Montag, 21.10.2019
 

Kulturpresseschau | Beitrag vom 25.07.2019

Aus den FeuilletonsCountdown zum Ende der Welt

Von Arno Orzessek

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Das Kraftwerk Niederaußem von der RWE Power. C. Hardt  (imago / C. Hardt )
Wenn der CO2-Ausstoß die nächsten 18 Monate so weitergeht, ist der Menschheit nicht mehr zu helfen - lesen wir in der "Süddeutschen Zeitung". (imago / C. Hardt )

In der "Süddeutschen Zeitung" lesen wir, dass "der Menschheit noch zwölf bis achtzehn Monate bleiben, um sich zu retten". Danach wird es eng. Diese überraschende Einsicht bringt der SZ-Autor von der TED-Conference in Edinburgh mit.

Falls Sie gerade sorglos den Sommer genießen wollen, sollten Sie jetzt weghören, denn wir beginnen mit der "Anmoderation der Apokalypse". Unter diesem Titel berichtet in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG Andrian Kreye über die TED-Conference - jene berühmte, in Kalifornien erfundene Innovationskonferenz, die in diesem Jahr im schottischen Edinburgh stattfand.

Es ging laut SZ-Unterzeile um "den Zustand des Planeten". Dass selbiger bedenklich ist, ist bekannt, aber hören Sie mal, welche Einschätzungen namentlich zum CO2-Komplex Andrian Kreye aus Edinburgh mitgebracht hat:

"Noch ist es nicht zu spät. Je nachdem, welche Expertise man zu Rate zieht, bleiben der Menschheit noch zwölf bis achtzehn Monate, um sich zu retten. Danach ist ein Ende noch während der Lebenszeit der ‚Fridays for Future‘-Demonstranten nicht mehr abzuwenden."

Zwölf bis achtzehn Monate also! Leider kann der SZ-Autor Andrian Kreye in der Kürze der Zeilen nicht erklären, wie und warum bestimmte Experten auf dieses Ultimatum kommen. Aber ob so oder so: Wir persönlich geben gar nichts auf derart exakte Angaben zum Anfang vom Ende der Menschheit. Weshalb wir andererseits nicht ausschließen, dass das Ende längst eingeläutet sein könnte. Aber genug geunkt!

Wetterexperte Jörg Kachelmann über seine Kollegen

Kommen wir mit der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG zum "Twitterwetter". Andrea Diener hat sich im Netz angeguckt, wie sich der Wetterexperte Jörg Kachelmann über Leute äußert, die sich unterstehen, sich zum Wetter zu äußern:

"Dumm, dumm, dumm, skrupellose Journalistendarsteller, ‚Extremsommer‘-Medioten, Schwachsinn, menschenverachtender Blödsinn, dumm, dumm, kollektive Bescheuerung in Medienhäusern, völliger Blödsinn, vollpfosteneskes Narrativ vieler Medien und absichtliche Desinformation heulbojesk-potsdämlicher Klimaprofessoren, völliger Stuss. Sie sind zu dumm für diesen Dialog. Ich habe nun keine Zeit mehr für Sie."

Es fehlen die Anführungszeichen – aber wenn wir es richtig verstehen, fasst die FAZ-Autorin Diener wortgetreu zusammen, was Kachelmann in den sozialen Medien ausgekotzt hat.

Sommerliche Fußbekleidung

Unterdessen befasst sich die TAGESZEITUNG unter dem Titel "Schuh wie du" - nein, nicht ‚schubidu‘, sondern: Schuh wie du - mit Nutzen und Nachteil sommerlicher Fußbekleidungsmodelle.

Ambros Waibel erzählt, was ihm im letzten Sommer - Sie erinnern sich: dem ohne Ende - wiederfahren ist:

"Ich wurde 50 und gab auf. Ich brauchte etwas Luftiges. Ich ging in meinen Lieblingsschuhladen und sagte, es sei so weit, ich bräuchte Sandalen. Ja, sagte, meine Lieblingsverkäuferin, das höre sie jetzt öfter. Ich zog die Socken aus, meine Füße waren schneeweiß, ich ekelte mich etwas vor ihnen. Das tun alle Männer, sagte meine Lieblingsverkäuferin, das legt sich. Ich fand alle Modelle hässlich, ich kaufte das, wo ‚Made in Italy‘ draufstand. Aus Frust kaufte ich mir noch ein paar schwarze Budapester, die ich nicht brauchte und mir trotz Sale nicht leisten konnte. Meine Lieblingsverkäuferin war zufrieden."

Trotz tiefster Abneigung Sandalenträger: der TAZ-Autor Ambros Waibel.

Kühler Kopf bei Gott

Ach ja, falls Sie in diesen Tagen durch Berlin laufen sollten, in welchen Schuhen auch immer. Der TAGESSPIEGEL stellt "coole Locations" vor. Eine davon ist "bei Gott" und die findet man, spirituell gesehen, im Berliner Dom – glaubt der TAGESSPIEGEL-Autor Stephan-Andreas Casdorff:

"Wer sich in der Hitze des Alltags einen kühlen Kopf wünscht, erfahren will, was auch nur Momente der Kontemplation bedeuten können – der und die soll den Raum der Stille im Dom suchen und aufsuchen. Es ist, sagen Gelehrte, nicht garantiert, dass kontemplative Reflexion einen privilegierten Zugang zu wichtigen Einsichten bietet. Mit kühlem Kopf besteht immerhin eine Chance. Die Seele kann ausatmen. Danach hat einen das hitzige Leben wieder."

Nun, was Ihr hitziges Leben an kommendem Wochenende angeht: Möge es erfüllt sein von all dem, was der TAGESSPIEGEL in einer Überschrift aufzählt: "Freude, Döner, Götterfunken."

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