Aufzeichnungen aus dem Tal der Könige

Die Totenmaske des Tutanchamun aus dem Tal der Könige - wo Ryan forschte. © AP
16.08.2011
Ein Buch für Ägypten-Fans: Donald P. Ryan beschreibt in "Im Bann der Pharaonen" den Archäologenalltag. Der promovierte Archäologe und Ägyptologe gibt dabei geschickt eine Einführung in die Ausgrabungsgeschichte Ägyptens.
Archäologie gilt als eine ebenso geheimnis- wie reizvolle Wissenschaft. Wer träumt nicht davon, Pharaonengräber oder griechische Tempel freizulegen oder im Urwald auf längst vergessene Kulturen zu stoßen? Doch die Realität sieht oft anders aus: Systematisch werden Zivilisationsreste gesammelt und katalogisiert, ein mühsames Puzzlespiel mit Knochen, Stein-, Holz oder Keramikstücken.

Donald P. Ryan ist promovierter Archäologe und Ägyptologe und hat die Mühen seiner Zunft nie gescheut. Er hat im ägyptischen Tal der Könige gegraben und mit der norwegischen Archäologie- und Forscherlegende Thor Heyerdahl gearbeitet. Nun hat er seine Erlebnisse aufgeschrieben und geschickt mit einer Einführung in die Ausgrabungsgeschichte Ägyptens verknüpft. Herausgekommen ist ein Buch, das ebenso fundiert wie erfrischend mit einem gutem Schuss Humor über den Archäologenalltag informiert.

Ryan erzählt weitgehend chronologisch. Seine Faszination für die Archäologie beginnt früh. Er berichtet wie er als Kind im Hof seiner Eltern Rinderknochen ausgräbt, die er dann mit einem Bericht seiner Grabung an das Naturhistorische Museum in Los Angeles schickt – und daraufhin vom Direktor des Museums zu einer Privatführung eingeladen wird. Im Studium trifft er am ersten Tag einen Professor, der ihn einlädt, an einem Projekt in Ägypten teilzunehmen. So kommt Ryan 1981 erstmals nach Kairo. Doch statt zu den Pyramiden geht es in die Wüste: Oberflächenfunde aufsammeln – Zivilisationsreste aus 6.000 Jahren, fünf Tage die Woche, jeden Tag von 5 bis 13 Uhr. Nachmittags werden die Funde sortiert, und nur an den Wochenenden bleibt Zeit für Ausflüge zu den Pyramiden und Königsgräbern.

Ryan beschreibt, wie er schwitzt und schuftet, erzählt, dass ihn als Bergsteiger die Seile der Ägypter begeistern und er erzählt ebenso detailliert wie selbstironisch, wie er gemeinsam mit einem Biologen herauszufinden versucht, aus welchen Materialien sie geknüpft wurden. Er berichtet von den Mühen, Gelder für die Forschung oft von Privatleuten loszueisen und den spektakulären Funden seiner Vorgänger: Von Giovanni Battista Belzoni, der 1778 in Padua geboren wurde, zunächst auf Jahrmärkten als kraftstrotzender Hüne auftrat und dann zum Forschungsreisenden und Entdecker wurde. Auf Belzonis Spuren trifft Ryan immer wieder im Tal der Könige, auch beim Grab KV 60, in dem Ryan 1990 eine weibliche Mumie findet, die dort in der Pose einer königlichen Frau liegt. 2007 stellt sich dann heraus, dass es sich wirklich um den weiblichen Pharao Hatschepsut handelte, der von etwa 1479 bis 1458 v. Chr. regierte. Ein einzelner gefundener Zahn machte die Identifizierung möglich – und beweist, dass sich genaues Arbeiten lohnt.

Ryan liebt seinen Beruf. Er ist ein guter Erzähler, leider kein so guter Fotograf – die 25 Fotos des Autors und seines Teams sind sowohl technisch als auch inhaltlich eher von mäßiger Qualität – seine Begeisterung ist ansteckend, und er ist sich sicher: Im Tal der Könige wartet noch viel Arbeit und manche Überraschung auf zukünftige Archäologen.

Besprochen von Günther Wessel

Donald P. Ryan: Im Bann der Pharaonen. Die Abenteuer eines außergewöhnlichen Archäologen
Aus dem Englischen von Karin Schuler
Theiss Verlag, Stuttgart 2011
272 Seiten, 22,95 Euro