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Interview / Archiv | Beitrag vom 16.06.2015

AtemwegserkrankungWie gefährlich ist das Mers-Virus?

Christian Drosten im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

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Mers-Patient im Krankenhaus St. Raphael der Niels-Stensen-Kliniken in Ostercappeln / Niedersachsen gestorben. (picture alliance / dpa)
Mers-Patient im Krankenhaus St. Raphael der Niels-Stensen-Kliniken in Ostercappeln / Niedersachsen gestorben. (picture alliance / dpa)

Ein 65-jähriger Mann ist in Ostwestfalen nach einer Infektion mit dem Mers-Virus gestorben. Bisher war das Virus nur aus Südkorea bekannt. Tatsächlich stammt es aber von der Arabischen Halbinsel, sagt der Bonner Virologe Christian Drosten.

Erstmals ist ein Deutscher an den Folgen der Atemwegserkrankung Mers gestorben. Der 65-Jährige hatte sich im Februar auf der Arabischen Halbinsel mit dem Virus infiziert. In Südkorea haben sich seit dem Ausbruch einer Ansteckungswelle vor mehr als drei Wochen rund 150 Menschen mit dem Virus infiziert, bis zu 20 sind gestorben.

Eingeschleppt wurde das Virus jeweils bei Reisen auf der Arabischen Halbinsel. "Das ist eine Krankheit, die man offenbar von Kamelen bekommt", sagt der Virologe Christian Drosten.

"Das klingt jetzt erstmal ziemlich skurril, aber wir können das zunehmend mit Daten belegen. Wir sprechen hier von einer Zoonose, also einer Krankheit, die vom Tier auf den Mensch übergeht."

Das Mers-Virus ist ein "Erkältungsvirus". Es greift die Lunge an, in Folge kann es zu Atemwegsblockierungen kommen, das wiederum kann zu Nierenversagen führen. Die Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch sei aber gering, sagt Drosten.

Nach den besorgniserregenden Meldungen aus Südkorea habe er sich mit einem WHO-Expertenkreis die Genom-Sequenz des Virus ansehen können:

"Und da hat man an dem Genom dann doch bald gesehen, dass eigentlich nichts Besonderes ist. Dass das ein Virus ist wie all die vielen anderen Virusstämme, die auf der Arabischen Halbinsel zirkulieren."

Wenn ein Patient nach einer Infektion mit dem Mers-Virus erkrankt, werden die Möglichkeiten der Intensivtherapie genutzt – bis hin zur künstlichen Beatmung und zum künstlichen Koma, um dem Körper Zeit zu geben, den Kampf mit dem Virus aufzunehmen.

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