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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 11.11.2018

Aus den FeuilletonsAmerika ist nicht so schlecht wie wir denken

Von Adelheid Wedel

Das Bild zeigt den US-Schriftsteller Richard Ford mit erhobener rechter Hand. (imago/ZUMA Press)
Der US-Schriftsteller Richard Ford. (imago/ZUMA Press)

Die Feuilletons beschäftigen sich mit den Zwischenwahlen in den USA. Der Schriftsteller Richard Ford zieht in der FAZ erst über sein Amerika her, um sich dann leicht hoffnungsvoll zu geben.

"Was aus den Zwischenwahlen in Amerika zu lernen ist" – wer wüsste es nicht gern? Wenn sich nun, wie in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG, der Schriftsteller Richard Ford als Erklärer anbietet? Bestens. Verständnisvoll geht er auf uns Europäer ein, indem er darauf verweist, "das gegenwärtige Amerika ist nicht so leicht zu deuten".

"Amerikanische Demokratie ist von Natur aus schwerfällig"

Er schreibt von seiner Furcht vor der Wahl, "ob Amerika den ohnehin dunklen Kräften in seiner DNA erliegen wird", die aber, wie er glaubt, "aufgewogen werden durch die besseren Engel Toleranz, Anstand, Mäßigung, Kompromissbereitschaft, einer zumindest jüngeren Geschichte von Inklusion und dem lange Zeit respektierten, von der Verfassung sanktionierten Bestreben, auf fruchtbare Weise mit der Welt zusammenzuarbeiten."

Ford stellte sich sogar die Frage, "würde es nun Zeit sein, die Koffer zu packen und Amerika anderen zu überlassen?" Inzwischen haben die Wahlen stattgefunden und der amerikanische Schriftsteller zieht Bilanz.

"Was wir aufs Neue gelernt haben, ist, dass die amerikanische Demokratie von Natur aus langsam und schwerfällig ist, ein wenig heruntergekommen, reaktiv, aber nicht völlig versteinert, zeitweilig nuanciert, äußerst kurzsichtig, aber nicht völlig blind, geradezu geschichtsfeindlich, schwerhörig, aber nicht völlig taub gegenüber den Bürgern und natürlich geldversessen."

Die USA erleben einen staatlichen Niedergang

Allerdings, gegen pauschale Verurteilungen schreibt er an, denn die amerikanische Demokratie sei "nicht ganz so schlecht oder so orientierungslos, wie das Leute behaupten mögen, die gern als Bescheidwisser auftreten."

Ford weiß: Zweifellos erlebe Amerika einen staatlichen Niedergang, der auch die mutmaßliche Rolle Amerikas als Hoffnung für den Rest der Welt betrifft. Aber jetzt schöpft er Hoffnung: "Eine Mehrheit der Amerikaner fängt an, genauer hinzusehen, so schwer wir uns damit auch tun."

OSZE: Vertrauen in korrekten Wahlablauf beschädigt 

Constanze Kurz ergänzt, ebenfalls in der FAZ, "welche technischen Probleme die Midterm-Wahlen in den USA offenbarten."

Experten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa beobachteten offiziell den Ablauf der parlamentarischen Wahlen und kamen zu dem Fazit, "dass die Menge an Unsicherheiten bei elektronischer Abstimmung, kombiniert mit medialer Cyberpanik, das Vertrauen in die Korrektheit des Wahlablaufs schwer beschädigt hat."

Gibt es Meinungsfreiheit in Israel?

"Meinungsfreiheit? In Israel soll Kulturförderung an die Loyalität zum Staat gebunden werden", titelt der TAGESSPIEGEL. Lissy Kaufmann informiert über einen Gesetzentwurf zur Kulturförderung, der auf Protest stößt. "Sie haben Angst vor dem geschriebenen Wort, dem Bild, der visuellen oder materiellen Kunst, der Macht der Kunst, die zum Denken anregt", schrieb der Rektor der Bezalel Akademie für Kunst und Design in der Tageszeitung Haaretz.

Kulturministerin Miri Regev "hat den Entwurf auf den Weg gebracht, der die Förderung von Kultureinrichtungen an deren Loyalität gegenüber dem Staat knüpfen will."

Die Reaktionen dagegen sind in Israel heftig. "Es gibt keine Kultur, wenn sie von der Regierung kontrolliert wird. Statt Kultur werden wir Propaganda bekommen", befürchtet Oppositionsführerin Tzipi Livni. In der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG lesen wir zum Thema: "Die Kulturministerin will dankbare Künstler." Ob sie zu den protestierenden Künstlern zählt, vermerkt die Tageszeitung TAZ nicht.

ESC-Gewinnerin ist dankbar für Mobbing

Netta Barzilai gewann den 63. Eurovision Song Contest. Im Interview mit Jan Feddersen spricht sie über schwere Jahre, in denen sie gemobbt wurde. Inzwischen sagt sie: "Endlich an mich zu glauben, war das Schwierigste für mich überhaupt. Ich danke den Leuten, die mich mobbten, wirklich. Ihr hässliches Benehmen gegen mich machte mich am Ende stärker."

Netta Barzilai kommt jetzt nach Deutschland und freut sich auch auf den nächsten ESC in Tel Aviv. "Das wird die größte Show, die die Welt je gesehen hat", schwärmt sie und: "Die Menschen wissen ja gar nicht, wie toll Israel ist. Sie werden es im Mai herausfinden können."

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