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Interview / Archiv | Beitrag vom 28.10.2016

Architekt Braunfels zum "Museum der Moderne""Der größte Aldi von Berlin"

Stephan Braunfels im Gespräch mit Julius Stucke

Blick über den Potsdamer Platz mit dem Kulturforum in Richtung City West am 10.06.2016 in Berlin.  (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Auf dem freien Platz vor der St.-Matthäus-Kirche (links im Bild) am Berliner Kulturforum soll das Museum der Moderne entstehen. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Es hagelt Kritik am Entwurf für das neue Museum der Moderne in Berlin. Auch der Architekt Stephan Braunfels lässt kaum ein gutes Haar daran: Das Gebäude sein ein "autistischer Solitär" - eine Kiste, die man willkürlich ins Kulturforum pflanzen wolle.

Der Architekt Stephan Braunfels hält mit seiner harschen Kritik an dem Entwurf für das neue Museum der Moderne auf dem Gelände des Berliner Kulturforums nicht hinter dem Berg: Was das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfen habe, passe wunderbar in eine freie Landschaft – mit Sicherheit aber nicht mitten in die Stadt.

Der Entwurf, der aussehe wie ein Oktoberfest-Bierzelt oder eine große Scheune, sei deplaziert  "in der städtebaulich schwierigsten Situation von Berlin, vielleicht von Deutschland, vielleicht auf der Welt."

Die Aufgabe des neuen Gebäudes: Vermittlung

Braunfels, der selbst erfolgreich Projekte wie die Pinakothek der Moderne in München und einige Parlamentsgebäude in Berlin entwarf, erläuterte im Deutschlandradio Kultur, welchen Aspekt er für besonders problematisch hält. Nämlich zwischen zwei Architektur-Ikonen zu vermitteln:  dem Gebäude der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe und der Philharmonie von Scharoun. Und das sei eine wichtige städtebauliche Aufgabe. Und diese erfülle der Entwurf von Herzog & Meuron von allen Entwürfen wahrscheinlich am allerwenigsten.

"Er ist ein autistischer Solitär, der Mies van der Rohe Mies van der Rohe bleiben lässt und Scharoun Scharoun bleiben lässt und sagt: 'Hier sitze ich und kann nicht anders.'"

Zurückhaltung sei gut – aber in diesem Fall gehe es um Vermittlung, um Stadtraum.

"Das Museum kann von innen vielleicht das schönste Museum der Welt sein – doch hier geht es um die schwierigste städtebauliche Aufgabe von Berlin."

Vor allem hätte es nach Braunfels' Meinung einen städtebaulichen Wettbewerb geben müssen, nicht nur einen Architekturwettbewerb. Statt dessen habe man das Grundstück genommen "und gesagt: Da stellen wir jetzt eine Kiste drauf. Und so schaut sie jetzt aus." Mit dem Satteldach sehe das Gebäude aus "wie der größte Aldi von Berlin".

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