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Kulturpresseschau | Beitrag vom 21.05.2019

Aus den FeuiletonsDreiecksgeschichte mit Roboter

Von Gregor Sander

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Weiblicher Roboter mit dem Spiegelbild einer Frau. (imago stock&people)
Menage a trois mit Roboter: Das gibt es in Ian McEwans neuem Roman "Maschinen wie ich". (imago stock&people)

Was passiert, wenn ein Haushaltsroboter Gedichte schreibt und sich in die Freundin des Hausherrn verliebt? Das zeigt der Schriftsteller Ian McEwan in seinem neuen Roman, der das Jahr 1982 neu erfindet – und die Beziehung zwischen Mensch und Maschine.

"Natürlich kann Ibiza nichts dafür, dass das Strache-Video ausgerechnet dort aufgenommen wurde", stellt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG erschüttert fest.

Und während man noch darüber nachdenkt, ob Verdun denn etwas für den I. Weltkrieg konnte oder Fukushima etwas für die nukleare Katastrophe, setzen die Münchner zur Ehrenrettung der weißen Insel an. Mit zwei Experten, die es laut SZ wissen müssen:

"An dieser Stelle beantworten der Gastronom Michi Kern, der mit der 'Pacha'-Filiale ein Stück Ibiza nach München brachte, und der DJ Gerd Janson die Frage, was das überhaupt für ein Ort ist."

"Selbst das Trinken ist hier anders als an vielen Orten, zu denen man zum Trinken reist", stellt dann der Clubbesitzer fest und fährt fort:

"Rosé auf Eis geht gut, Rosé-Champagner, überhaupt alles was leicht ist und in großen Mengen getrunken werden kann. Denn man braucht viel Flüssigkeit auf dieser Insel. Es ist heiß."

Ernsthaft? Da wäre man vielleicht auch selbst drauf gekommen und was sagt der DJ?

"Heute läuft in den meisten großen Läden auf Ibiza Electronic Dance Music und aufgepumpter, stumpfer Tech-House, musikalische Stalinorgeln", so Janson und fährt fort:

"Insgesamt muss man leider sagen, dass das im Strache-Video gezeichnete Bild von mittelalten Herren in komischen T-Shirts, mit Wodkapullen auf Glastischen und jungen Frauen in High-Heels einen nicht geringen Teil des Partylebens ausmacht."

Das ist natürlich tragisch, aber Ibiza als Insel kann ja zum Glück auch nichts dafür.

Menschenähnliche Roboter mit Ölgeruch

Wer am Strand lieber ein Buch liest, als sich musikalischen Stalinorgeln auszusetzen und dabei Rosé mit Eis zu trinken, dem legen die Feuilletons den neuen Roman von Ian McEwan unter die Lesebrille. "Maschinen wie ich" heißt er und in ihm gibt es intelligente Autos und selbstlernende Androiden, "die sich äußerlich vom Menschen lediglich durch ein hauchfeines Odeur von Maschinenöl und etwas unbestimmt Irritierendes im Blick unterscheiden; aus ihren sicheren, geschmeidigen Bewegungen ist alles herausgebügelt, was heute noch den Roboter verrät", erklärt Angela Schader in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG.

Reise in die Vergangenheit

Ian McEwan selbst behauptet im Interview mit der SZ: "Science-Fiction interessiert mich nicht." Vermutlich deshalb spielt sein Roman eben auch nicht in der Zukunft, sondern 1982 und somit zwei Jahre vor Orwells ausgedachtem 1984. Wobei es nicht unbedingt das 1982 ist, das die meisten von uns in Erinnerung haben, wie Gregor Dotzauer im Berliner TAGESSPIEGEL erklärt:

"Die Briten haben den Falklandkrieg verloren, die Beatles haben sich wiedervereinigt."

Ach ja, auch Maggie Thatcher wurde abgewählt und der Brexit schon mal eingeleitet. Trotz all der umgewandelten Historie und dem heißen Thema "Künstliche Intelligenz" interessiert McEwan am Roboter etwas ganz Altmodisches, wie im SZ-Interview nachzulesen ist:

"Wie wäre es, so eine Kreatur im Haus zu haben, die sich in deine Freundin verliebt – was dann auch passiert. Und wie fühlt sich das an, wenn diese Kreatur anfängt, Gedichte zu schreiben und total lebendig und bewusst zu wirken?"

Die gute alte Dreiecksgeschichte also, nur eben mit R2D2 in der Mitte.

Abkürzungen ohne Regel

Doch Vorsicht bei Abkürzungen:

"AKK, asap, lol und ÖPNV: Die Kultur der Kürzel und die Ökonomisierung der Alltagssprache sind Ausdruck eines verschärften Wettbewerbs des Menschen mit den Maschinen", behauptet Caroline Fletscher im TAGESSPIEGEL. Wer nun hofft mehr über diesen verschärften Wettbewerb zu erfahren, liest leider nur sehr viel darüber, dass früher alles anders war:

"Neuerdings wird der lange Name einer Politikerin geballt zu AKK. Die frühere FDP–Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger dagegen, deren Name noch mehr Silben aufweist, wurde nie zu SLS verkürzt."

Tretroller nur für Geh-Faule

Auch Uli Hannemann von der TAZ mag nicht mit der Zeit gehen und schon gar nicht mit dem elektrischen Tretroller fahren:

"Wer zu faul zum Gehen, zu hip zum Radfahren und zu dumm für den Scooter ist, versucht es nun mit dem gepimpten Kleinkinderfortbewegungsmittel."

Ach, so schlimm ist es doch auch wieder nicht, möchte man ihm zurufen. Vielleicht würde einfach ein Glas Rosé mit Eis helfen.

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