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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 13.05.2008

Auf deutschem Acker

Der Ökoboden, das Rapsfeld, die Windradfläche

Von Claudia van Laak

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Arbeit in der Landwirtschaft (AP)
Arbeit in der Landwirtschaft (AP)

Die veränderte Nutzung der Ackerfläche hat Folgen für die Landwirtschaftspolitik, für die Arbeit der Bauern, ihre Böden und Höfe. Die Ökonomisierung des Landwirtschaftsbetriebes durch den Anbau von Raps und Weizen für Biosprit, die Stilllegung von Flächen für Windkraftanlagen haben aber auch Folgen für Natur und Umwelt.

Es geht hoch her an diesem Abend bei der Einwohnerversammlung in Ruhlsdorf bei Teltow. Der Unternehmer Wolfgang Köhn stellt seine Pläne zum Bau eines Solarparks vor. Dieser soll auf einem 27 Hektar großen Acker südlich des Dorfes errichtet werden und in Zukunft klimafreundlichen Strom liefern. Wolfgang Köhn - seit einigen Jahren Planer von Windkraft- und Solaranlagen – handelt aus politischer Überzeugung.

"Ich denke, dass ich einen Beitrag dazu leisten kann, der Erderwärmung entgegenzuwirken, das kann man, indem man zum Beispiel solche Solaranlagen plant, wenn sie denn groß genug sind, dann haben sie auch eine Auswirkung."

Der 51-Jährige, grauhaarige, aber jugendlich wirkende Köhn versucht, die Ruhlsdorfer von seiner Idee zu überzeugen. Wir alle müssen einen Beitrag gegen die Erderwärmung leisten und gegen weitere Braunkohletagebaue in Brandenburg, argumentiert er.

"Ich arbeite ganz klar gegen die Braunkohle, und ich möchte, dass dadurch die Braunkohleförderung überflüssig wird, ich möchte es der Bevölkerung zeigen, dass man auf Braunkohle definitiv verzichten kann, und zwar schon in kurzer Zeit."

Ein politisch korrekter Solarpark also. Doch die Stimmung an diesem Abend wendet sich gegen Wolfgang Köhn. Die meisten Anwohner wollen nicht, dass aus einem Naherholungs- künftig ein Gewerbegebiet wird. Viele Ruhlsdorfer führen ihre Hunde dort aus, andere besuchen den Reiterhof nebenan.

Carola Fanter ist Stadtverordnete in Teltow und muss demnächst über eine Änderung des Bebauungsplans entscheiden – nötig für die Errichtung des Solarparks.

"Es sticht für mich, dass wir einfach hier die Leute nach Teltow holen und sagen, wir bieten Euch grünes Umland, und nachher sitzen sie, also ob sie in Berlin geblieben wären, da hätten sie gleich in Zehlendorf oder Steglitz hätten wohnen bleiben können. Unsere Grünflächen sind nicht groß und werden immer kleiner."

Auch Andreas Vietz ist gegen einen Solarpark. Ihm gehört Ackerland in Ruhlsdorf, einen Vertrag mit Planer Wolfgang Köhn hat er abgelehnt. Auf seinem Land soll keine Solaranlage errichtet werden. Sollte das Unternehmen pleite gehen, habe er Probleme mit der Entsorgung der schwermetallhaltigen Solarmodule, argumentiert Andreas Vietz.

"Und was mich am meisten stört ist, dass hier an das ökologische Gewissen appelliert wird, und so getan wird, als wenn der potenzielle Betreiber, oder der, der die Anlage vermittelt, im Endeffekt kein Gewinninteresse hat. Und im Endeffekt steht bei allen, die dafür sind, das Gewinninteresse im Vordergrund."

Wolfgang Köhn bestreitet nicht, dass er mit dem geplanten Solarpark Geld verdienen will. Allerdings ethisch sauberes Geld, sagt er, denn der Solarpark sei gleich doppelt ökologisch. Zum einen gut für das Klima, zum zweiten gut für den Boden. Solarmodule auf einen Acker zu stellen sei sinnvoller als auf dieser Fläche mithilfe von Unkrautvernichtungsmitteln, Insektiziden und viel Dünger Getreide anzubauen

"Also ich habe sowohl wassermäßig einen Gewinn, ich habe tiermäßig einen Gewinn, es können sich dort seltene Pflanzen ansiedeln, die werden auch nicht gestört, ich habe eine hohe ökologische Aufwertung, ich möchte mal wissen, wie man das noch besser machen könnte."

"Ich habe langsam den Eindruck, irgendwann wird die Menschheit genügend Energie haben, aber nichts mehr zu essen haben, und das ist unser Fehler."

Sagt Landwirt Uwe Naujoks, erklärter Gegner des Solarparks. Seine Agrargenossenschaft bewirtschaftet die Flächen, auf denen Wolfgang Köhn seine Solarmodule aufstellen will. Zurzeit wächst dort Winterroggen. Der Boden ist viel zu schade für einen Solarpark, sagt Landwirt Naujoks.

"Es nützt nichts, wenn wir Fläche entziehen, die für die Ernährung wieder flöten geht. Wir haben in Deutschland so viele Flächenentzüge, die kompensiert werden müssen, und da bauen wir so eine Solaranlage."

Der Landwirt ist überzeugt: Für Solaranlagen gibt es bessere Plätze. Dächer zum Beispiel, vom Braunkohletagebau zerstörte Landschaften oder ehemalige Truppenübungsplätze.

"Ich sage nur als Beispiel der Güterfelder Truppenübungsplatz, der liegt brach, der wird zum Naturschutz degradiert, und da ist keine weitere Nutzung drauf, es könnte dort so etwas angebracht werden, das würde keinen weiter stören."

Doch. Den Planer stört das, denn Solarparks auf diesen Flächen treiben die Kosten in die Höhe. Auf ehemaligen Truppenübungsplätzen stehen Gebäude, die noch abgerissen werden müssen, außerdem ist Investoren das Risiko durch mögliche Altlasten zu hoch.
Die Bauern hätten keinen Grund, über einen Entzug von landwirtschaftlicher Fläche zu klagen, argumentiert Solarparkplaner Köhn, sie sollten erst einmal ihre stillgelegten Flächen bewirtschaften.

"Es gibt auch sehr viele Stilllegungsflächen, für die die Pächter sehr viel mehr Geld bekommen als wenn sie sie tatsächlich bewirtschaften. Man sollte lieber die Stilllegungsflächen bewirtschaften."

In einem weiteren Punkt stehen sich Befürworter und Gegner des Solarparks diametral gegenüber. Verschandelt so eine mit Solarmodulen bestückte Fläche die Landschaft oder nicht?
Nein, meint Planer Köhn und zeigt auf ein Foto, das einen Solarpark in Sachsen zeigt. Das sehe besser aus als ein Feld mit zwei Meter hohen Sonnenblumen, die versperrten nur die Sicht auf den Wald.

"Also ich erhole mich da und gehe mit den Hunden spazieren, also das würde mich nicht stören. Im Gegenteil, das ist sogar viel interessanter zu sehen als ein nackter Acker."

"Das ist ja auch kein schöner Anblick, so eine Solaranlage über 27 oder 30 Hektar dort zu sehen, vom Auge her. An die Windräder hat man sich gewöhnt, mit Windrädern können wir notfalls leben, weil dort der Entzug von landwirtschaftlicher Nutzfläche nicht so groß ist."

Drei Tage nach der Einwohnerversammlung entscheidet das Stadtparlament Teltow über eine Änderung des Bebauungsplans im Ortsteil Ruhlsdorf. Der grüne Abgeordnete Eberhard Adenstedt unternimmt einen letzten Überzeugungsversuch.

"Es gibt kaum eine alternative Energie, die umweltfreundlicher ist als Solarenergie, zumindest momentan, insofern ist es fast ein Gebot, und wir müssten Herrn Köhn dankbar sein, dass er uns hier ein solches Projekt in unsere unmittelbare Umgebung setzt."

Doch die Stadtverordneten lassen sich von diesem Argument nicht beeindrucken. Mit 20 zu 8 Stimmen lehnen sie eine Änderung des Bebauungsplans. Planer Wolfgang Köhn ist enttäuscht, sucht aber weiter nach Flächen für einen Solarpark.

"Jetzt aufzugeben und alles hinzuschmeißen, das mache ich mit Sicherheit nicht. Irgendwann werde ich etwas finden, da bin ich ganz zuversichtlich, die Zeit arbeitet für mich, vielleicht bin ich nur zu früh gekommen, und weil ich hier auch noch wohne – der Prophet im eigenen Land ist nichts wert."

Auf einem Acker Strom erzeugen statt Getreide anbauen – dieses ungewöhnliche Projekt ist erst lukrativ, seitdem in Deutschland das Erneuerbare-Energien-Gesetz gilt. Es subventioniert Biogas, Windkraft und Solarstrom und hat dazu geführt, dass in der Landwirtschaft einiges durcheinander geraten ist. Viele Bauern begrüßen allerdings dieses Gesetz, sehen in der Erzeugung von Bioenergie ein zweites Standbein. Sie sind jetzt Land- und Energiewirte, so wie Johannes Niedeggen.

