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Interview / Archiv | Beitrag vom 18.08.2017

Anschläge in Spanien"Sehr sicher, dass es um dschihadistischen Terror geht"

Gerwald Herter im Gespräch mit Dieter Kassel

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Polizeikräfte in einem abgesperrten Bereich nach einem Terroranschlag in Barcelonas Flaniermeile La Rambla. (AFP / Josep LAGO)
Polizeikräfte in einem abgesperrten Bereich nach einem Terroranschlag in Barcelonas Flaniermeile La Rambla. (AFP / Josep LAGO)

Der "Islamische Staat" hat sich zum Anschlag in Barcelona bekannt. Ob die Terrormiliz aber tatsächlich dahinter steht, müsse noch ermittelt werden, sagt unser Sicherheitsexperte Gerwald Herter. Dass der Anschlag in Katalonien geschehen sei, sei aber wohl kein Zufall.

"Aus meiner Sicht ist es sehr sicher, dass es hier um dschihadistischen  Terrorismus geht", sagte unser Sicherheitsexperte Gerwald Herter nach dem Anschlag in Barcelona im Deutschlandfunk Kultur. Ob der "Islamische Staat" (IS) den Auftrag gegeben habe, müsse sich allerdings erst herausstellen. Das veröffentlichte Manifest des IS enthalte keine Informationen, die auf Insiderwissen hindeuteten. "Da sind zum Beispiel keine Namen von Attentätern genannt." Es gebe bisher keinen Beweis dafür, dass der IS hinter dem Anschlag stecke. Nun ermittelten die spanischen Sicherheitsbehörden, ob die Attentäter Kontakte zum IS gehabt hätten.

Hochburg des Dschihadismus

Die Region Katalonien gelte als Hochburg des Dschihadismus in Spanien, sagte Herter. Seit 2004, als bei dem Terrorakt in Madrid mehr als 190 Menschen starben, habe es landesweit hunderte von Festnahmen von "Gefährdern" gegeben. Die spanische Polizei sei "sehr robust aufgestellt". Es gebe Anti-Terror-Gesetze, die im europäischen Vergleich drastisch seien.  "Man hat die Erfahrung des ETA-Terrors", sagte der Sicherheitsexperte und wies darauf hin, dass der Austausch zwischen Geheimdienst und Polizei in Spanien gut funktioniere.

Historische Ansprüche

Für Islamisten spiele die Iberische Halbinsel aus historischen Gründen eine besondere Rolle.  Sie war im Mittelalter von Mauren beherrscht und Karten zeigten, dass die Iberische Halbinsel ebenso wie Nordafrika und der Nahe Osten aus Sicht von Islamisten zum "Stammgebiet" gehöre.

Zweiter Anschlag offenbar verhindert    

Nachdem bei der Attacke in Barcelona 13 Menschen starben, hatte die Polizei offenbar einen zweiten Anschlag im spanischen Küstenort Cambrils verhindert. Fünf mutmaßliche Terroristen wurden erschossen. Zwischen beiden Vorfällen soll es eine Verbindung geben.

Ein Stimmungsbild aus Barcelona am Tag nach dem Anschlag von unserer Reporterin Julia Macher: 

Nach dem Terror: Im Fazit (17. 08.2017) sprach Moderator Vladimir Balzer mit Opernintendantin Christina Scheppelmann über ihr Haus an den Ramblas und die Folgen nach dem Anschlag. 

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