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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 21.10.2012

Auf der Achterbahn durch das Weltall

Ben Moore: "Elefanten im All – Unser Platz im Universum", Zürich 2012, 384 Seiten

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Der britische Astrophysiker Ben Moore nimmt uns mit auf eine Reise durch Zeit und Raum. Und er sagt: Wenn es uns gelingt, die Gefahren der Jetztzeit zu überleben, wird die Menschheit in zehn Millionen Jahren die gesamte Milchstraße bevölkern.

Seit über 14 Milliarden existiert das Universum. Rechnet man diese Zeit auf einen Tag mit 24 Stunden um, so dauerte es nur fünf Sekunden bis sich nach dem Urknall die ersten Galaxien bildeten. Aus ihnen gingen alle uns bekannten Sterne und Planeten hervor. Zur besten Kaffeezeit zwischen 16 und 17 Uhr entstand unsere Erde und erst eine Sekunde vor Mitternacht begann die Zeit des Homo sapiens.

Unbedeutend und klein erscheint die Erde und mit ihr die Menschheit, wenn Ben Moore versucht, die Weiten des Universums in Worte zu fassen. Der Astrophysiker von der Universität Zürich hat seinen Mitmenschen eine Menge mitzuteilen. Mit einfachen Worten, zahlreichen Vergleichen und Beispielen führt er seine Leser durch die Zeit: vom Urknall bis zum Ende des Universums. So gelingt eine abwechslungsreiche Einführung in das aktuelle naturwissenschaftliche Weltbild, aufgelockert durch kleine Anekdoten aus dem Leben eines weltoffenen Astrophysikers.

Dass der 45jährige gebürtige Engländer kein Stubenhocker oder der Welt entrückter Nerd ist, wird schnell deutlich. Leicht und locker erzählt er von privaten Reisen, wissenschaftlichen Pannen und waghalsigen Klettertouren. Das Leben und die Abenteuer von heute sind ihm ebenso wichtig, wie Gedanken über die Zukunft des Universums oder die Planung von Weltraumreisen durch unsere Milchstraße. Beides, davon ist Ben Moore überzeugt, machen ebenso viel Spaß wie eine Abfahrt mit dem Snowboard. Wir werden, so schreibt er, in Kühlkammern oder in Multigenerationen-Raumschiffen unser Sonnensystem verlassen und zu fernen Welten aufbrechen. Wenn nichts dazwischen kommt, erkunden und besiedeln unsere Nachfahren die Galaxie.

Statt von der Zukunft in den Weiten des Universums nur zu träumen, sollten wir schon jetzt mit den Planungen beginnen, fordert Ben Moore. Denn wenn es uns gelingt, die Gefahren der Jetztzeit zu überleben, werden Menschen in zehn Millionen Jahren die Milchstraße bevölkern. Wir können noch viel erreichen, wenn wir es nur wollen. Ganz nach dem Lebensmotto des jungen Professors: "Nur wer es versucht, kann sein Ziel erreichen." Das biologische Wunderwerk, das dies alles möglich macht, ist das menschliche Gehirn. Es ist zwar nicht so groß wie das des Elefanten, der nur als Spielerei immer wieder im Buch auftaucht, aber seine Leistungsfähigkeit sei längst noch nicht ausgereizt. Während Ben Moores Erklärungen zur Astrophysik kenntnisreich und zugleich lebendig geschrieben sind, führen manche Einlassungen über Evolutionsbiologie und Hirnforschung in der Irre. So vergleicht er das menschliche Gehirn immer wieder mit einem Computer, was weder dem Gehirn noch dem Computer gerecht wird.

Das Buch richtet sich an Einsteiger, die gerne mehr über das aktuelle naturwissenschaftliche Weltbild wissen möchten. Wer ungern an die Formelphysik in der Schule oder an schlechte Physiklehrer zurückdenkt, denen ermöglicht der vielseitige Physikprofessor aus Zürich einen Neuanfang. Er erklärt das Universum als Welt voller Rätsel, deren Erkundung zugleich Wissen beschert und Spaß macht. Statt auf abstrakte Wissensvermittlung setzt er noch radikaler als andere Physikerklärer auf Neugier und Staunen.

Besprochen von Michael Lange

Ben Moore, Elefanten im All – Unser Platz im Universum
Verlag Kein & Aber, Zürich 2012
384 Seiten, 24,90 Euro

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