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Kulturpresseschau | Beitrag vom 17.09.2019

Aus den FeuilletonsAllein zu Hause mit Google

Von Gregor Sander

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Eine Frau bedient an einem Tablet mit Touchscreen ein Smart Home Control System. Auf dem Bildschirm sind Piktogramme zu sehen, die für die einzelnen Bereiche des Hauses stehen, die man kontrollieren kann: Licht, Temperatur, Wasser, Überwachungskameras und Schließmechanismen. (Andrey Popov / Panthermedia / imago-images)
Selbst abschließen war gestern - Eine neue Smart Home Technologie erledigt das. (Andrey Popov / Panthermedia / imago-images)

Die "NZZ" beklagt eine neue Smart-Home-Technologie von Google. Diese schließe automatisch die Türen ab, sobald sie merke, dass eine Person allein zu Hause sei. Warum wir uns so gerne in die Technologie-Abhängigkeit begeben, wird aber nicht geklärt.

"Sorry, beantworte ich noch Ihre Frage?", fragt Brad Pitt den Journalisten Tobias Kniebe in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, obwohl der ja eigentlich das Interview führt. "Ja sicher", antwortet Kniebe generös, was wiederum den Hollywoodstar beruhigt. "Sehen Sie, dieser Film ist so dicht für mich. Da drifte ich manchmal sonst wohin."

Blasse Versatzstücke von Kapitalismuskritik

Dieser Film trägt den Titel "Ad Astra - Zu den Sternen". Ein Science-Fiction vom Regisseur James Gray, der gerade auf den Filmfestspielen in Venedig Weltpremiere feierte und nun bei uns in die Kinos kommt. Philipp Stadelmaier umschreibt die Handlung in der Kritik unter dem Interview so:

"Die Zukunft ist weder dystopisch noch besonders strahlend, sondern eine Zeit, in der die Menschen begonnen haben, ernsthaft Raumfahrt zu betreiben und den Weltraum zu kolonisieren - aus rationalen, wirtschaftlichen Motiven. Raketenflüge wie der, mit dem McBride zunächst zum Mond gelangt, sind mittlerweile Routine."

Dieser McBride, gespielt von Brad Pitt, ist aber auch noch auf der Suche nach seinem Vater, der vor Jahrzehnten Richtung Jupiter aufbrach und nie mehr gesehen ward. Und so erinnert das alles irgendwie an den guten alten Western, oder wie es Brad Pitt ausdrückt: "Es hat mit der Frage zu tun, was es eigentlich heißt, ein Mann zu sein."

Laut Dietmar Dath von der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG funktioniert das aber alles nicht so richtig:

"Für Actionraserei zu langatmig, für den gewollten Tiefsinn zu flach in der Charakterisierung - die Ausrede dafür, dass Pitt am Anfang ein Roboter ist und am Ende ein sentimentales nasses Handtuch, dürfte, sollte jemand das beim Regisseur monieren, wohl die sein, dass hier eine Gesellschaft kritisiert werden sollte, in der es Menschen gibt, die Roboter sind oder nasse Handtücher. Aber von dieser Gesellschaft sieht man kaum was außer blassen Versatzstücken von, na ja, Kapitalismuskritik."

Begeisterte Abhängigkeit gegenüber Datenmonstern

In der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG wird mal wieder ein alter Klassiker gesungen, wenn es heißt: "Wir sind Gefangene unserer Daten."

Das stellt dieses Mal Adrian Lobe fest, um dann diese schauerlich irren, realen Gegenwartsbeschreibungen aneinanderzureihen, wie: "Google hat eine Smart-Home-Technologie patentiert, die die Bewohner auf der Grundlage ihrer Stimme oder ihres Gesichts erkennt. Wenn das System merkt, dass eine Person allein zu Hause ist, riegelt es automatisch die Türen ab."

Aber warum sich die Menschheit derart begeistert in diese so leicht manipulierbare Abhängigkeit der Datenmonster Google, Facebook und Co begibt, wird auch in der NZZ nicht geklärt.

Ein Ehepaar kauft sich einen Zeitungsverlag

Christian Meier fragt in der Tageszeitung DIE WELT hingegen verwundert: "Wer kauft sich heute noch eine Tageszeitung?"

Verkauft werden die "Berliner Zeitung", der "Berliner Kurier" und das "Berliner Abendblatt" und die Käufer sind in der Welt der Medien bisher unbekannt. Alexander Nabert von der TAZ weiß so viel:

"Silke Friedrich leitet eine internationale Privatschule in Berlin mit über 1.000 Schülern. Gemeinsam mit einem Loveparade-Gründungsmitglied hatte sie zudem das 'ewerk' zu einem Veranstaltungsort gemacht. Ihr Mann Holger Friedrich gründete 2009 einen Tech Think Tank. Zuvor war er unter anderem Vorstand der Software AG und Partner bei McKinsey."

Das Ehepaar begründet diesen überraschenden Coup mit zivilgesellschaftlichem Engagement in bewegten Zeiten.

Dass der Besitz von Medien aber eben auch Macht bedeutet, davon erzählt die Fernsehserie "The Loudest Voice", auf Sky. Sie portraitiert Roger Ailes, den Senderchef von Fox-News, jenem amerikanischen Sender, der mit seiner nationalistischen und rassistischen Berichterstattung unter anderem Donald Trump ins Präsidentenamt geleitete. Gespielt wird der von Russell Crowe, was für Jürgen Schmieder von der SZ problematisch ist:

"All die Frauen, die Ailes benutzt, demütigt oder rauswirft, bleiben Nebenfigürchen, ihr Leid nur angedeutet. Es geht immer nur um den Täter, niemals um die Opfer." Manchmal sind Realität und Fiktion eben kaum zu unterscheiden, oder wie die SZ fragt:

"Ist Russell Crowe als Fox-News-Chef zu gut?"

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