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Interview | Beitrag vom 25.01.2021

Arzt über Antikörper-Medikamente gegen Covid-19"Keine große Hoffnung"

Wolf-Dieter Ludwig im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Eine Dosis Impfstoff wird mit einer Spritze entnommen (picture alliance / Zoonar | Wolfgang Filser)
Für 400 Millionen Euro hat Deutschland noch nicht zugelassene Antikörper-Medikamente eingekauft. (picture alliance / Zoonar | Wolfgang Filser)

Deutschland hat derzeit noch nicht zugelassene Antikörper-Medikamente gegen das Coronavirus eingekauft. Wolf-Dieter Ludwig von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft bewertet diesen Schritt als "Aktionismus".

Die Medikamente, die bei einer Covid-19-Infektion helfen sollen und die Gesundheitsminister Jens Spahn für 400 Millionen Euro eingekauft hat, seien "sogenannte monoklonale Antikörper", erklärt Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. "Die wurden hergestellt von Patienten, die eine natürliche Infektion durchgemacht haben und dann Antikörper gebildet haben." Diese Antikörper sollen sicherstellen, dass möglichst keine Infektion im Körper ausgelöst wird.

Bisher keine Zulassung in Europa

So ein Antikörper-Medikament bekam auch der ehemalige US-Präsident Donald Trump, während seiner Corona-Infektion. Grund zum Jubeln seien die Medikamente aber nicht, meint Ludwig: "Wir haben derzeit keine Daten, die die Hoffnung sehr groß werden lassen."

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Studien hätten zwar gezeigt, dass Menschen, die sich infiziert hätten, bei Einnahme des Medikaments, eine geringere Viruslast im Nasen- und Rachenraum hätten, doch das, was man anstrebe, "dass man schwere Verläufe verhindert bei Patienten, die ein hohes Risiko dafür haben, beispielsweise weil sie eine Herz-Kreislauf-Erkrankung haben oder eine Lungenerkrankung oder Diabetes, da gibt es keine Daten, die das bisher überzeugend gezeigt haben."

Weitere Studien erforderlich

Und auch, dass es bisher in Europa keinen Antrag auf die Zulassung der Medikamente gebe, stimme ihn skeptisch, so Ludwig. Die Bestellung dieser Mittel für Deutschland ist in Ludwigs Augen "Aktionismus":

"Ich denke, man braucht seriöse Ergebnisse, um diese auch nicht ganz billigen monoklonalen Antikörper dann einzusetzen. Die haben wir im Augenblick eigentlich nicht. Deswegen haben wir auch keine Zulassung."

Wenn man diese Medikamente einsetzen wolle, solle man sie zumindest gründlich weiter prüfen, am besten in klinischen Studien, sagt Ludwig.

(nho)

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