500 Rinder, 700 Hektar Ackerland, 100 Schweine, 100 Schafe, 22 Arbeitsplätze und eine Biogasanlage, das ist Gut Kerkow in der Uckermark.

1,5 Millionen Euro hat Eigentümer Johannes Niedeggen in die Biogasanlage investiert. Die funktioniert im Prinzip wie eine Kuh, erklärt der Landwirt. Die sogenannte Beschickungshalle sei das Maul, da komme Maissilage, Getreide, Mist und Gülle rein. Im Fermenter werde dann – ähnlich wie im Magen einer Kuh – das Biogas erzeugt.

"Am Ende haben wir das Blockheizkraftwerk, einen Ottomotor, der zusammen mit dem Generator Strom erzeugt. Die Energie wird zu 40 Prozent in Strom umgewandelt und in das Netz eingespeist, 60 Prozent der Energie wird gebraucht, um Wasser zu erhitzen, das können wir auf dem Hof als Heizenergie nutzen."

Die Biogasanlage von Gut Kerkow produziert im Jahr 5000 Megawatt Strom, ausreichend für die benachbarte Kleinstadt Angermünde. Nötig sind dazu Mais und Getreide, das nicht mehr für die Fütterung der Tiere und für die menschliche Ernährung zur Verfügung steht. Für Landwirt Niedeggen ist dies kein ethisches Problem.

"Die Landwirte haben nicht nur Jahrtausende nur Lebensmittel angebaut. Vor 100 Jahren war der Landwirt auch der Holzwirt und der hat Hafer produziert, damit die Pferde was zu fressen hatten und dann im Prinzip den Pflug ziehen sollten, und heute baue ich Raps an und treibe damit den Motor an."

Johannes Niedeggen setzt auch noch auf andere regenerative Energien. Der 43-Jährige hat einige seiner Landmaschinen so umgerüstet, dass sie mit Pflanzenöl fahren können. Der auf den eigenen Äckern angebaute Raps wird auf dem Hof zu Öl gepresst und ersetzt so den teuren Diesel von der Tankstelle. Johannes Niedeggen will seinen Betrieb unabhängig machen, sein Ziel sind möglichst geschlossene Stoffkreisläufe. Von der Ökolandwirtschaft hält er allerdings nicht viel. Er habe etwas gegen ideelle Verblendung.

"Ich bin der Überzeugung, dass unsere gesamte Ökobilanz im Betrieb besser ist als bei den meisten Biobetrieben. Was führe ich dem Betrieb an Energie zu, was entnehme ich ihm, und da haben wir eben bisher 60 Tonnen Diesel im Jahr verbraucht und 20 Tonnen Heizöl, das brauchen wir in Zukunft nicht mehr, die haben wir komplett eingespart."

Landwirt Johannes Niedeggen profitiert von der Förderung regenerativer Energien, doch er befürwortet die Subventionen nicht immer und überall. Sie sind immer dann gut, wenn der Landwirt sich damit aus der Abhängigkeit von Futtermittel- und Mineralölindustrie lösen kann, sagt Johannes Niedeggen, der das ehemals Volkseigene Gut Kerkow 1993 von der Treuhandanstalt übernahm und seitdem fünf Millionen Euro in den Landwirtschaftsbetrieb investiert hat. Was ihm nicht gefällt, ist der Einstieg von Finanzinvestoren in die Landwirtschaft.

"Es werden Kapitalgesellschaften wie bei der Windenergie gegründet und die bauen Biogasanlagen und Landwirte werden als Betreiber angestellt, die die Anlage betreiben. Dann ist der Landwirt aber in derselben 'Andien'-Situation, wie wir sie jetzt beim Getreidehandel haben, das heißt, es ist ein großer Partner da, der möglichst preiswert die Produkte kaufen will."

Die Debatte über den Klimawandel, der politisch gewollte Ausbau der regenerativen Energien mit den entsprechenden Subventionen, die weltweite Nahrungsmittelknappheit – all das hat dazu geführt, dass Ackerfläche begehrter denn je ist. Die Preise für den Kauf und die Pacht landwirtschaftlicher Fläche steigen, in Ostdeutschland im letzten Jahr um 23 Prozent – das gab die BVVG vor kurzem bekannt. Die Treuhand-Nachfolgerin verkauft und verpachtet Wald und Acker aus dem Staatsbesitz der DDR. Geschäftsführer Wilhelm Müller:

"Wir haben eine Bevölkerungsvermehrung. Wir haben Landverbrauch. Die Nachfrage nach tierischen Nahrungsmitteln wird immer größer, um tierische Nahrungsmittel zu produzieren, braucht man wiederum mehr Fläche, und das wirkt sich zwangsläufig so aus, dass sich Leute für landwirtschaftlichen Grund und Boden interessieren, die vor ein paar Jahren überhaupt nicht wussten, was das ist."

