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Kulturpresseschau | Beitrag vom 11.01.2019

Aus den FeuilletonsDer Mensch Rosa Luxemburg

Von Arno Orzessek

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Ein Porträt von Rosa Luxemburg (1871-1919) (imago stock&people)
Rosa Luxemburg, linke Sozialdemokratin und Mitgründerin der KPD. Sie wurde am 15. Januar 1919 in Berlin ermordet (imago stock&people)

Vor 100 Jahren wurde Rosa Luxemburg in Berlin ermordet. Dieser Fakt spiegelt sich auch auf den Kulturseiten der Zeitungen wider. In der TAZ wird Luxemburg ausführlich gewürdigt. In der WELT wird ihr zugestanden, als Mensch faszinierend gewesen zu sein.

"Ich habe verdammte Lust glücklich zu sein, und bin bereit, Tag um Tag mit dem Starrsinn eines Tauben um mein Portiönchen Glück zu feilschen." Brief-Zeilen von Rosa Luxemburg an Leo Jogiches – "den Mann ihres Lebens", wie Stefan Reinecke in der TAGESZEITUNG erläutert. 

Am 15. Januar vor 100 Jahren wurde Luxemburg in Berlin ermordet – und wer gar nichts von ihr weiß, lernt sie in der TAZ näher kennen: "[Sie] war eine zornige Liebende, die sich selbst ein Temperament bescheinigte, das 'eine ganze Prärie in Brand setzen' konnte. Sie war eine glänzende Polemikerin, eine originelle sozialistische Theoretikerin – und eine Empfindsame. Dass sie, die ehrgeizige Intellektuelle, die sechs Sprachen beherrschte, ihr Leben lieber 'mit Gänse hüten' denn als Revolutionärin verbracht hätte, war nicht nur kokett."

Pech für Kommunisten-Hasser 

Liebe Kommunisten-Hasser, Pech für Sie: Uns gefällt die Luxemburg-Würdigung in der TAZ so gut, dass wir noch ein bisschen bei ihr verweilen.

"Für […] [Luxemburgs] Nachleben war ihr Tod, man muss es so sagen, Glück. Sie wurde zur Märtyrerin der Linken. Die Wahl, in der autoritären […] [Kommunistischen Partei] zu bleiben und sich selbst damit als Intellektuelle auszulöschen, oder zur einflusslosen Renegatin zu werden, blieb ihr erspart. […] Die Frauenbewegung erkor die Zerbrechliche, die sich in der Männerwelt behauptete, zur Heldin. Zu Luxemburgs Aura gehört auch, dass sie Migrantin war – polnische Jüdin im deutschen Kaiserreich. Doch Luxemburg als Frau und Jüdin in Beschlag zu nehmen ist schwierig. Für Feminismus hatte sie nur Spott übrig. Das Judentum war ihr egal."

So Stefan Reinecke in der TAZ.

Die Tageszeitung DIE WELT macht naturgemäß keine Reklame für Luxemburgs kommunistische Ideale, aber Marc Reichwein konzediert immerhin: "Man kann Rosa Luxemburg als Mensch faszinierend und tragisch finden und muss deswegen noch lange nicht die Diktatur des Proletariats gutheißen."

Michael Jackson in der Buchhandlung

Als Mensch, Verleger und Buchhändler faszinierend ist Walter König, der nun 80 Jahre alt wird. In der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG erzählt König im Gespräch mit Catrin Lorch, wie das damals war, als Michael Jackson in der Kölner Buchhandlung aufkreuzte.

"Der kam in einer Autokolonne mit wahnsinnigem Krach angefahren, stoppte direkt vor unserer Ladentür und lief rein mit einem schwarzen Tuch vor dem Mund. Meine Frau dachte, das sei ein Überfall. Allerdings war neben den Bodyguards auch ein Polizist dabei. Der fragte, ob wir den Laden abschließen könnten. Aber es war halbsieben, das ging nicht. Michael Jackson durfte länger bleiben, er war drei Stunden da, ein angenehmer Kunde mit ganz präzisen Vorstellungen"…

Lobt Walter König den Bücherwurm Michael Jackson in der SZ.

"'Ich liebe nicht nur Bücher, sondern liebe es auch, Bücher preiswert einzukaufen und teuer zu verkaufen'", zitiert die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG ein fundamentales Bekenntnis Königs.

Im übrigen stellt Andreas Rossmann klar: "Wer ein Kunstbuch bei König nicht findet, kann aufgeben. Und wer eines mitbringt, das der Buchhändler noch nicht kennt, macht ihn nervös."

Murakami zum 70. Geburtstag

Da wir heute auf dem Würdigungstrip sind – erst Luxemburg, dann König – passt es gut, dass der Schriftsteller Haruki Murakami 70. Geburtstag feiert.

Im Berliner TAGESSPIEGEL erzählt Gerrit Bartels, dass Murakamis Karriere während eines Baseball-Spiels begonnen hat – und zitiert den Jubilar selbst:

"'Der schöne satte Ton, mit dem der Ball auf den Schläger traf, hallte im ganzen Stadion wider. Es ertönte vereinzelter Applaus. Und just in diesem Moment kam mir völlig zusammenhanglos der Gedanke: Das ist es! Ich werde einen Roman schreiben.'"

Es sind bekanntlich viele geworden – und Andreas Platthaus findet viele davon gut.

Kriegt er noch den Literaturnobelpreis?

Der FAZ-Autor erwähnt, dass Murakamis deutscher Verlag, DuMont, schon 2006 für alle Fälle T-Shirts hatte drucken lassen, die den Autor als Literaturnobelpreis-Träger feiern. Daraus wurde nichts – und momentan ist der Nobelpreis in der Krise. Trotzdem seufzt Murakami-Fan Platthaus: "Hoffentlich werden wir eines Tages das T-Shirt anziehen können."

So viel für heute. Was uns noch zu sagen bleibt, steht in einer Überschrift der WELT: "Passen Sie auf sich auf!"

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