Aus den Feuilletons

Das gefährlichste Land der Welt

Von Arno Orzessek |
Die "Taz" gibt eine Reisewarnung für Österreich aus und die "Berliner Zeitung" Tipps fürs Regieren im Liegen.
Gerade eben, als wir die frischen Feuilletons aufschlugen, begann auch für uns das neue Arbeitsjahr. Anders gesagt: Bis gerade eben hatten wir 2014 komplett verbummelt. Und was entdecken wir in dieser erwartungsvollen Stimmung als Allererstes in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG?
Einen popeligen Rechtschreibfehler! Allerdings verunstaltet der Fehler einen fetten Zwischentitel auf der Feuilletonseite 1, was die Sache ein wenig peinlich macht.
"Dieser Film verherrlicht schamlos das, was Amerika zersört", heißt es in der Ausgabe, die uns digital übermittelt wurde. Weshalb es sein könnte, liebe Hörer, dass in der papierenen SZ, die Sie vielleicht am Kiosk kaufen, das "zersört" doch noch ein amtliches t abbekommen hat und Ihnen als "zerstört" unauffällig bleibt.
Ob so oder so – Peter Richter fragt im Titel seiner Kritik von Martin Scorseses offenbar spektakulärem Finanzgaunerfilm "The Wolf of Wall Street":
"Muss das alles sein?"
Richters Antwort schnurrt letztlich in einem einzigen Satz zusammen. Er lautet: "Tja."
Regieren im Liegen
Vom orthographischen zum sportlichen Malheur. "Hoppala!", schreibt die TAGESZEITUNG ohne übertriebene Pietät im Blick auf den Sturz von Deutschlands ranghöchster Langlauf-Elfe, Angela Merkel, sowie anderer prominenter Skifahrer – von Michael Schumacher über Heather Mills bis Dieter Althaus.
Falls Sie als Kanzlerin übrigens zuhören sollten, verehrte Frau Merkel: Lassen Sie sich beizeiten die BERLINER ZEITUNG reichen, die profund über das "Regieren im Liegen" räsoniert.
"Von Kleopatra über Churchill zu Fidel: Die Macht kann sich manchmal auch ruhend entfalten", stellt Nikolaus Bernau fest.
Doch zurück zur TAZ. Daniel Schulz' "kleine Typologie der Ski-Unfälle" endet mit einer Reisewarnung:
"Um Gottes willen, wenn wir die Liste so durchsehen: Meidet Österreich! Es ist das gefährlichste Land der Welt. Ob es damit seine verlorene Rolle als Weltmacht Österreich-Ungarn oder den Verlust von Adolf Hitler kompensieren will, wer will das sagen? Und vor allem: Wer will das laut sagen?"
Dabei hat die TAZ ansonsten kein Problem mit dem Laut-Sagen.
Blackfacing
"Ihr seht aus wie hässliche Arschlöcher", begrüßt Jacinta Nandi, die in der TAZ als "die gute Ausländerin" firmiert, ihre inländischen Leser zur Erörterung des Black-Facing-Problems, also des Schwarzfärbens weißer Gesichter auf dem Theater und anderswo.
"Ihr seht scheiße aus, wenn ihr euch schwarz anmalt", ruft uns TAZ-Autorin Nandi zu. "Besonders Denis Scheck. Ich kann sein schwarz angemaltes Gesicht nie angucken, ohne dass die Worte 'God, what an ugly arsehole' in meinem Gehirn erscheinen wie ein pawlowscher Reflex."
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, aus Prinzip niemals vulgär und insofern eine Art Anti-TAZ, unterhält sich derweil mit Shlomo Sand. Der israelische Historiker bestreitet in dem Buch "Die Erfindung des Landes Israel", dass es ein jüdisches Volk gibt – und wiederholt seine These in der NZZ:
"Es gibt keine säkulare jüdische Kultur, die mich als Juden aus Israel mit einem Rabbi in Brooklyn verbindet. Wenn ich bestreite, dass es ein jüdisches Volk gibt, dann bestreite ich natürlich nicht, dass es ein israelisches Volk gibt, welches ein Existenzrecht besitzt."
Die NZZ konfrontiert Sand auch mit dem Vorwurf, Israels Feinden Argumente zu liefern. Sands Antwort:
"Kritik ist völlig legitim, allerdings hat mich in Israel noch niemals ein Kritiker in die Nähe von Holocaustleugnern gerückt, wie es Henryk M. Broder in Deutschland tat. Broder ist weder Israeli, noch hat er für Israel gekämpft und sein Leben riskiert wie ich als junger Soldat."
Zuletzt: eine frohe Botschaft aus der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG, die nicht alle angeht, aber alle Porno-Liebhaber, die von der Kanzlei Urmann + Collegen wegen des Besuchs von Redtube-Seiten abgemahnt wurden. Sie können durchatmen: Rechtsanwalt Carl Christian Müller, den die FAZ lang und breit interviewt, hat die Kanzlei wegen "schwerer Erpressung" angezeigt.
Zu allerletzt: der Tipp des Tages. Wir schließen uns Jürgen Schmidhuber an, dem Experten für künstliche Intelligenz. Er empfiehlt in der SZ:
"Umarmen wir das Unvermeidliche."