Samstag, 17.11.2018
 

Kulturpresseschau | Beitrag vom 04.11.2018

Aus den FeuilletonsDas Smartphone gehört doch in die Schule

Von Tobias Wenzel

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Gruppe Schüler sitzt auf einer Treppe und kommuniziert mit Tablet-PCs und Smartphones | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer. | dpa / picture alliance / imageBROKER (imageBROKER)
Schüler mit Tablet-PCs und Smartphones. (imageBROKER)

In der "WELT" greift Jasper A. Friedrich den Psychiater Manfred Spitzer an. Der hatte zuvor geschrieben, Handys hätten nichts in der Schule verloren. Das sieht Friedrich anders. Man solle keine Angstmacherei betreiben. Er vergleicht das Smartphone mit dem Schulheft.

Da sage noch einer, aus den Feuilletons könne man nichts fürs Leben lernen! Die Kulturseiten vom Montag lassen wissen: Manche Menschen brauchen einen Deutsch-Deutsch-Dolmetscher, das lange Starren auf ein Schulheft ist gefährlich, und Intellektuelle können die Welt verändern, ob zum Besseren, sei einmal dahingestellt. Doch der Reihe nach.

Gerade hat Angela Merkel ihren Rücktritt vom CDU-Vorsitz verkündet, da kreisen auch schon die Parteigeier über ihr. Friedrich Merz und Jens Spahn haben keinen Zweifel an ihrem Hunger gelassen. "Oder skandiert Pegida in Zukunft vielleicht doch 'Kramp-Karrenbauer muss weg'?", fragt die TAZ in ihrer Interviewrubrik den Satiriker Friedrich Küppersbusch. Der antwortet: "AKK darf sich nicht anmerkeln lassen, dass sie Wunschkandidatin der Chefin ist. Merz wird ebenso verwischen wollen, dass er beim Stichwort 'Sozialpolitik' hilflos zum Dolmetscher guckt."

Hört auf den Kindern Smartphones zu verbieten

Der Psychiater Manfred Spitzer, Autor von Büchern wie "Digitale Demenz" und "Cyberkrank!", sagte vor gut zwei Wochen in der WELT, Smartphones hätten nichts in der Schule verloren. Der Kommunikationswissenschaftler Jasper A. Friedrich hält nun, ebenfalls in der WELT, im Interview mit Marc Reichwein dagegen. Er wirft Spitzer vor, komplexe Sachverhalte radikal zu verkürzen und so extreme Positionen zu erzeugen. Damit verstoße er gegen wissenschaftliche Standards. Es scheine ihm nicht um Analyse und Aufklärung, sondern um die "Erregung von Aufmerksamkeit" zu gehen.

"Die Strategie ist ähnlich wie bei Sarrazin: Angstmacherei, Stereotypisierung und Weglassen", sagt der Kommunikationswissenschaftler und fährt noch schwerere Geschütze auf: "Konkret sind das Mechanismen der klassischen Propaganda." Spitzer ignoriere zum Beispiel, dass man das Smartphone auch in Ergänzung zum Betrachten von Bilderbüchern verwenden könne. "Nicht Bildschirme verschlimmern die Kurzsichtigkeit beim Heranwachsenden, sondern die langfristige Beschränkung der Sicht auf kurze Sehdistanzen", so Friedrich weiter. "Es ist also egal, ob junge Menschen zu oft oder zu lange auf Schulhefte oder Displays starren – am Ende steht immer die Erziehung in der Verantwortung."

Bernard-Henri Lévy als erster Fernsehintellektueller

Bernard-Henri Lévy, Journalist und Mitbegründer der Nouvelle Philosophie, erzieht gerne andere, erweist sich aber, was seine Person angeht, als unbelehrbar und auch als selbstverliebt. Das liest man jedenfalls aus den sehr kritischen Artikeln zu seinem 70. Geburtstag heraus. Heute sei seine Haupttätigkeit "der weltpolitische Eigenkommentar", schreibt Joseph Hanimann in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. "Er wird als erster Fernsehintellektueller in die Geschichte eingehen", prophezeit Jürg Altwegg in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG, "sein enormer politischer Einfluss der vergangenen Jahrzehnte hat mit seinen Ideen wie mit seiner geballten Medienmacht zu tun. Und als einziger französischer Intellektueller kann er in seiner Bilanz einen Krieg verbuchen." Als überzeugter Antitotalitärer habe er an den "guten humanitären Krieg als Mittel und Methode gegen die potentiellen Wiedergänger Hitlers" geglaubt und das bis heute nicht kritisch hinterfragt. Dieser Krieg sei zuletzt gegen Gaddafi in Libyen geführt worden: "Lévy verherrlichte das Prinzip – und sich – in einem Film: Er hatte ‚seinen‘ Krieg bekommen und Hillary Clinton wie Nicolas Sarkozy von dessen Notwendigkeit überzeugen können."

Schon in jungen Jahren schien Bernard-Henri Lévy von seiner eigenen Bedeutung überzeugt. In Jürg Altweggs Worten: "Vor ein paar Monaten hat Lévy dem 'Figaro' erzählt, wie er als kleines Kind Nekrologe auf sich selbst verfasste und im Gartenhaus der Eltern rezitierte."

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