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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 06.01.2020

Aus den FeuilletonsAngekündigter Zivilisationsbruch

Von Tobias Wenzel

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Das Bild zeigt die Ruinen der altpersischen Stadt Persepolis. (picture alliance / Rolf Zimmermann)
Ein Angriff auf die Ruinen von Persepolis z.B. stelle einen "Zivilisationsbruch" dar, schreibt Peter von Becker im Tagesspiegel. (picture alliance / Rolf Zimmermann)

Trumps Drohung, iranische Kulturstätten zu bombardieren, stellt ein Novum dar, das die USA endgültig aus der westlichen Wertegemeinschaft lösen könnte, schreibt die „FAZ“. Und die "Welt" mahnt: "Irans Kultur gehört uns allen."

"Bombenziel Kultur. Auf dem Weg zu den Vereinigten Schurkenstaaten", titelt Andreas Platthaus in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG. Donald Trump hat für den Fall, dass Iran US-Bürger oder US-amerikanisches Eigentum angreift, angekündigt, die USA würden dann 52 Ziele beschießen, von denen "einige sehr bedeutend und wichtig für Iran und die iranische Kultur" seien. 

"Es ist das erste Mal, dass ein amerikanischer Befehlshaber im Vorhinein die Zerstörung von kulturellen Objekten als Ziel ausgibt, wie auch immer man bei einem Mann wie Trump dessen Gebrauch des Wortes 'Kultur' zu deuten hat", schreibt Platthaus.

"Mit der Ankündigung von Militärschlägen gegen die Kultur eines Landes ist die westliche Wertegemeinschaft endgültig aufgekündigt. Von den terroristischen Feinden seines Landes trennt den Präsidenten moralisch nichts mehr. Als 'Schurkenstaaten' wurden sie nach dem 11. September 2001 bezeichnet. Trump macht die Vereinigten Staaten nun selbst dazu."

"Irans Kultur gehört uns allen"

"Irans Kultur gehört uns allen", schreibt Richard Kämmerlings in der WELT. "Denn das Weltkulturerbe gehört der ganzen Menschheit."

Peter von Becker erläutert im TAGESSPIEGEL, Angriffe auf solche Kulturstätten seien von der Genfer Konvention geächtet: "Sie sind Kriegsverbrechen." Zugleich würde zum Beispiel der Angriff auf die Ruinen von Persepolis einen "Zivilisationsbruch" bedeuten, den Stolz der Iraner verletzen und kontraproduktiv sein:

"Jeder Angriff hier würde auch die im Moment nicht sichtbare Opposition gegen das seinerseits oft genug barbarische Mullah-Regime in dessen Arme treiben." Der Titel des Artikels: "Barbarische Drohung".

Wann ist verbaler Hass im Netz strafbar

"Wann ist eine Drohung konkret genug für die Justiz?" Wolfgang Janisch fragt das in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG mit Blick auf die Strafverfolgung von verbalem Hass im Netz. Zwar habe die Bundesjustizministerin Christine Lambrecht einen Gesetzentwurf vorgelegt, der auch die Androhung von Straftaten gegen "die körperliche Unversehrtheit" unter Strafe stelle. Aber das Problem, die Konkretheit der Drohung richtig einzuschätzen, bleibe selbst dann bestehen.

"Ein Post nach dem Motto 'Ich bring dich um, ich schlag dich tot' ist für die Ahndung eindeutig. Anders die durchaus bedrohlich klingende, aber diffuse und juristisch kaum fassbare Andeutung 'Ich weiß, wo du wohnst': Dass damit ein Mord oder auch nur Prügel angedroht werden, kann man nicht einfach unterstellen", schreibt Janisch.

"Und was gilt, wenn der Absender ein Foto vom Klingelschild des Betroffenen mitschickt? Das ist eine hochgradige Verunsicherung, aber ist es auch eine strafbare Drohung?" Der Aufhänger für Janischs Artikel ist auch das WDR-Kinderchorlied  – Stichwort "Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau" –, auf das im Netz mit viel Hass und auch Drohungen gegen WDR-Mitarbeiter reagiert wurde und für das sich der Intendant des Senders, Tom Buhrow, entschuldigte.

Meine Oma, deine Oma

"Meine Oma ist viel cooler als Tom Buhrow", schreibt Jürn Kruse in der TAZ und meint, genauer gesagt, nicht seine eigene Oma, sondern die Oma seiner Kinder, nämlich seine Mutter. Kruse gibt seinen Dialog mit ihr so wieder:

"Frage meiner Mutter: 'Was für eine Umweltsau-Diskussion?'
Ich fasse den Inhalt kurz zusammen. 'Ja, stimmt doch alles', sagt sie.
'Ob das inhaltlich stimmt oder nicht, ist gar nicht das Thema', sage ich, 'es geht darum, dass der Intendant sich für das Lied entschuldigt hat.'
'Bei wem?'
'Na ja, den Omas. Und wohl auch den Opas.'
'Und warum?'
'Weil er wohl denkt, dass das Lied die Gefühle von Omas und Opas verletzt. Oder so.'
Reaktion meiner Mutter: Hahahahaha."

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