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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 04.03.2016

Ansichten der vergänglichen WeltKatastrophen in der japanischen Literatur

Von Sabine Grimkowski

Wassermassen unterspülen Häuser in Japan.
Der Osten Japans ist von starken Überschwemmungen und Erdrutschen betroffen.

Mit Tsunamis, Erdbeben, Feuer und Sturm mussten die Japaner im Lauf der Geschichte fertig werden. Menschen, die mit solchen Bedrohungen leben, sind sich vielleicht ihrer Endlichkeit bewusster als andere, können Schönheit mehr genießen und gleichzeitig ihre Vergänglichkeit mitdenken.

Als Ende des 12. Jahrhunderts die Kaiserstadt Kyoto von Feuer, Stürmen und Erdbeben heimgesucht wurde, zog sich der buddhistische Priester Kamo No Chomei in die Berge zurück und führte fortan ein Eremitendasein. In den "Aufzeichnungen aus meiner Hütte" legte er seine Gedanken nieder zum Zusammenhang von Vergänglichkeit menschlicher Existenz und buddhistischer Loslösung vom Sein.

Rückzug in die Einsiedelei ist eine Reaktionsmöglichkeit. Eine andere zeigt der Schriftsteller Junichiro Tanizaki, der aus Furcht vor Erdbeben vierzig Mal in seinem Leben umzog und ihnen doch nicht entging. Haruki Murakami schrieb sich mit der Erzählung "Frosch rettet Tokyo" den Schrecken des Erdbebens von Kobe von der Seele, und die "große Welle von Kanagawa"" des Künstlers Hokusai ist auch zu lesen als Versuche, die fließend-vergängliche Welt in Momentaufnahmen zu bannen.

Nach Hiroshima entstand eine Gattung, die "Atombombenliteratur" genannt wird. Das Feature geht der Frage nach, wie sich das Bewusstsein, mit möglichen Katastrophen zu leben, in der Literatur und in der Kunst widerspiegelt.


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