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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 21.02.2010

Auferstanden aus Versteinerungen

Darren Naish: "Die faszinierende Entdeckung der Dinosaurier", Theiss Verlag, Stuttgart 2010

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Dinosaurierskelette im Naturkundemuseum Berlin (Janine Wergin/dradio.de)
Dinosaurierskelette im Naturkundemuseum Berlin (Janine Wergin/dradio.de)

Auch 69 Millionen Jahre nach ihrem Aussterben haben Dinosaurier nichts von ihrer Faszination verloren. Bücher zum Thema finden sich fast ausschließlich im Kinder- und Jugendbuchbereich. Das ist jetzt anders. Der renommierte Paläontolge Darren Naish hat im Theiss Verlag ein Sachbuch veröffentlicht.

Riesige Schädel, dicke Haut und stabile Knochen - bekannt sind Dinosaurier als gewaltige Urzeitechsen, die unseren Planeten viele Millionen Jahre lang beherrschten, lange bevor die Menschheit die Bühne betrat. Aber Dinosaurier sind auch flinke Jäger, die trägen, friedliche Pflanzenfresser und kleine, hühnerähnliche Zweibeiner in einer Art Daunenpelz.

Die Vielfalt der Formen war unter den Dinosauriern mindestens so groß, wie die der heutigen Säugetiere. Ähnlich wie bei Maus und Elefant oder bei Affe und Wal ist die Zusammengehörigkeit der unzähligen Arten auf den ersten Blick nicht auszumachen. Dass wir heute dennoch einen Eindruck und sogar einen Überblick über diese ausgestorbenen Lebewesen haben, verdanken wir Fachleuten wie Darren Naish.

Auf jeder Seite seines reich bebilderten Buches stellt er neue Formen und Lebensweisen von Dinosauriern vor. Besonders beindruckt, wie Forscher vor etwa 200 Jahren aus ein paar versteinerten Wirbelknochen oder Fußabdrücken ganze Lebewesen rekonstruieren konnten. Dass sie manchmal ihre Funde falsch interpretierten und von der Nachwelt korrigiert werden mussten, verwundert nicht. Eher schon, wie viele ihrer Spekulationen und Ideen später tatsächlich durch neue Funde gestützt werden konnten.

Darren Naish lässt die Welt der Dinosaurier wieder auferstehen, in dem er den Spuren ihre Entdecker folgt: Von den ersten Pionieren in Europa bis zu den neuesten spektakulären Funden in China. Seine Sprache ist sachlich, manchmal geradezu hölzern. Die Vielfalt der Namen, macht das Lesen bisweilen mühsam: Iguanodon, Thecodontosaurus, Compsognathus, Stegosaurus, Triceratops, Velociraptor und so weiter. Immer wenn man glaubt, ein wenig Ordnung in die Welt der Dinosaurier gebracht zu haben, stellt Darren Naish neue Funde vor, die alles wieder durcheinander bringen. Eine enorme Faktenfülle zeichnet das Buch aus, aber zum Glück gibt es wunderbare Fotografien, farbige, leicht verständliche Abbildungen und phantasievolle Rekonstruktionen.

"Die faszinierende Entdeckung der Dinosaurier" ist kein Buch, das schnell verschlungen werden will. Eher ein Bildband mit unterstützenden Texten, der immer wieder zum Blättern und Stöbern einlädt. Die vielen Namen der Dinosaurier und die komplizierten Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Arten verwirren zunächst; aber wer neugierig bleibt und sich nicht abschrecken lässt, den zieht das Buch immer tiefer hinein in eine Welt von Lebewesen, die nie ein Mensch gesehen hat.

Besprochen von Michael Lange

Darren Naish: Die faszinierende Entdeckung der Dinosaurier
Theiss Verlag, Stuttgart 2010
192 Seiten, 29,90 Euro

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