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Fazit / Archiv | Beitrag vom 26.09.2019

Architekturtriennale OsloBauen nach dem Wachstum

Nikolaus Bernau im Gespräch mit Andrea Gerk

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Zwei Baukräne im Nebel bauen das Lambda, das neue Munch-Museum in Oslo. (picture alliance)
Immer höher, immer weiter? Der Bau des neuen, zwölfstöckigen Munch-Museums "Lambda" in Oslo wird kontrovers disktuiert. (picture alliance)

Mehr teilen und neue Rohstoffe nutzen: Die diesjährige Architekturtriennale in Oslo lotet aus, wie Architektur nachhaltiger werden könnte – und deckt dabei Widersprüche innerhalb der eigenen Branche auf.

Das Motto der Architekturtriennale "Enough: The Architecture of Degrowth", also etwa "Es reicht – Die Architektur des Postwachstums", passe gut zu Oslo, meint Architekturkritiker Nikolaus Bernau: "Man merkt, es ist eine relativ kleine, intime Architekturtriennale, bei der sich alle zu kennen scheinen."

Aus allen nordischen Ländern seien Architekten, Kritiker und Publizisten zusammengekommen, um darüber zu debattieren, wie es erreicht werden kann, dass die Architektur und das Bauen nicht mehr so extrem dominant sind für das, was unsere Zukunft angeht, berichtet Bernau: "Nach aktuellen Berechnungen entstehen mehr als 30 Prozent des CO 2-Eintrags in die Atmosphäre allein durch das Bauen."

Handfeste Ansätze

Die Ansätze seien teilweise sehr handfest, sagt Bernau. Es gehe viel ums Teilen: Warum braucht jeder eine eigene Waschmaschine oder einen eigenen Staubsauger? Auch neue Rohstoffe werden vorgestellt, z.B. Blähzement, der den Materialverbrauch minimiere, so Bernau.

(Istvan Virag)Die Kuratoren der Architekturtriennale Oslo, v.l.n.r. Phineas Harper, Matthew Dalziel, Cecilie Sachs Olsen, Maria Smith (Istvan Virag)

Kommentar zur Architekturpolitik

Die Triennale sei eindeutig ein Kommentar zur widersprüchlichen Architekturpolitik in Norwegen, meint Bernau: "Einerseits ist man abhängig vom Öl, andererseits baut man sich ein Nationalmuseum für 660 Millionen Euro, das unglaublich ökologisch vorbildlich sein soll. Einerseits plant man ein ganz neues Munch-Museum, als Teil dieser großen neoliberalen Hafenerweiterung von Oslo und andererseits plant man auch eine neue Stadtbibliothek, die die ganz normale Bevölkerung in dieses Viertel der Reichen und Schönen hineinziehen will."

Dieser Widerspruch ziehe sich durch die gesamte Triennale, sagt Bernau: "Das ist so ein bisschen salonsozialistisch. Wir träumen davon, in einem schönen Kanal langsam durch die Gegend fahren zu können, aber denken erstmal nicht darüber nach, wer eigentlich den Kanal baut, wer das Schiff baut und wer dafür sorgt, dass der Kanal instand gehalten wird."

(beb)

 

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