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Kulturpresseschau | Beitrag vom 30.07.2020

Aus den FeuilletonsAngst vor dem Zuckerrausch

Von Tobias Wenzel

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Ausstellungsstücke in Form von Eistüten hängen im Museum of Ice Cream in New York (USA) an einer Wand. (picture alliance/dpa/Christina Horsten)
Eine Installation im New Yorker "Museum of Ice Cream". Die "NZZ" ist wenig begeistert. (picture alliance/dpa/Christina Horsten)

Das "Museum of Ice Cream" in New York sei "ein Hybrid aus Erlebnisort, Hashtag und Freizeitpark", schreibt die "Neue Zürcher Zeitung". Der Ort, der den meisten Menschen einen Zuckerrausch garantiert, wird zum Ort des Grauens.

"Das haut den stärksten Eskimo vom Schlitten", titelt DIE WELT. Die dänische Firma Hansens hat angekündigt, berichtet Matthias Heine, ihr Speiseeis mit dem Namen "Eskimo" umzubenennen. Denn wer politisch korrekt sein wolle, sage heutzutage "Inuit", so Heine. Allerdings seien nicht alle Volksgruppen, die man bisher Eskimos nannte, Inuit. Und einige von ihnen würden die Bezeichnung "Eskimo" gar nicht ablehnen, sondern sich sogar selbst so nennen. Alles recht kompliziert also.

Aber was hat das Wort "Eskimo" eigentlich ursprünglich mal bedeutet? "Rohfleischesser", hätten Linguisten und Wörterbuchmacher lange gedacht, so Heine. Und das klingt ja wirklich schon nach Beleidigung. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache halte die Bedeutung "Rohfleischesser" allerdings für widerlegt. "Eskimo" bedeute vielmehr "Schneeschuhknüpfer". Eine wunderschöne Bedeutung. Da möchte man sofort "Eskimo" genannt werden. "Doch für eine Rehabilitation des Wortes ist es möglicherweise zu spät", vermutet Matthias Heine in der WELT.

Das "Museum of Ice Cream" in New York

Das Eiscreme-Museum in New York wird ganz sicher nicht die Umbenennung des dänischen Eskimo-Eises thematisieren. Denn in diesem Museum gehe es nicht um die Geschichte des Speiseeises. Es sei vielmehr "ein Hybrid aus Erlebnisort, Hashtag und Freizeitpark", erklärt Sarah Pines. Sie hat sich diesen New Yorker Ort für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG angesehen.

Und man merkt ihren Worten an, dass sie ihn als Ort des Grauens empfunden hat: "Was aber ist das für ein Museum, in dem Menschen mit Eiswaffelhut in Badewannen mit künstlichem Sorbet baden und sich mit French Vanilla und Coconut-Swirl anreden? Der Ort ist innen und außen rosa", schreibt sie. "Wenn hier geschrien wird, dann klingt das so: 'I scream, you scream, we all scream for ice cream.'"

Karl May und seine Fans

In Deutschland haben viele nach Karl May geschrien und dem Autor geschrieben. Jetzt ist der Briefwechsel zwischen dem sächsischen Schriftsteller und einigen seiner Fans oder – wie er sie nannte - "Kindern" als Buch erschienen. Harald Eggebrecht rezensiert es für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und findet es spannend zu lesen, wie sich "Fans und ihr Idol" in diesem Fall "gefährlich nahe" gekommen seien.

Karl May habe sich zwar meistens durch die ihm entgegengebrachte Verehrung geschmeichelt gefühlt. Als May aber Opfer einer Medienkampagne geworden war, erzählt Eggebrecht, und damals, 1903, ein euphorischer weiblicher Fan, eine Frau mit einem schlimmen Rückenleiden, dem Schriftsteller ihre eigenen literarischen Versuche schickte, erfuhr sie durch das Antwortschreiben seinen gnadenlosen Zorn: "Ich werde angegriffen, verleumdet, von tausend willensstarken, erfahrenen Gegnern und der ganzen, fürchterlichen Macht der Presse bekämpft. Ich stehe still und ruhig mitten in dem Kampfe, mir selbst genug", zitiert der Rezensent aus Karl Mays Brief. "Da plötzlich will ein schwaches, dünnes Kinderstimmchen, welches ganz verkehrte Wörter lallt, sich mein erbarmen, und warum? Wozu? Das Kind will von sich sprechen machen! Weiter nichts! Es will mit 'Onkel Karl' dicke thun! Weiter nichts!"

Der "SysAdminDay"

Ein Systemadministrator hätte der jungen Frau sicher freundlicher geantwortet, denn Systemadministratoren haben kaum Fans. Das soll der "SysAdminDay" ändern. Der wird an jedem letzten Freitag im Juli, also auch an diesem Freitag, gefeiert. Daran erinnert Thomas Herrig in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG: "Mittlerweile hat der 'SysAdminDay' internationalen Anklang gefunden, im russischen Jekaterinburg etwa werden jährlich Feierlichkeiten mit traditionellem 'Maus-Weitwerfen' am von dem Künstler Anatoly Vyatkin geschaffenen 'Keyboard Monument' begangen – eine riesige, steinerne Computertastatur am Rand eines Hügels."

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