Aufstand der Kunstverständigen

Um die Gemäldegalerie am Kulturforum ist ein Streit entbrannt © picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini
11.07.2012
Seit fast einer Woche tobt ein Streit über die geplante Auslagerung der Alten Meister aus der Berliner Gemäldegalerie am Potsdamer Platz. Worum es dabei eigentlich geht, erläutert unser Architekturkritiker Nikolaus Bernau.
Zehn Millionen Euro wurden kürzlich vom Bund bewilligt, um die Berliner Gemäldegalerie zum Ort der Moderne auszubauen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz beschloss daher, die Alten Meister auf die Museumsinsel zu verlagern - und muss dafür heftige Kritik einstecken. Die richte sich grundsätzlich aber gar nicht gegen den Umzug, erklärt der Kunstwissenschaftler Nikolaus Bernau: "Was nicht akzeptiert wird, ist, dass für mindestens acht Jahre die Gemälde und Skulpturen in ganz kleiner Auswahl gezeigt werden", da erst mit einem zusätzlichen Anbau auf der Museumsinsel ausreichend Platz sei.

Bereits sehr viele Fachleute, die "normalerweise nie auf die Idee kommen würden", gingen daher gegen die Pläne vor, so Bernau. Unter den Kritikern sei beispielsweise auch der "äußerst behäbige Verband deutscher Kunsthistoriker". Eine Protestaktion im Internet habe innerhalb kürzester Zeit 7500 Unterstützer gewonnen.

Internationale Beachtung erlange das Thema, da es sich bei der Gemäldegalerie um "eine weltweit einzigartige Galerie" handele, die "nur mit der National Gallery und London vergleichbar" sei, sagt Bernau. Auch Werke großer Maler wie Rembrandt, Caravaggio, Dürer und Cranach sind in dem Museum zu sehen, das bereits heute "eigentlich schon zu klein" sei. Er habe kürzlich überlegt, welche Werke man bedenkenlos auslagern könne: "Ich hab praktisch keine Bilder gefunden."

Stiftungspräsident Parzinger spricht von "unbegründeter Panikmache"
Als "unbegründete Panikmache" bezeichnete hingegen der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, die Diskussion um den Umzug der Gemäldegalerie. Er halte die Proteste für maßlos überzogen, sagte er gegenüber Deutschlandradio Kultur.

Eine "Verdichtung" im Bode-Museum sowie eine Wartezeit von 15 bis 20 Jahren für einen Erweiterungsbau schloss er auf Nachfrage aus. Wenn allerdings eine Auslagerung "nur für vier, fünf Jahre notwendig ist, dann kann ich ganz klar sagen: Dann machen wir das!", so Parzinger. An einer Lösung werde man in den nächsten Wochen und Monaten arbeiten.

Sie können das vollständige Gespräch mit Nikolaus Bernau mindestens bis zum 11.12.2012 als MP3-Audio in unserem Audio-On-Demand-Angebot hören.


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