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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 24.02.2019

Aus den FeuilletonsDer letzte Meister der goldenen Ära

Von Gregor Sander

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Der us-amerikanische Regisseur und Filmproduzent Stanley Donen zeigt am 23. März 1998 im Shrine-Auditorium in Los Angeles seinen Ehren-"Oscar" für sein Lebenswerk. Er drehte unter anderem "Fearless Fagan", Give the Girl a Break", "Royal Wedding", "Love is better than ever", "Deep in My Heart", "Seven Bridges for Seven Brothers", "Funny Face", "Kiss Them for Me" und war Coregisseur bei "Singin' in the Rain". (AFP/epa)
Stanley Donen galt als einer der wichtigsten Regisseure in der Geschichte des Musicalfilms und erhielt 1998 einen Ehrenoscar. (AFP/epa)

Mit 94 Jahren ist der US-amerikanische Regisseur Stanley Donen gestorben und die "SZ" sowie "FAZ" huldigen dem Macher von "Singing in the rain". Diverse andere Feuilletons bewegt der Begriff "Heimat" in unterschiedlicher Form.

Ein "Ausgeprägtes Heimatfieber", hat René Martens von der TAZ ausgemacht. Er bespricht die Doku "Heimatland", die am Montag um 20.15 Uhr in der ARD läuft. "Das Heimatfieber boomt immer in Zeiten der Neuordnung", sagen die Autorinnen zum Beispiel. Und: "In Zeiten der Stabilität dümpelt das Wort über Jahrzehnte vor sich hin." Einer eingeblendeten Grafik ist zu entnehmen, dass das Wörtchen Heimat im hiesigen Sprachgebrauch rund ein halbes Jahrhundert keine Rolle spielte. Das änderte sich erst ab dem Jahr 2000.

"Patrioten sind Langweiler"

Jetzt ist das Bedürfnis nach Heimat offensichtlich wieder groß und daher vielleicht auch nicht verwunderlich, dass über dem Feuilleton-Aufmacher der Tageszeitung DIE WELT die Überschrift: "Patrioten sind Langweiler", prangt. Diesen Satz sagt Jason Williamson, Sänger der Band Sleaford Mods, aus Nottingham, von denen Redakteur Michael Pilz behauptet: "Niemand schimpft so schön wie sie auf alles. Jason Williamson trägt die Tiraden wie Tourette-Ausbrüche vor."

Im Interview mit dem Rocker geht es dann allerdings eher gesittet zu und sein Heimatbegriff ist auch sehr eigenwillig: "Ich bin englisch. Mein Humor und meine Art zu reden, die Britische Eisenbahngesellschaft als Tattoo auf meinem Arm und vielleicht noch meine Frisur. Da hört es aber auch schon auf. So wie Sie deutsch sind: Sie sind ernsthaft, sie sprechen auf Ihre Weise. Ich kenne inzwischen viele Deutsche, die sind alle so wie Sie." Da kann man nur hoffen, dass die neue Platte "Eton Alive" origineller ist.

Deutscher Heimatkrimi mit Partnergemeinde

In der deutschen Fernsehlandschaft gibt es einen neuen Heimatkrimi und Medienredakteur David Denk pfeift uns in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG das Lied vom Tod: "Die Cowboystiefel gehören nicht hierher, genauso wenig wie die Frau, die in ihnen diesen spärlich beleuchteten Bahnsteig betritt. Dabei stammt sie von hier, aus der dunkelsten brandenburgischen Provinz, doch vermisst hat sie niemand in Mittenwalde."

"Dead End" heißt die Serie im brandenburgischen Nirgendwo und Elmar Krekeler von der WELT hat hier sogar eine Rezeptur für den deutschen Heimatkrimi entdeckt: "Wer Mittenwalde jetzt für eine Partnergemeinde von Hengasch hält und "Dead End" für eine Variation von "Mord mit Aussicht" liegt nicht ganz falsch damit. Die Landeiercrimeserie aus der Eifel ist eine der Zutaten im Serien-Smoothiemixer für "Dead End".

Tatort-Klamauk ohne Inhalt

Wem dieses ewige Fernsehgemorde in der deutschen Provinz zum Halse raushängt, der kann sich nach Zürich begeben, wo Herbert Fritsch im Schauspielhaus den Krimi zur Parodie verwurstet. "Totart Tatort" heißt das Stück. Glaubt man Theaterkritikerin Christine Wahl vom Berliner TAGESSPIEGEL sperrt sich das Genre aber auch auf der Bühne: "Das Problem: Grenzenlos surreales Potenzial scheint dem Krimi-Genre nicht abzuringen zu sein. Vieles wiederholt, einiges dehnt sich. Das dürfte weniger an Fritschs nach wie vor hochnotkomischem Forscherdrang liegen als vielmehr am Gegenstand."

Christine Dössel von der SZ fügt hinzu: "So schön diese Inszenierung anzusehen ist, so inhaltsleer ist sie. Es bleibt bei einer szenischen Abfolge von Slapstick- und Pantomime-Nummern ohne Dramaturgie. Das ist manchmal lustig, manchmal albern, öfters zach." Und wer jetzt am Wörtchen "zach" hängen geblieben ist, dem sei gesagt, dass es in der Heimat der SZ für "zäh" benutzt wird.

Epoche im Musikfilm 

Ohne Morde kam Stanley Donen in seinen Filmen aus. "Mit ihm ist der letzte Meister aus Hollywoods goldener Ära gestorben", bedauert Fritz Göttler in der SZ und fügt hinzu: "Donens Kino ist pure Energie, seine Figuren sind dynamisch und kühn, gehen raumgreifend vor, Gene Kelly, der durch Pfützen tanzt im Regen (die man durch Löcher im Boden extra groß machte)"

Diese Szene aus "Singin’ in the Rain" ist für Wiebke Hüster von der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG sogar der Beginn einer neuen Epoche im Musikfilm: "Stanley Donen verließ die Innenräume und verlagerte seine Filmtänze nach draußen. Und machte Gene Kelly nass." Perfekt war das alles trotzdem:"Auf der einen Seite kennzeichnet ihn dieser Wunsch nach Raum, nach Luft, auf der anderen Seite die Verpflichtung, ein Genre zu erfüllen auf das Perfekteste, monatelang zu proben, bis eine Tanz-Szene so sitzt, dass jeder Wassertropfen in der Straße in der richtigen Pfütze landet."

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