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Kulturpresseschau | Beitrag vom 15.05.2020

Aus den Feuilletons40 Jahre "Löwenzahn"

Von Tobias Wenzel

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Peter Lustig vor seinem blauen Bauwagen in der Sendung "Löwenzahn". (imago images/United Archives)
Peter Lustig vor seinem blauen Bauwagen: So haben viele Kindergenerationen "Löwenzahn" in Erinnerung. (imago images/United Archives)

Die "Süddeutsche Zeitung" gratuliert der Sendung "Löwenzahn" zum 40. Natürlich nicht, ohne an den leider schon verstorbenen Peter Lustig zu erinnern, der die Sendung bis heute prägt.

"Da versammeln sich HNO-Ärzte, Vegan-Köche und Showpromis und vertreten ihre jeweils ganz eigene Verschwörungstheorie, der linke und der rechte Rand schlagen gegen den verhassten Staat los", schreibt Michael Hanfeld in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG mit Blick auf die sogenannten "Hygiene-Demos" gegen die Corona-Maßnahmen.

Gleichzeitig beruhigt er, indem er folgendes Ergebnis aus dem ARD-Deutschlandtrend zitiert, ermittelt vom Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap: 56 Prozent der Befragten seien dafür, die jetzigen Maßnahmen beizubehalten, vierzig Prozent wollten weitere Lockerungen. Hanfeld erwähnt allerdings auch, dass 63 Prozent der FDP- und 61 Prozent der AfD-Anhänger weitere Lockerungen fordern, und schreibt: "Den Freien Demokraten sollte sehr daran gelegen sein, ihre Auffassung von Liberalität gegen die antibürgerliche und antidemokratische Grundhaltung, für welche die AfD steht, abzudichten, nicht nur im Fall des Demomitläufers Thomas Kemmerich."

Satire in der Krise

Während Hanfeld mahnt, reagiert Hans Zippert in der WELT mit Satire: "Ein noch viel besseres Beispiel ist das gefühlte FDP-Mitglied Boris Palmer, das zurzeit an einem Verfahren arbeitet, mit dem man sicher ermitteln kann, bei wem sich das Weiterleben lohnt", schreibt Zippert und hat einen Tipp für die FDP: "Christian Lindner sollte sich nun schnellstens um weitere kluge Köpfe wie Xavier Naidoo, Eva Herman, Sido oder Attila Hildmann bemühen, die unbedingt in die FDP gehören; sie wissen es nur noch nicht."

Hildmann ist übrigens der Vegan-Koch, auf den Michael Hanfeld in der FAZ anspielt, ein Vegan-Koch, der mit kruden Verschwörungstheorien und wüsten Beschimpfungen aufgefallen ist.

Grapic Novel zu sexuellem Missbrauch

Dabei braucht die Welt in dieser Krisenzeit wohl gerade das Gegenteil: nämlich kühle Köpfe und mehr Rationalität. Und was transportiert der TAGESSPIEGEL? Angebliche Erkenntnis durch Tarot-Karten. Die Zeitung druckt nämlich ein Interview mit der kanadischen Comic-Zeichnerin Nina Bunjevac über ihre neue Graphic Novel ab.

Darin hat sie ihre eigenen Erfahrungen von sexuellem Missbrauch verarbeitet, und zwar aus der Perspektive des Täters. Die Zeitung hat die fein schraffierte Zeichnung einer Frau und einer ins Bild ragenden männlichen Hand mit einem Messer abgedruckt, die tatsächlich neugierig auf diese Graphic Novel macht.

Erkenntnisse durch Tarot-Karten

Was Nina Bunjevac aber im Interview so alles von sich gibt, hätte beim Philosophen Karl Popper, dem Vater des Kritischen Rationalismus, vermutlich starke Übelkeit ausgelöst: "Ich las und lernte, dass Tarot wie Alchemie ist. Es geht nicht um Magie, sondern um die Repräsentation unseres Unterbewusstseins", sagt die Comic-Künstlerin.

"Ich versuche, das Okkulte loszulösen von schwarzer, zeremonieller Magie, es zu befreien und dahin zu führen, wo es für mich hingehört: in die Philosophie." Das hat die Philosophie dann wirklich nicht verdient. Da möchte man sie verteidigen. Nicht mit dem Messer, aber mit messerscharfem Verstand.

40. Jubiläum von "Löwenzahn"

Oder auch mit dem leider schon gestorbenen Peter Lustig. Die Sendung "Löwenzahn" wird vierzig. Und Holger Gertz gratuliert in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Heute werde man in einer Fernsehsendung schon auf die Folgende verwiesen, damit man dranbleibe.

"Damals aber trat im ZDF ein Mann namens Lustig auf, Peter Lustig, der die Einschaltquoten drückte, in dem er am Ende seiner Sendung den Zuschauern ins Gesicht schaute und sagte: 'Nun lasst mich in Ruhe essen und schaltet schon mal ab. Heute kommt sowieso nichts mehr.' Das war definitiv keine Werbung fürs Restprogramm, dem dieser Herr Lustig offenbar nicht traute."

Gertz verweist auf das Angebot des ZDF zum runden "Löwenzahn"-Geburtstag: "Am Sonntag werden Klassiker tatsächlich ab 4:05 Uhr wiederholt, leider nicht jene Episode, in der Lustig eine 'Bleib-wach-Maschine' erfunden hat, die man ja noch immer brauchten könnte, so früh am Tag." 

Mehr zum Thema

Ehrung für den Fernsehonkel
(Deutschlandfunk Kultur, Thema, 24.1.2006)

"Löwenzahn"-Moderator - Peter Lustig ist tot
(Deutschlandfunk Kultur, Aktuell, 24.2.2016)

Forscher zum Umgang mit "Hygiene-Demos" - Nicht ignorieren, nicht überschätzen
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 11.5.2020)

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