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Interview | Beitrag vom 09.09.2020

AstraZeneca unterbricht TestsFührt Kooperation oder Konkurrenz schneller zum Impfstoff?

Moderation: Nicole Dittmer

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Im Labor der Firma AstraZeneca (picture alliance / abaca press / Raphael Lafargue)
Versuch vorerst gestoppt: Der Pharmakonzern AstraZeneca musste die finale Phase seiner Impfstoffentwicklung gegen den Coronavirus unterbrechen. (picture alliance / abaca press / Raphael Lafargue)

Weltweit gibt es 176 Projekte, die nach einem Corona-Impfstoff suchen. Ein Zeichen für mangelnde Kooperationsbereitschaft oder der Beweis, dass Wettbewerb das Geschäft belebt? Weder noch, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Stephan Jansen.

Die Welt wartet auf einen Impfstoff gegen Corona, die EU-Kommission ist im Gespräch mit sechs Firmen. Mit dem britisch-schwedischen Konzern AstraZeneca gibt es bereits einen Vertrag über die Lieferung von bis zu 400 Millionen Impfstoffdosen. Aber das muss wohl noch warten, die Firma hat ihre klinischen Tests unterbrochen.

AstraZeneca stoppt den Versuch vorerst, weil ein Proband in Großbritannien über eine Entzündung des Rückenmarks klagte. Eine Beschwerde, die oft durch Virusinfektionen ausgelöst wird.

Zahlreiche Forscher suchen nach einem Impfstoff

Weltweit arbeiten derzeit 176 Corona-Impfstoffprojekte, 34 sind schon in der klinischen Erprobung am Menschen. Neun Unternehmen befinden sich, wie AstraZeneca, in der dritten Phase, der letzten vor der Zulassung.

Ist diese Vielfalt an Forschungsprojekten ein Zeichen dafür, dass es bei der Suche nach einem Impfstoff vorangeht? Schließlich heißt es: Konkurrenz belebt das Geschäft. Oder zeigt es die mangelnde Kooperation zwischen den Forschern auf?

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Weder das Eine noch das Andere, meint Stephan Jansen vom Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft. Denn solche neuen, komplexen und globalen Probleme erfordern ganz neue Herangehensweisen als bisher. Weder nur Konkurrenz noch alleinig Kooperation seien dabei das Heilmittel.

"Wir können nicht mehr auf alte Logiken zurückgreifen, dass einer allein vermeint, es hinzubekommen, oder dass wir so lange warten müssen, bis alle es miteinander gelöst haben."

Kooperation und Konkurrenz

Im  21. Jahrhundert gehe es nicht mehr darum, "die alten, klassischen Formen von Kooperation und Konkurrenz gegeneinander auszuspielen. Komplexität von Lösungen für gesellschaftliche Probleme gehen nur noch in einer Hybridisierung, in einer Mischung."

Also in einem Mix aus Kooperation und Konkurrenz, die Jansen als Koopetition oder Kooperenz bezeichnet: "ein Versuch, mit den Mitteln der Kooperation die Konkurrenzfähigkeit der besten Ideen zu beschleunigen".

Datenaustausch zwischen den Forschern

Jansen ist bezüglich der Suche nach einem Impfstoff optimistisch: Es zeige sich, dass ein Datenaustausch zwischen den Wissenschaftlern zunehmend stattfinde, "um beschleunigter, gemeinsam zu forschen".

Verschiedenste Forscherteams aus unterschiedlichen Ländern arbeiten mittlerweile zusammen. "Auch in den internationalen Impfstoffallianzen wird jetzt die Förderung auf eine Beziehungsfähigkeit umgestellt. Ich glaube, das ist erst einmal ein guter Impuls."

(Axel Flemming / lkn)

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