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Fazit / Archiv | Beitrag vom 27.01.2021

Antirassismus-DebatteMangelnde Empathie auf beiden Seiten

Anna Sauerbrey im Gespräch mit Vladimir Balzer

'Black Lives Matter' Demonstration gegen Rassismus auf der Straße des 17. Juni im Sommer 2020. (picture alliance / Geisler-Fotopress | Ben Kriemann)
Ein Artikel im "Tagesspiegel" über antirassistische Aktivisten hat eine Debatte angeheizt. (picture alliance / Geisler-Fotopress | Ben Kriemann)

Der Kampf gegen Rassismus werde für manche zum Geschäftsmodell, hatte Fatina Keilani im „Tagesspiegel“ geschrieben. Dafür erntete die Zeitung einen veritablen Shitstorm. Redakteurin Anna Sauerbrey kritisiert die Unerbittlichkeit auf beiden Seiten.

Nach mehreren Artikeln im Berliner Tagesspiegel zur Antirassismus-Debatte werfen 70 Unterzeichnerinnen eines offenen Briefes der Chefredaktion vor, dass es dem Meinungsressort der Zeitung an Qualifikation fehle, rassistische Argumente sauber zu identifizieren. Der Brief nimmt Bezug auf Artikel der Tagessspiegel-Autorin Fatina Keilani. Keilani hatte geschrieben, dass die Empörung gegen Rassismus auch ein Geschäftsmodell sei.

Vor allem, um beide Seiten in der Rassismus-Debatte zu Wort kommen zu lassen, habe die Chefredaktion des Tagesspiegels der Veröffentlichung zweier Artikel von Fatina Keilani zugestimmt, sagt Anna Sauerbrey. Sauerbrey ist Mitglied der Chefredaktion im Tagesspiegel.

Ausgewogene Diskussion

"Wir hatten das Gefühl, jetzt kann man auch mal Kritik an der Bewegung selbst - auch an der Unerbittlichkeit, mit der auf Twitter teilweise vorgegangen wird, was Fatima Keilani ja selber am Wochenende erlebt hat - üben." 

Denn die Zeitung habe in der Vergangenheit viele Antirassismus-Aktivistinnen zu Wort kommen lassen. "Wir hatten Texte von Alice Hasters. Wir haben die Debatte über den Rassebegriff im Grundgesetz aufgegriffen. Wir hatten zuletzt auch von Ferda Ataman von den Neuen Deutschen Medienmacher*innen, was die Forderung nach der Migrantenquote mit als erste gedruckt."

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Die Polemik der beiden Keilani-Texte sei zugespitzt, sagt Sauerbrey. Mittlerweile würde sie in die Debatte nicht mehr mit dieser sprachlichen Schärfe hineingehen wollen.

Mangelnde Empathie

Auch dass es ihr beim Redigieren der Texte an Empathie mangele, könne sie annehmen: "Das will ich mir als eine der Personen, die die Texte gelesen haben, durchaus auch anziehen." Aber die Texte, auch die der Kritik – etwa auf Twitter – seien sehr unerbittlich: "Die Reaktion war es auch und ich glaube, es fehlt da teilweise auf beiden Seiten an Empathie."

Manche Formulierungen würde sie mit dem aktuellen Stand der Kritik heute herausnehmen. "Aber die Aussagen an sich finde ich weder rassistisch noch unsagbar.

Formulierungen können verletzen

Viele Aktivistinnen hätten deutlich gemacht, dass es ein großes Maß an Einfühlungsvermögen in diejenigen brauche, über die man schreibt: "Das zeigt sich dann in einzelnen Formulierungen." Doch dieses Bewusstsein sei beim Tagesspiegel vorhanden.

Menschen grundsätzlich die Teilnahme an der Debatte zu untersagen, weil sie keinen Migrationshintergrund hätten, hält Sauerbrey für falsch:

"Ich habe schon als Journalistin den Anspruch, Dinge nicht nur über Erfahrung, sondern auch über Recherche erschließen zu können." Und dabei könne sie beispielsweise mit Menschen reden, die Rassismus Erfahrungen hätten.

"Ich kann versuchen, mir das empathisch und durch Gespräche zu erschließen. Und ich kann auch Bücher lesen."

(mle)

Die deutsche Gesellschaft hat auf alle Fälle ein Rassismusproblem, meint der Publizist Christoph Giesa. Deshalb müsse die Debatte aber auch gesamtgesellschaftlich geführt werden. Und eher mit Argumenten als mit Emotionen:

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