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Konzert / Archiv | Beitrag vom 21.03.2020

Aufzeichnung der Metropolitan Opera"La Cenerentola" von Gioachino Rossini

Moderation: Elisabeth Hahn

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Aschenputtel hält sich eine Maske vor das Gesicht und steht neben zwei neidischen, herausgeputzten Frauen mit großen Hüten. (Metropolitan Opera / Ken Howard)
Angelina (Joyce DiDonato) genießt ihren glanzvollen Auftritt vor ihren Schwestern Clorinda (Rachelle Durkin) und Tisbe (Patricia Risley). (Metropolitan Opera / Ken Howard)

"La Cenerentola" ist ein Meisterwerk der Opera buffa. Gioachino Rossini zog alle Register, um in eine zauberhafte Märchenwelt einzutauchen. Weil auch die MET geschlossen ist, präsentieren wir eine Aufnahme mit Joyce DiDonato und Juan Diego Flórez.

Die Opernfans müssen nicht ohne Musik und Oper sein, auch wenn die MET in New York gerade ihre Bühne geschlossen hat. Deutschlandfunk Kultur präsentiert mit exklusiver Genehmigung des Hauses ein musikalisches Bühnen-Highlight.

In dieser Spielzeit singt  die weltweit gefeierte irische Mezzosopranistin Tara Erraught die Hauptrolle Angelina in Rossinis Aschenputtel-Oper "La Cenerentola". Doch diese Aufführungen sind für diese Spielzeit von der MET leider alle abgesagt.

Als Magd sitzt Angelina, das Aschenputtel, einsam auf einer Bühne und hält Spielkarten in der Hand und träumt. (Metropolitan Opera / Ken Howard)Am Anfang kann Angelina (Joyce DiDonato) von Glanz und Würde nur träumen. (Metropolitan Opera / Ken Howard)

Stattdessen können sie heute eine Archivaufnahme aus New York mit Joyce DiDonato in der Hauptpartie hören. Im Mai 2014 hatte sie mit dieser Rolle ihr MET-Debüt gegeben. An ihrer Seite waren als Don Ramiro abwechselnd die beiden Tenöre Javier Camarena und Juan Diego Flórez.

Viel zu virtuos

Für Jahrzehnte galt das Werk als nicht aufführbar, weil es keine Sängerinnen und Sänger gab, die den halsbrecherischen Koloraturen des Aschenputtels und des Prinzen gewachsen waren. Sie gehören zu den anspruchsvollsten Partien in Rossinis Schaffen überhaupt.

Zeitgenössisches Porträt des Komponisten aus dem Civico Museo Bibliografico Musicale. (imago images / Leemage)Gioachino Rossini fühlte sich vor allem in Paris wohl, wo er immer wieder lebte und einen großen Bewunderer- und Freundeskreis hatte. (imago images / Leemage)

Das Libretto basiert auf dem Märchen "Cendrillon" von Charles Perrault von 1697. Die bekannte Geschichte vom Aschenputtel, das von der Stiefmutter verstoßen und von der guten Fee begleitet wird, ist einigen Veränderungen unterzogen worden: Alle magischen und fantastischen Elemente hat der Librettist Jacopo Ferretti gestrichen.

Eine Stiefmutter sucht man in dieser Geschichte vergeblich. Der Hauslehrer des Prinzen übernimmt die Aufgabe der guten Fee. Außerdem verliert Cenerentola nicht ihren Schuh, sie übergibt dem Prinzen einen Armreif, der ihrem gleicht und somit zur Wiedererkennung führt.

Kreative Teestunde

Den Auftrag zu dieser Oper erhielt Rossini für die römische Eröffnung der Karnevalssaison im Jahr 1817. Am 23. Dezember 1816 traf sich der Komponist mit dem Librettisten Ferretti zum Tee. Der schlug dem Komponisten und dem zahlenden Impresario einen Opernstoff nach dem anderen vor. Ohne Erfolg - bis er auf den Cendrillon-Stoff zu sprechen kam.

Der ältliche Vater zwischen seinen Töchtern, die seinen Plänen gern zuhören. (Metropolitan Opera / Ken Howard)Don Magnifico (Alessandro Corbelli) sieht seine Töchter Clorinda (Rachelle Durkin) und Tisbe (Patricia Risley) schon am Hofe des Prinzen. (Metropolitan Opera / Ken Howard)

Rossini willigte sofort ein. Schon am nächsten Morgen lieferte der Librettist einen ersten Entwurf – so erinnert sich Ferretti 20 Jahre später. In weniger als vier Wochen brachte Rossini die Oper zu Papier.

Im Karneval darf man alles

"La Cenerentola" ist ein "Dramma giocoso" und gehört so zur Gattung der Opera buffa. Aber es ist auch keine reine Charakterkomödie. Cenerentola ist nicht einfältig. Auch wenn Rossinis Oper mit vielen komischen Elementen gespickt ist, so findet man ebenso tragische Momente wie ironische Schlaglichter auf die gesellschaftlichen Verhältnisse im frühen 19. Jahrhunderts.

Da ist der Rollentausch zwischen Herr und Diener, der sich in dieser Oper als Motiv durchzieht. Das unterdrückte Aschenputtel, das sich über die Ungerechtigkeit erhebt und zur Königin wird. Ebenso gibt es einen Herrscher, der sich durch verschiedene Prüfungen bewähren muss. Im Karneval war es gestattet, solche Momente auf die große Bühne zu heben.

Aufzeichnung der Oper vom Mai 2018 in der Metropolitan Opera New York

Gioachino Rossini
"La Cenerentola"
Komische Oper in zwei Akten
Libretto von Jacopo Ferretti

Cenerentola – Joyce DiDonato, Alt
Don Ramiro – Juan Diego Flórez, Tenor
Clorinda – Rachelle Durkin, Sopran
Tisbe – Patricia Risley, Mezzosopran
Dandini – Pietro Spagnoli, Bariton
Don Magnifico – Alessandro Corbelli, Bass
Alidoro – Luca Pisaroni, Bass
Chor und Orchester der Metropolitan Opera New York
Leitung: Fabio Luisi

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