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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 02.02.2017

Astronom Ralf-Dieter ScholzDer Sternenfinder

Ralf-Dieter Scholz im Gespräch mit Matthias Hanselmann

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Astronom Ralf-Dieter Scholz  (Privat)
Astronom Ralf-Dieter Scholz (Privat)

Ralf-Dieter Scholz ist ein Astronom und ein sehr beharrlicher noch dazu. Und er ist einer der wenigen, nach denen ein Stern benannt ist. Wie es dazu kam, davon erzählt er im Gespräch mit Matthias Hanselmann.

Sein Forschungsschwerpunkt ist die "Eigenbewegung der Sterne", mit deren Hilfe er gezielt nach roten Zwergsternen in der Nähe unserer Sonne sucht. Eine Arbeit, die zunächst vor allem für Fachkreise von Interesse schien, doch sie hat dem Potsdamer Astronomen Ralf-Dieter Scholz einen spektakulären Fund und weltweite Aufmerksamkeit beschert: Nach beharrlicher Suche hat er einen "Roten Zwerg" entdeckt:  Scholz’s Stern. Diese Namensgebung ist eine Ehre und eine große Ausnahme in der Welt der Astronomen – nicht viele Sterne sind nach ihren Entdeckern benannt.

Scholz’s Stern ist heute nur etwa 20 Lichtjahre von uns entfernt, in der Vergangenheit aber kam er der Erde schon mal sehr nah, nämlich auf eine Entfernung von unter einem Lichtjahr, rund zehn Lichtmonate. Aber Ralf-Dieter Scholz gibt Entwarnung:  "Da passiert nicht viel. Der Raum ist unheimlich leer, auch unser Sonnensystem ist unheimlich leer. Wenn Sie sich die Sonne und die Erde vorstellen, im Maßstab von 1 zu 100 Milliarden, dann wäre die Sonne eine kleine gelbe Tomate in meiner einen ausgestreckten Hand und die Erde wäre ein Staubkorn in der anderen ausgestreckten Hand. Das sind anderthalb Meter."

Wann die Tomate weg wäre

Und nun die Frage: Wie weit entfernt wäre die nächste gelbe Tomate, also die nächste Sonne? "400 Kilometer! 400 Kilometer wäre die nächste Tomate weg! Also, der Raum zwischen den Sternen ist unheimlich leer."

Wenn Rolf-Dieter Scholz‘ über seine Arbeit spricht, ist seine Begeisterung unmittelbar spürbar. Seine Faszination für das All und die Sterne ist ungebrochen, begonnen hat sie schon in der Kindheit. In den 70er Jahren, zu DDR-Zeiten, ging Scholz auf eine erweiterte Spezial-Oberschule in Kleinmachnow bei Berlin. "Damals war Astronomie noch ein Fach an der Schule. Wir hatten einen findigen Astronomie-Lehrer, der uns abends in einer Arbeitsgemeinschaft Astrofotographie versammelt hat. Da sind wir gerne hingegangen und haben nachts Beobachtungen gemacht und die Fotos im Labor entwickelt. In der Regel waren das Bilder vom Mond, wo man die Krater wunderschön sehen konnte."

DDR-Rechenzentrum wie ein heutiger Taschenrechner

Heute "beobachtet" Scholz keine Sterne mehr im klassischen Sinn – mal abgesehen davon, dass die "Roten Zwerge" mit dem bloßen Auge gar nicht zu erkennen sind -, er sitzt den ganzen Tag am Computer. Von dessen heutiger Rechenleistung konnte er während seines Studiums nur träumen: "In unserem Astronomie-Seminar hatten wir tatsächlich noch Kurbelrechner. Wir konnten also mechanisch Zahlen miteinander multiplizieren. Wir hatten auch schon elektronische Taschenrechner, die ersten gab’s schon, aber wir wurden auch noch in den Kurbelrechnern unterrichtet."

Auch später wurde lange Zeit noch mit Lochkarten gearbeitet. Dank der rasanten Rechner-Entwicklung gehört das der Vergangenheit an. "Unser ganzes Rechenzentrum zu DDR-Zeiten wäre heute nur noch ein Taschenrechner."

 

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