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Fazit | Beitrag vom 17.05.2020

Appell an die BundesregierungFilmemacher fordern einen Notfallfonds

Uli Aselmann im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Eine junge Frau mit Mundnasenschutz vor einer Vitrine, in der ein Berlinale-Bär ausgestellt ist. (Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB)
Kein Film, kein Kino, kein Berlinale-Bär. Die Zukunft des deutschen Films sieht düster aus. (Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB)

Auch die Filmindustrie steht coronabedingt still. Über viele Wochen wurden keine Filme produziert. Drehbuchautoren, Regisseure und Produzenten fordern jetzt einen Notfallfonds in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro, um den Kinofilm zu retten.

Eine Gruppe unabhängiger Drehbuchautoren und Regisseure hat einen offenen Brief verfasst. Adressat: die Bundesregierung. Der deutsche Kinofilm sei in höchster Gefahr, heißt es in dem Schreiben.

Gefordert wird ein Notfallfonds in Höhe von 60 bis 100 Millionen Euro - finanziert über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, wie Uli Aselmann erklärt. Er ist Gründer der Firma "die film gmbh" und stellvertretender Vorsitzender der Produzentenallianz.

Keine Versicherung trägt Pandemieschäden

Für die Produktionsfirmen sei es im Moment ein großes Problem, dass sogenannte Pandemieschäden über die abgeschlossenen Versicherungen nicht gedeckt seien, sagt er:

"Das bedeutet für die nahe Zukunft und im Grunde schon ab jetzt ein riesiges Problem, wenn wir Dreharbeiten wieder aufnehmen und ein möglicher Coronafall bei einer Schauspielerin auftritt, oder bei einem Schauspieler, die eigentlich ausfallversichert sind."

Das ganze Projekt käme dann sofort wieder zum Erliegen, der Produzent bleibe allein auf dem finanziellen Schaden sitzen.

Strenge Auflagen und Einnahmeausfälle

Aselmann berichtet von einem im März begonnenen Dreh, der wegen der Kontaktbeschränkungsmaßnahmen mittendrin abgebrochen werden musste. Sein Team ist seit der Coronakrise in Kurzarbeit. Seit einigen Tagen darf nun wieder gedreht werden, allerdings unter sehr strengen Auflagen. Die bisher aufgelaufenen Einnahmeausfälle und gestiegenen Kosten seien immens, sagt Aselmann.

Der Produzent Uli Aselmann. (Daniel Karmann / dpa)Der Produzent Uli Aselmann sieht seine Branche in ernsthafter Gefahr. (Daniel Karmann / dpa)

Kulturstaatsministerin Grütters kündigte jetzt weitere Hilfen für die Kinos in Höhe von 17 Millionen Euro an. Das sei erfreulich, sagt Aselmann, allerdings entgingen der gesamten Kinobranche in Deutschland fast 20 Millionen Euro Umsatz pro Woche – und das seit mehreren Wochen.

Wenn die Kinos nichts einnähmen, habe das wiederum Auswirkungen auf die Produzenten: Denn die Kinos zahlten eine Abgabe an die Filmförderanstalt Berlin.

"Diese Abgabe kann jetzt natürlich nicht geleistet werden. Und das heißt: Wenn die Filmförderanstalt keine Gelder generiert, kann sie auch keine Filme finanzieren."

Wenn wiederum keine Filme produziert würden, hätten die Kinos auch nichts, was sie zeigen könnten. Das System von Kinos, Verleihern und Produktionsgesellschaften gehe Hand in Hand - und alle seien extrem gefährdet, so Aselmann.

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