Für den Bundeshaushalt ist das ein Segen. Die bundeseigene BVVG erzielte im letzten Jahr einen Gewinn von 291 Millionen Euro, in diesem Jahr sollen es 325 Millionen Euro werden. Da die Preise weiter steigen, ist der Bund daran interessiert, möglichst viele Flächen zu privatisieren. Das Nachsehen haben die örtlichen Landwirte. Ihnen fehlt oftmals das Geld zum Kauf der Flächen, die sie bislang gepachtet haben.

"Letztlich spielt ja nur noch diese Bewegung zwischen Daumen und Zeigefinger eine Rolle, also die Natur ist in meinen Augen dann zerstört."

… sagt Ökolandwirtin Sabine Teschke und reibt dabei Daumen und Zeigefinger aneinander. Die 46-Jährige, kräftige Frau mit den kurzen dunklen Haaren züchtet Rinder und bewirtschaftet 500 Hektar Ackerland in Warnitz und Grünheide.

"Mein Opa hat mal gesagt, du wirst Bauer, ick hab gesagt, ich werde nicht Bauer, aber ick bin doch Bauer geworden."

Teschkes Pachtvertrag mit der BVVG über 150 Hektar Ackerland läuft demnächst aus. Dann wird die Fläche zum Verkauf ausgeschrieben. Kauf ist doppelt so teuer wie Pacht, sagt die Ökolandwirtin.

"Ich denke, wir kaufen auf keinen Fall. Wir können es uns nicht leisten, und wer kauft, sind nicht unbedingt Landwirte, die kaufen werden. Das sind auch viele, die zu viel oder eben viel Geld haben und das gewinnbringend anlegen wollen und dann denke ich mir wird aus Grünheide dieser Traum in Grün verschwinden."

Sabine Teschke hat aus der unsicheren Situation erste Konsequenzen gezogen. Sie hat Jungtiere verkauft, weil sie nicht weiß, ob sie die Färsen in den nächsten Jahren noch ernähren kann.

"Und da sag ick mir lieber, verkauf die Tiere und hab weniger Tiere und die in einer guten Qualität als viele Tiere und ich weiß nicht wohin."

Die Landwirtin hat sich nun mit zwöf weiteren Ökobauern aus der Uckermark zusammengeschlossen, um auf die gemeinsamen Probleme aufmerksam zu machen. Sie sehen die Landwirtschaft im Einklang mit der Natur bedroht, sollten Finanzinvestoren ihre Flächen kaufen und dort künftig Mais in Monokultur für Biogasanlagen anbauen. Deshalb haben sie Entscheider aus der BVVG und dem Landwirtschaftsministeriums sowie Bundestagsabgeordnete zu einer Bustour eingeladen.

"Ja, ich möchte Sie im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen aus der Uckermark ganz herzlich hier begrüßen auf Gut Wilmersdorf. Grüße vor allem an die wichtigen Entscheidungsträger …"

Ökolandwirt Stefan Palme steht vor dem sorgfältig sanierten Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert und begrüßt die Teilnehmer der Informationsfahrt. Zur Stärkung gibt es Äpfel von der Streuobstwiese, Schnittchen mit Blutwurst und Salami, saure Gurken – alles garantiert Öko.

In der ersten Reihe sitzt ein älterer Herr im karierten Wolljackett, unter seiner Baseballkappe lugen lange graue Haare hervor. Rolf-Friedrich Henke, Eigentümer mehrerer Druckereien und landwirtschaftlicher Betriebe. Ein Alt-68er, der sich nach der Wende dem Ökolandbau verschrieben hat. Die Privatisierungspolitik der BVVG treibt ihn auf die Palme.

"Warum soll ein existierender Betrieb, der gegen große Widerstände, der mit großen Schwierigkeiten sich entwickelt hat, warum soll der als Übung, vom Staat verordnet, 50 Hektar abgeben? Oder beweisen, dass er sie für einen spekulativen Idiotenpreis bekommen kann in Form einer Auktion?"

Rolf-Friedrich Henke redet sich in Rage. Landwirtschaftliche Fläche als Objekt der Spekulation – das geht ihm gegen den Strich.

