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Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.05.2018

Arkadi Babtschenko - vermeintliches AttentatKein Gefallen für den Journalismus

Florian Kellermann im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Der russische Journalist Arkady Babtschenko (dpa / Alexander Baroshin)
Der totgeglaubte Journalist Babtschenko lebt (dpa / Alexander Baroshin)

Ein Mord, der keiner war. Der ukrainische Journalist Arkadi Babtschenko ist nicht tot. Der inszenierte Tod durch den ukrainischen Geheimdienst habe auch den Journalismus in seiner Glaubwürdigkeit beschädigt, meint Osteuropa-Experte Florian Kellermann.

Millionen Menschen waren betroffen, als die Nachricht vom Mord am ukrainischen Journalisten Arkadi Babtschenko am Dienstag verbreitet wurden. Auch Bundespräsident Steinmeier meldete sich besorgt zu Wort. Doch dann entpuppten sich die Nachrichten als falsch. 

Babtschenko erschien wohlauf bei einer Pressekonferenz am Mittwoch und erklärte, dass der ukrainische Geheimdienst mit einem inszenierten Mord an ihm einen geplanten Mord durch den russischen Geheimdienstes vereitelt hätte. Babtschenko entschuldigte sich für die Täuschung. Sie sei Teil eines Sondereinsatzes gewesen, um auch andere große Terrorakte zu verhindern.

"Wir sind auf jeden Fall in einer grotesken Situation" sagte Florian Kellermann im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. Man habe den ganzen Tag berichtet, dass Babtschenko tot sei und nun stelle sich diese Nachricht als falsch heraus. "Wir haben das den Hörern als Tatsache erklärt, denn die Nachricht kam von der ukrainischen Polizei und da mussten wir davon ausgehen, dass das stimmt".

Unfreiwillige Verbreitung von "Fake News"

Nun stelle sich dies als falsche Nachricht - "Fake News" - heraus und hinterlasse bei allen Beteiligten ein mulmiges Gefühl, so Kellermann. Auch bei dem Journalisten Babtschenko, der seinerseits erklärt hatte, dass er keine andere Wahl gehabt hätte, da sein Leben auf dem Spiel gestanden habe. Er sei darum dankbar für die Aktion des ukrainischen Geheimdienstes. 

Kellermann: "Klar ist aber auch, dass er an dieser Inszenierung, an dieser falschen Nachricht beteiligt war. Und das ist natürlich ein gewisser Schaden, den er als Journalist auf jeden Fall erleiden wird." Babtschenko stehe für einen literarischen Journalismus. Dessen Texte werde man in Zukunft anders lesen müssen.  

Erinnerung an reale politische Morde

Eigentlich könne man hinsichtlich der tatsächlichen Morde an Journalisten - etwa der an Journalistin Anna Politkowskaja im Jahr 2006 - die Inszenierung nur akzeptieren, wenn es dafür tatsächlich sehr triftige Gründe gebe, erläutert Kellermann. Bisher fehlten von Seiten der Ukraine und von Babtschenko solche Beweise für die Öffentlichkeit.

Kellermann hat auch Verständnis: "Babtschenko hat natürlich um viele seiner Kollegen getrauert. Er weiß wie dieses Gefühl ist und hat sich dafür entschuldigt, dass er dieses Gefühl hervorgerufen hat".

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