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Interview | Beitrag vom 17.05.2021

Aufhebung der ImpfpriorisierungAls Arzt von der Politik "mehr als enttäuscht"

Wolfgang Kreischer im Gespräch mit Ute Welty

Eine Frau wird geimpft  (imago / CHROMORANGE)
Wenig Impfstoff, lange Wartelisten: das ist auch bei dem Arzt Wolfgang Kreischer Alltag. (imago / CHROMORANGE)

In Berlin und Baden-Württemberg können sich jetzt alle in Arztpraxen gegen Corona impfen lassen. Doch es gibt nicht genug Dosen. Der Arzt Wolfgang Kreischer kritisiert, dass die Politik die Priorisierung ohne Absprachen aufgehoben hat.

Seit etwa vier Wochen klingelt das Telefon in der Praxis des Berliner Hausarztes Wolfgang Kreischer so häufig, dass er die Terminvergabe für Impfungen gegen das Coronavirus an einen externen Dienstleister ausgelagert hat. Anders gehe es nicht mehr. Kreischer impft seine Patienten mittags, abends oder auch samstags, nach Priorisierung, und er führt eine Warteliste.

Die Impftermine für die kommenden sechs Wochen seien ausgebucht, betont der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Berlin und Brandenburg: "Wir wissen manchmal erst am Montagvormittag, wie viel Impfstoff wir in der Woche bekommen." Um die Größenordnung zu verstehen: In der vergangenen Woche gab es bei Kreischer Impfdosen von Biontech für sechs Erstimpfungen.

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In dieser Situation hat nun Berlin – neben Baden-Württemberg – die Priorisierung in Arztpraxen aufgehoben. Eine Entscheidung, die Kreischer ärgert: "Man hat zu uns keinerlei Kontakt aufgenommen und es gab keinerlei Absprachen – insofern sind wir von der Politik mehr als enttäuscht im Moment."

Auch das Problem der Auffrischungen habe man auf die Praxen "abgelagert", kritisiert er. "Ich habe manchmal den Gedanken, es geht hier schon um Wahlkämpfe, sodass wir als Hausärzte jetzt den Schwarzen Peter haben und das ganze Problem managen müssen."

Nur eine schnelle Impfung führt zu Herdenschutz

Nach seiner Ansicht müssten neben den Impfzentren die Haus- und Betriebsärzte, aber auch die Gesundheitsämter impfen. Nur seien diese von Anfang an in der Pandemie "völlig überlastet" gewesen. Tempo sei dabei sehr wichtig, betont Kreischer: "Nur wenn schnell eine Erstimpfung gemacht wird, entsteht ein Herdenschutz, der effektiv ist."

Kreischer sieht sich genötigt, Personal aufzustocken. Durch den externen Dienstleister entstünden auch Kosten: 

"Die finanzielle Belastung ist groß und die Honorierung für die Impfung ist schlecht. Also, im Grunde genommen machen wir das aus Leidenschaft und aus Mitgefühl. Aber Geld verdienen kann man damit kaum."

(bth)

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