"Wenn wir aufs Feld gehen, dann ist das keine Auktion. Wenn wir Arbeit machen, dann nicht nach dem Motto, schauen wir mal, dann hat was zu passieren. Was ist das für ein Geist, der da rüberkommt. Also wenn wir da nichts gegen machen, dann wird das noch wirrer."

Der Geschäftsführer der BVVG Wilhelm Müller ist an diesem Tag der Buhmann. Er muss sich dafür rechtfertigen, dass das bundeseigene Unternehmen landwirtschaftliche Fläche in Ostdeutschland zum Höchstpreis verkauft, ohne Rücksicht auf vorhandene Strukturen zu nehmen. Doch er weiß sich zu wehren.

"Was der Staat nicht kann, er kann nicht gegen grundlegende Regelungen, wie zum Beispiel das Haushaltsrecht verstoßen, er kann keine bestimmten Gruppen bevorzugen, es muss schon der Gleichheitsgrundsatz eingehalten werden. Salopp gesagt, die Betriebe stehen noch nicht unter Artenschutz oder unter Naturschutz und müssen sich schon dem Wettbewerb stellen."

Nachdem der Bus an verschiedenen Landwirtschaftsbetrieben vorbeigefahren ist und die Ökobauern ihre Situation geschildert haben, lotst Stefan Palme den Busfahrer über einen schmalen Weg zu einer im Bau befindlichen Biogasanlage.

"Wir stehen hier in Eselshütt, hier hat ein großer Biogasinvestor erstmal angefangen mit einer großen Anlage für Silomais, und möchte hier auf diesem Gelände insgesamt 10 Biogasanlagen a 500 KW errichten."

Die anwesenden Bundestagsabgeordneten betrachten die Großbaustelle, schütteln mit dem Kopf. Das hatten sie nicht beabsichtigt, als sie das Erneuerbare-Energien-Gesetz im Bundestag verabschiedet haben. Gustav Herzog ist in der SPD-Fraktion für den Ökolandbau zuständig.

"Es gibt Leute, die haben mehr Fantasie als wir, wie man ein solches Regelwerk dann nutzen kann. Nicht im Sinne des Erfinders, des Gesetzgebers, sondern im Sinne des eigenen Geldbeutels. Also Anlagen, die bis zu einer bestimmten Größe gefördert werden, davon zehn Stück nebeneinander zu stellen."

Eine Biogasanlage dieser Größe braucht Futter, viel Futter. Und das bedeutet: entweder wird auf allen Flächen rund um die Anlage Mais angebaut, oder der Nachschub wird viele Kilometer weit mit Lkws antransportiert – alles in allem wenig ökologisch. Dieser Investor ist unser Konkurrent, wenn es um den Kauf von Flächen geht, erklärt Ökolandwirt Stefan Palme.

"Der kann sicherlich mehr zahlen, weil er nicht die Notwendigkeit hatte, sein Geld mit Landwirtschaft zu verdienen. Er ist in der glücklichen Situation, einfach über einen sehr guten Betrag zu verfügen und in die Landwirtschaft in Größenordnungen zu investieren, wie es ein Landwirt nicht könnte."

Die Bundestagsabgeordneten haben begriffen: Hier besteht akuter Handlungsbedarf. Das, was wir hier in der Uckermark gesehen haben, werden wir bei der Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes berücksichtigen, verspricht Petra Bierwirth, die Vorsitzende des Umweltausschusses.

"Ich denke, da ist die Politik auch gefragt, hier entgegenzusteuern. Weil ich glaube, da ist in meinen Augen die Förderung zu großzügig gewesen und das schlägt alles ins Gegenteil um und das können wir nicht wollen."

Die Landwirte wollen an diesem Tag nicht nur klagen und jammern. Bei Bienenstich, luftgetrockneter Mettwurst und Rinderbrühe – wieder alles garantiert Bio – stellen sie den Vertretern der Bundes- und Landespolitik ihr Modell eines Ökofonds vor. Dieser soll Flächen von der BVVG kaufen und dann den Biobauern verpachten. Sabine Teschke findet die Idee hervorragend.

"Wenn dieses Modell wirklich stattfindet, dann wäre das toll. Das ist was übergreifendes, dann sind 10.000 Hektar in der südlichen Uckermark, wo der Boden wirklich nicht optimal ist, dann sind 10.000 Hektar zusammenhängend ökologisch bewirtschaftet, das ist doch ein Traum."

Sollte dieser Traum in der Uckermark Wirklichkeit werden, wäre es die größte zusammenhängende ökologisch bewirtschaftete Ackerfläche Europas.

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