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Fazit | Beitrag vom 22.04.2019

Anwältin über Kunst-Erbschaften"Oftmals wurde die Sammlung schon das ganze Leben über gehasst"

Sasa Hanten-Schmidt im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Nicht jedes von den Eltern geerbte Bild stösst auf Begeisterung. (imago stock&people, photocase_1673403)

Wohin mit der Kunst, die man von den Eltern geerbt hat? Zu Hause aufhängen, bei Sotheby's versteigern oder den Entrümpelungsdienst anrufen? Was wie ein Luxusproblem klingt, treibt manchen Erben um und lässt den Wunsch nach Beratung steigen.

Sasa Hanten-Schmidt sammelt Kunst, ist Rechtsanwältin und wurde von der Industrie- und Handelskammer zu Köln als öffentliche Sachverständige für zeitgenössische bildende Kunst in Europa bestellt. In dieser Kombination wird sie oft von Menschen, die eine Kunstsammlung geerbt haben, um Rat gefragt. 

Mancher will gar nicht erben

Der Beratungsbedarf sei groß, sagt Hanten-Schmidt: "Meine Betätigungsfelder sind dann: Hilfe bei der Bewertung für die Erbschaftssteuererklärung, Auseinandersetzung mit den Miterben - soll geteilt werden, soll verkauft werden, wie geht es weiter?"

Auch dass die Kinder die Sammlung der Eltern gar nicht erben wollen, komme häufig vor. Durch den demografischen Wandel seien die Erben oft um die siebzig, wenn die Eltern mit über 90 Jahren sterben. Das Sichten der Sammlung und die Entscheidung, was damit passieren soll, sei eine neue Lebensaufgabe – nicht selten verbunden mit inneren Widerständen.

"Oftmals wurde die Sammlung schon das ganze Leben über gehasst", hat die Kunstexpertin festgestellt, "weil es – in der Wahrnehmung der Kinder jedenfalls – zu viel an Aufmerksamkeit gekostet hat, Zuwendung, die sie vielleicht selber vermisst haben".

Zudem seien die Konvolute nicht immer Sammlungen im Sinne einer zusammenhängenden Anzahl von Kunstgegenständen mit einer "inneren Verbindung". Sondern es handele sich um "eine assoziative, wilde, leidenschaftliche Ansammlung von Dingen, ein dysfunktionaler Haufen". Kostbar sei auch nicht alles. "Nur wenig Kunst steigt, die meiste Kunst fällt", weiß die Expertin und ergänzt:

"Der naive Glaube, dass man alles wieder in den Markt geben kann und auch nur annähernd das zurückbekommt, was die Eltern mal eingesetzt haben, der wird sich leider nicht bewahrheiten in den allermeisten Fällen."

Leidenschaft ist nicht vererbbar

Mit ihren eigenen Kindern versuchte sie deshalb zu Lebzeiten über ihre Kunstsammlung ins Gespräch zu kommen. "Ich versuche ihnen zu vermitteln, dass die Kunst ihnen nichts nimmt, sondern dass sie mir so viel bringt, dass das mein Leben bereichert." Wenn das gut gehe, werde vielleicht eine Leidenschaft für die Kunst allgemein in den Kindern entfacht, so dass sie eine eigene Art fänden mit der Kunst umzugehen. "Leidenschaft ist ja nicht vererbbar", sagt Sasa Hanten-Schmidt.

(beb)

 

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