Seit 10:05 Uhr Lesart

Donnerstag, 02.07.2020
 
Seit 10:05 Uhr Lesart

Kulturpresseschau | Beitrag vom 27.05.2020

Aus den FeuilletonsBühnenpraktiker ohne Bühnenpraxis

Von Klaus Pokatzky

Beitrag hören Podcast abonnieren
Der Schauspieler Ulrich Matthes auf dem Roten Teppich im Berlinale Palast bei der Berlinale 2020 (Uwe Koch/ Eibner-Pressefoto EPuk/hwww.imago-images.de)
Eingerostet: Der Schauspieler Ulrich Matthes macht sich in der "Zeit" Sorgen, dass er sein "Motor" aufgrund der Spielpause durch Corona nicht mehr in Form ist. (Uwe Koch/ Eibner-Pressefoto EPuk/hwww.imago-images.de)

Weil er wegen Corona seinen Beruf nicht ausüben kann, fürchtet der Schauspieler Ulrich Mattes im Interview mit der "Zeit", dass er sich bei der Wiederaufnahme des Spielbetriebs nur "knirschend in Gang setzen werde wie eine verrostete Puppe".

"Die Welt geht unter", droht uns die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. "Wer im Home-Office sitzt, macht sich darüber keine Illusionen; man hat den Beweis gleich vor Augen: sich selbst", schildert uns Manuel Müller sein alltägliches Leiden in Corona-Zeiten. "Sich anzukleiden, dünkt einen unnütz. Und wieso duschen, wenn man noch im Pyjama steckt?"

Und "die Schlamperei" im Home-Office darf natürlich nicht weitergehen. "Darum trage man zu Hause Pumps und Kleid, Anzug und exzentrische Socken – auch wenn es in der eigenen Stube keiner sieht." Der Kulturpressebeschauer besitzt weder Pumps noch Kleid. Auf Anzug und exzentrische Socken kann er auch gerne verzichten.

Ab in die Wälder ohne Maske

"Ich gehe in die Wälder", gibt uns Jens Harzer einen wirklich guten Rat. "Da brauche ich keine Maske." Pumps und Kleid auch nicht. "Ich verdanke Corona jetzt vier, fünf innere Hamburg-Orte, die mir richtig guttun und die stimmen", erzählt der Schauspieler vom Thalia Theater im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT.

"Vor Corona musste ich nichts anschmeißen, mein Motor, der eh hoch dreht, ratterte aufgrund des dauernden Theaterbetriebs", erinnert sich Ulrich Matthes, sein Kollege vom Deutschen Theater in Berlin.

"Jetzt klockert der Motor. Ich habe Sorge, wie eine erste Vorstellung in dieser neuen Theaterwelt sein wird." Zwei altgediente Praktiker der Bretter, die einst die Welt bedeuteten, blicken auf das, was dort nach Corona folgen könnte.

Tschechows "Drei Schwestern" mit Masken

"Ich weiß jetzt schon, dass ich mich knirschend in Gang setzen werde wie eine verrostete Puppe, wenn es aufs nächste Projekt zugeht", meint Ulrich Matthes und sagt dann, wie er sich etwa eine Tschechow-Inszenierung nicht wünscht:

"Ich hoffe, dass wir nicht im Jahr 2022 eine Aufführung der Drei Schwestern sehen werden, in der Olga, Mascha und Irina Corona-Masken tragen – und damit dann auch noch zum Theatertreffen eingeladen werden."

Und was bedeutet Kunst in diesen Zeiten? "Kunst, wie beglückend und oder irritierend auch immer, so oder so belebend als sinnlich vermittelte Nachricht von Geist" – so lobt sie der Komponist Helmut Lachenmann.

"Ich selber begeistere mich für jede Art von Kunst, wo sie die fantasievolle Beherrschung eines Metiers meint, sei es im Alltag, bei der Arbeit oder in der Freizeit, Sport und Entertainment inbegriffen. Auch diese Künste werden gebraucht", sagt er im Interview mit der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG.

Wahrheit über Corona nicht erlaubt

Das wird nicht überall so gesehen. "Wer die Wahrheit über Corona sagt, riskiert Verfolgung und Haftstrafen", wirft der Berliner TAGESSPIEGEL einen Blick in andere Regionen der Welt: etwa nach Russland und Ägypten, in die Türkei oder nach China.

"Organisationen wie Amnesty, Reporter ohne Grenzen, Human Rights Watch und der PEN berichten seit Wochen über bedrohte Schriftsteller, Aktivisten, Künstler und Journalisten, Männer wie Frauen", schreibt Christiane Peitz. "Sie werden schikaniert, weil sie Corona-Informationen veröffentlichen, weil sie ihre Regierung wegen zu lascher Maßnahmen oder wegen des Missbrauchs von Freiheitseinschränkungen kritisieren."

Da wollen wir noch einen Mann hören, der mit seinen 83 Jahren auf ein reiches Künstlerleben zurückblicken kann. "Wenn dich die Angst hat, bist du erledigt. Das gilt immer, auch für das Leben in der Corona-Seuche." Das sagt im Gespräch mit CHRIST UND WELT der Liedermacher Wolf Biermann.

"Mir gefällt das Gemüt der Elefanten, die sich zum Sterben in die Wildnis verkriechen. Aber das ist auch nur ein Spruch, der im Menschenzoo nicht gelten kann."

Mehr zum Thema

Homeoffice und Kurzarbeit - Corona lehrt uns die Sehnsucht nach unserem Arbeitsplatz
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 14.05.2020)

Homeoffice in der Coronakrise - Durchbruch für mobiles Arbeiten?
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 01.05.2020)

Folge 25 - Zurück aus dem Netz: Theater unter Corona-Auflagen
(Deutschlandfunk Kultur, Der Theaterpodcast, 12.05.2020)

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur