Seit 20:03 Uhr Konzert
Dienstag, 13.04.2021
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Tonart | Beitrag vom 16.03.2021

Arbeitslose Musiker der Metropolitan OperaWeiterkämpfen - das ist der amerikanische Geist

Dorothea Figueroa im Gespräch mit Carsten Beyer

Beitrag hören
Menschen laufen vor dem MET in New York City – einem kubusförmigen Gebäude mit fünf großen, halbrunden Fesnterfronten. (Imago / Richard B. Levine)
Die Metropolitan Opera New York entließ in der Corona-Krise ihre Orchestermusiker. Die organisieren sich jetzt selbst und kämpfen in der Krise gemeinsam. (Imago / Richard B. Levine)

Die Orchestermusiker der Metropolitan Opera New York wurden mit Beginn der Pandemie alle entlassen. Das US-Arbeitslosengeld deckt nicht mal die Hälfte ihrer Miete, erzählt die Cellistin Dorothea Figueroa. Nun spielt sie auch auf der Straße.

Während es in Deutschland für Musikerinnen und Musiker in der Corona-Krise das Überbrückungsgeld oder Arbeitslosengeld gibt, wurde den Orchestermitgliedern der Metropolitan Opera New York kurzerhand gekündigt. Die aus Dresden stammende Cellistin Dorothea Figueroa und ihr Mann Rafael spielen beide in dem renommierten Orchester. Beide sind seit einem Jahr arbeitslos. Das US-amerikanische Arbeitslosengeld deckt in New York aber nicht mal die Hälfte der Miete.

Publikum im Park

In der ersten Zeit spielten sie und andere als Straßenmusiker im Central Park. "Ich habe festgestellt, dass es mir nach ein paar Monaten sogar Spaß gemacht hat, wieder Publikum zu haben", erzählt sie. Die Leute hätten sich eine Stunde lang hingesetzt und die Musik genossen. Finanziell habe es auch ein bisschen geholfen.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Wenn der Spielbetrieb an der Metropolitan Opera wieder aufgenommen wird, werden die Gehälter um 30 Prozent gekürzt, habe das Management angekündigt, erzählt Figueroa:

"Wir müssen eben selbst ums Überleben kämpfen. Aber ich glaube, das ist der amerikanische Geist, dass man weiterkämpft und dadurch stärker wird."

Das künstlerische Niveau wird leiden

Die Metropolitan Opera sieht sich ihren Musikern jedenfalls nicht verpflichtet. So organisieren sich die Orchestermusiker selbst, unabhängig von der Oper. Ihr Zusammenschluss "Met Orchestra Musicians" rief die Spotlight-Series ins Leben. Sie organisieren Konzerte und streamen diese im Netz, verkaufen Tickets online und erbitten Spenden, die dann unter allen geteilt werden.

"Ich habe Angst, dass das künstlerische Niveau langfristig leiden wird", sagt Figueroa. Sie befürchtet, diese Krise werde nicht spurlos an dem Orchester vorbeigehen. Zwei Musiker seien an Corona gestorben, erzählt sie. Weitere sieben seien bereits vorzeitig in Ruhestand gegangen und sollte die Krise andauern, würden wahrscheinlich weitere abspringen, befürchtet sie.

Mehr zum Thema

Musiker in der Coronakrise - Wie die Klassikszene die Coronazeit nutzt
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 15.08.2020)

Im Kampf gegen Corona - Britische Musiker mit Mission
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 23.03.2020)

Freiberufliche Musiker und das Coronavirus - Keine Konzerte, keine Einnahmen, keine Zukunft
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 18.03.2020)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Tonart

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur