

Und: "Keine Ahnung."

Den Rest des Interviews labert nur Stuckrad-Barre und zwar so, als wären die 90er-Jahre nicht seit zwanzig Jahren vergangen. Beispielsweise sagt er:

"Moment mal, das Wort 'labern' möchte ich jetzt grad doch mal zur Debatte stellen."

Aber wir nicht, lieber Benjamin von Stuckrad-Barre.

Hollywood-Helden im Dreierpack

Lieber wandern wir zu einem anderen Helden, der in den 90er-Jahren seine Weltkarriere begann: Quentin Tarantino. Der erzählt in "Once Upon a Time … in Hollywood" vom Ende des Western im Hollywood in den 60er-Jahre. Natürlich mit großen Stars in den Hauptrollen, die allerdings nur bedingt zueinander passen, wie Andreas Platthaus in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG verrät:

"Wie sonst könnten die Hollywood-Stars Leonardo DiCaprio und Brad Pitt, die trotz mehr als zwanzigjähriger Kinokarriere noch nie zuvor zusammen in einem Film aufgetreten sind, glaubwürdig einen abgehalfterten Western-Schauspieler und dessen Stunt-Double verkörpern? Sie versuchen es gar nicht erst."

Aber die Weigerung dieses Traumpaars, sich in die Handlung einzuspielen, scheint der Clou des Films zu sein. Denn auch Fabian Tietke von der TAZ schwärmt:

"DiCaprio und Pitt guckt man immer gern dabei zu, wie sie möglichst wenig von der Handlung tangiert werden. Leonardo DiCaprio ist als Rick Dalton gut, aber Brad Pitt in der Hauptnebenrolle als Cliff Booth ist überragend."

Für Platthaus in der FAZ ist aber noch ein zweiter Aspekt entscheidend in diesem offensichtlich gelungenen Film:

"Die Dialoge sind messerscharf – und entsprechend verletzend."

Ein Meisterwerk der Sprachvarianten

Das ist bei Angela Schanelec anders. Ihr Film "Ich war zuhause, aber...", für den sie im Februar bei der Berlinale den Preis für die Beste Regie gewann, kommt ebenfalls in die Kinos, und über die Dialoge der Meisterin der Handlungsverweigerung, schreibt Philipp Stadelmaier in der SZ:

"Danach besteht der Sinn der Dialoge vielleicht nicht darin, was, sondern wie es gesagt wird. Mal wird es extrem laut, etwa wenn Astrid ihre Kinder anbrüllt, mal ganz leise, wenn Phillip der Schwester vorsingt. Der Lehrer, gespielt von Franz Rogowski, lispelt. Und der Mann, der Astrid das Fahrrad verkauft, kann sich nur mit einem Gerät verständigen, das er sich an die Stimmbänder presst. Was er sagt, klingt ganz metallisch."

Vielleicht kann man einen Schanelec-Film einfach nicht in einer Zeitungskritik beschreiben? Stadelmaier versucht es trotzdem und landet in einem Klempnerbild:

"Im Gespräch mit einem Lehrer ihres Sohnes fragt sie sich plötzlich: 'Wie redet man eigentlich mit einem Heizkörper?' Da sagt man sich, dass Schanelec den Stimmapparat ihrer Figuren wie einen Heizkörper zerlegt und in seinen Röhren lauscht, was mit Stimmen und Lauten geschieht, wenn sie verhallen, sich verzerren und verlieren."

Und: "Ist man am Ende des Films schlauer als am Anfang?", fragt der Kritiker und legt sich dann fest: "Vielleicht ein wenig. Man weiß, die Wahrheit liegt in einem Heizkörper."

Oder liegt die Wahrheit doch in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG, die in ihrem Aufmacher fragt:

"Macht der Computer uns zu Kommunisten?"

Um das hier ausreichend zu erörtern, fehlt uns leider die Zeit, und so klauen wir uns die Antwort einfach noch einmal bei Jasna Fritzi Bauer in der SZ:

"Keine Ahnung. Ich habe keinen blassen Schimmer, was wir hier machen und wo wir hier sind."

Mehr zum Thema

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